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1 Jahr Beisitz im Bundesvorstand

Korbi gibt uns einen Einblick in die Tätigkeiten eines Beisitzers im Bundesvorstand der GRÜNEN JUGEND, seine lehrreichsten Momente, wie Vorstellung und Realität machmal auseinandergehen können und wie er empfiehlt, damit umzugehen.

SPUNK: Magst du dich vorstellen und eben erzählen, welches Amt du im Bundesvorstand inne hattest bzw. derzeit noch hast?

Korbi: Ich heiße Korbi und bin im Moment Beisitzer im Bundesvorstand der Grünen Jugend. Ich komme aus einem kleinen Dorf aus dem Süden von Bayern und studiere ab Oktober dann Soziologie in Bielefeld.

SPUNK: Mit “Beisitzer“ können viele wahrscheinlich erstmal wenig anfangen.

Korbi: Naja, der Name ist da ein wenig irreführend. Ich sitze nicht nur dabei, sondern habe viele verschiedene Aufgaben. Das Gute an meinem Posten ist, dass ich mir an vielen Stellen selbst aussuchen kann, welche Projekte ich anpacken möchte. Ich habe dieses Jahr zum Beispiel das Mentor*innenprogramm auf dem Bundeskongress mitorganisiert, mich um das Bühnenbild gekümmert, aber auch eine Aktion zum “Earth Overshoot Day“ mit anderen Jugendorganisationen zusammen organisiert. Dazu kommen aber dann natürlich auch noch die all die Aufgaben, die man im Bundesvorstand soweiso hat, wie zum Beispiel Anträge schreiben und die ganzen Sitzungen und Landesverbände besuchen, um dafür zu sorgen, das auch die auf dem Laufenden bleiben über das, was im Bundesverband so abgeht und anders herum. Man hat dann am Ende also meistens doch ziemlich viel zu tun und ist fast jedes Wochenende unterwegs.

SPUNK: Das klingt nach einem sehr vielfältigen und gleichzeitig auch zeitintensiven Amt.

Korbi: Ich glaube als Beisitzer ist man schon flexibler, was die Zeiteinteilung angeht. Da lässt sich auch mal nachts etwas abarbeiten. Als Sprecher*in muss man sich die Zeit manchmal einfach nehmen, wenn was wichtiges passiert und die Presse anruft, auch wenn man in dem Moment eigentlich grad keine Zeit hat. Insgesamt lässt aber glaube ich sagen, dass die Zugehörigkeit zum geschäftsführender Bundesvorstand wahrscheinlich nochmal zehn bis zwanzig Stunden mehr Aufwand in der Woche bedeuten als der*die Beisitzer*in einplant. Trotzdem gab es bei mir, glaube ich, nur sehr wenige Tage, an denen ich wirklich gar nichts für die GJ gemacht habe.

SPUNK: Glaubst du denn, dass deine Tätigkeit als Beisitzer dich in deinem bisherigen Studium eingeschränkt hat?

Korbi: Ja, ein wenig schon. Aber es war auch von vornherein klar, dass ich dieses Jahr in der Hinsicht dann einfach weniger mache. Bei Soziologie ist das ja etwas entspannter als zum Beispiel bei Medizin. Und andererseits hab ich dieses Jahr viele andere Sachen gelernt, die das dann am Ende auf jeden Fall wieder wettmachen.

SPUNK: Wenn du Lernen sagst, beziehst du dich da sowohl auf deine organisatorischen Skills als auch den inhaltlichen Input? Oder kam dir eins von beidem zu kurz?

Korbi: Das ist eine spannende Frage! Ich glaube inhaltlich habe ich vor allem viele neue Themen kennengelernt. Es passiert ja oft, dass Themen auf die Tagesordnung kommen, mit denen man sich davor nur sehr wenig auseinander gesetzt hat, und dann braucht man dazu aber schnell eine stichhaltige Meinung, um mitdiskutieren zu können. Einmal musste ich mich dann einfach einen Abend hinsetzen und mir ein paar Stunden Texte zum Thema Rente durchlesen, damit ich die ganzen Begriffe richtig einordnen konnte. Jetzt habe ich aber auch das Gefühl, da mitreden zu können. Organisatorisch lernt man vor allem, in einer großen Gruppe zu arbeiten. Da ist es wichtig, dass immer irgendwer den Überblick behält, man es aber auch schafft, dass nicht immer fünf Leute an einem Projekt arbeiten, sondern sich vertraut wird, wenn das nur zwei machen. Also insgesamt glaube ich, war das sehr ausgeglichen, auch wenn ich mir manchmal mehr Zeit für inhaltliche Arbeit gewünscht hätte.

SPUNK: Heißt also, Bundesvorstand bedeutet erstens, Teambereitschaft zeigen und nicht selten auch inhaltlich aus seiner comfort zone treten.

Korbi: Ja total, ich würde zumindest sagen, dass man eine gewisse Portion Lust auf Neues braucht und sich auch ab und zu mal auf etwas einlassen können muss, was man sich am Anfang nicht so vorgestellt hat. Aber das ist ja auch etwas Demokratisches, dass die Mehrheit im Bundesvorstand zum Beispiel nicht immer so ist, wie man sie sich wünscht, und dann muss man trotzdem damit umgehen können und weiter gut zusammenarbeiten. Trotzdem ist es von Vorteil, schon eine gewisse Vorstellung von dem zu haben, was man in einem Jahr im Bundesvorstand machen möchte, wenn man kandidiert. Auch wenn die Sachen, die man am Ende macht, vielleicht ein wenig anders aussehen, weil ja die anderen auch noch ihre Erfahrungen und ihre Vorstellungen einbringen. Ich glaube für jemanden, die*der da ohne Ideen reingeht, kann es schnell schwierig werden, weil man dann oft die Aufgaben bekommt, die übrig bleiben. Und das sind dann oft nicht die spannendsten, selbst wenn man sich da natürlich reinarbeiten kann. Aber die ersten Wochen, in denen alles geplant wird, sind für so ein Jahr schon sehr entscheidend.

SPUNK: Vielen Dank für das Gespräch!

Korbi: Danke dir!

Seit dem 1. Februar 2014 ist der SPUNK das Online-Magazin des Bundesverbandes der GRÜNEN JUGEND.

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