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Legalize it!

Ich trete dafür ein, das immer wiederkehrende Schauspiel rund um zu Tränen gerührten Athlet_innen, lange Debatten über A- und B-Probe und die Frage, ob es „sauberen“ Sport geben kann, zu beenden. Wer an den „sauberen“ Sport glaubt, an „ritterliche“ Duelle, Mensch gegen Mensch, Pferd gegen Pferd, Lanze gegen Lanze glaubt, der_die lebt in einer Phantasiewelt.

Ich möchte in diesem Artikel auf verschiedene Argumentationen eingehen, die gegen die Legalisierung von Doping sprechen und sie aus meiner Sicht widerlegen.

1. „Doping zerstört die Gesundheit. Das darf nicht erlaubt sein.“

Ja, für viele Drogen ist diese Aussage mit Sicherheit nicht von der Hand zu weisen. Aber mir kann niemand erzählen, dass Leistungssport die beste Methode ist, ein gesundes Leben zu führen. Zu viele Kreuzbandrisse und Knöchelbrüche legen regelmäßig Bundesligaprofis lahm, zu häufig legt sich ein_e Athlet_in bei der Tour de France mit einem Affenzahn auf den Beton, zu häufig brechen sich Skispringer_innen Hals und Bein.

Ganz abgesehen davon ist „Das kann krank machen.“ kein Argument etwas zu verbieten, oder warum dürfen Cola, Kartoffelchips, Zigaretten und Alkohol weiterhin verkauft werden?

2. „Athlet_innen sollen Vorbilder (für Kinder) sein.“

Ja, schön ist es das Märchen von der Tellerwäscherin, die durch harte Arbeit zur Million.. ähm.. vom krebskranken Lance Armstrong, der durch harte Arbeit zum 7 fachen TdF-Sieger wird. Schön ist es vor allem dann, wenn eins den Menschen erzählen möchte, dass es keine staatlichen Eingriffe in die Wirtschaft braucht, dass sich der Wille zum Erfolg schon auszahlen wird, und dass alle, die sich kein „schönes Leben“ leisten können, doch selbst Schuld seien. Sie könnten ja härter arbeiten. Genau das erzählt uns das Märchen vom goldenen Lance.

3. Dann werden nur noch die Unehrlichen gewinnen.

Was genau soll mir jetzt das Vertrauen geben, dass der_die Athlet_in im gelben Trikot „sauber“ ist? Das Katz- und Mausspiel, das „Dopingtest“ genannt wird? Ich glaube nicht daran. Legalisierung hätte den Vorteil, dass die Karten offen auf dem Tisch liegen. Wer bereit ist, die fieseren Dinge zu schlucken, spritzen oder schnupfen, soll den Sieg haben. Heute werden die bestraft, die bescheißen und zu dumm sind, um das heimlich zu machen und die, die nicht bescheißen. Lasst uns die bestrafen, die am wenigsten für den Sieg zu opfern bereit sind. Vielleicht wird sich dann nach einer Übergangszeit die Erkenntnis durchsetzen, dass kein Preisgeld dieser Welt und keine Goldmedaille es wert sind, sich das Leben nach dem Ruhm zu zerstören. Und wenn nicht, dann ist wenigstens klar, wie dieser zu Stande kam.

Ein weiteres Argument pro Legalisierung kann ich direkt aus der Debatte um Cannabis übernehmen: Ein legaler Markt erlaubt Drugchecking, mensch ist nicht auf dunkle Vertriebskanäle angewiesen und weiß so, dass eins nur das Zeug nicht, das beabsichtigt ist zu nehmen.

Wir reden viel von „Freiheit“ in den letzten Monaten. Freiheit hängt ab von Verantwortung. Verantwortung für sich selbst, den eigenen Körper, aber auch die Menschen für die ich Vorbild bin.

Um das klarzustellen: Ich rede nicht dafür, dass Menschen Doping betreiben sollen. Ich bin aber sehr wohl der Meinung, dass erwachsene Menschen selbst in der Lage sein müssen, zu beurteilen wie weit sie bereit sind zu gehen für einen Platz auf dem Treppchen.

 

– Zum Contra-Artikel gelangt ihr hier: „Doping, Drogen und der Kapitalismus“.

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