Netzpolitik
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Debatten im Netz

Tag für Tag führen wir etliche Diskussionen im Netz, in denen wir aktuelle Ereignisse Revue passieren lassen, von unterschiedlichen Blickwinkeln aus reflektieren, diskutieren und in deren Rahmen User*innen zum Teil großartige Aktionen starten, die wiederum als Basis für weitere neue Aktionen genutzt werden.

So schlug beispielsweise Netzaktivistin Anne Wizorek (@marthadear) vor, alltägliche Belästigungen und Übergriffe unter einem Hasthag zu sammeln, nachdem kurz vorher mehrere Blogtexte zu sexualisierten Übergriffen erschienen waren und sowohl im Spiegel als auch im Stern der Umgang von übergriffigen Spitzenpolitikern mit Journalist*innen thematisiert wurde.

#Aufschrei wurde so populär, dass Initiatorin Wizorek sogar zum sonntäglichen Polittalk von Günther Jauch eingeladen wurde, zahllose Artikel (ob on- oder offline) berichteten über den Sturm an Tweets.

Positiv überrascht von der Debatte, die durch #Aufschrei ausgelöst wurde, startete Kübra Gümüşay (@kuebra) #SchauHin, also eine Art #Aufschrei übertragen auf Rassismus, um auf Rassismus in der Mitte der Gesellschaft fernab von “Rechtsextremismus“ aufmerksam zu machen. Die Debatte um #SchauHin wurde ebenfalls relativ schnell im Netz verbreitet und von den klassischen Medien aufgegriffen.

Mit #Aufschrei und #SchauHin gelangten endlich wichtige gesellschaftliche Probleme wie Alltagssexismus und Alltagsrassismus in den Fokus. Doch was ist jetzt eigentlich mit Menschen, die irgendwie von beidem betroffen sind? Oder Menschen, die auf Sexismus/Rassismus in Kombination mit anderen Arten von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit antreffen? Was ist mit Mehrfachdiskriminierung?

Am 10. Januar dieses Jahres begann Noorulann Shahid (@YxxngHippie) über ihre Frustration als muslimische Feministin zu tweeten, zwischen Muslim*innen, die sie davon überzeugen wollten, sie bräuchte schlichtweg keinen Feminismus, zwischen weißem Mainstream-Feminismus, von dem sie sich nicht angesprochen und sogar zurückgewiesen fühlte und zwischen Rassist*innen, die sie entweder nicht als Feministin ansahen aufgrund ihres Daseins als Muslimin oder nicht als Muslimin aufgrund ihres Daseins als Feministin.

Es kam schließlich zu #LifeOfAMuslimFeminist. Innerhalb eines Wochenendes tweeteten mehrere tausend muslimischer Feminist*innen rund um den Globus über diskriminierende und sexistische Erfahrungen, über islamophobe Kommentare, über Anfeindung, über alles, was sie hinsichtlich dieses Themas bewegte.

So finden wir im Netz ebenfalls Platz für Themen, die in der Mainstream-Berichterstattung nun mal keinen Raum haben, gleichzeitig aber einen wichtigen Beitrag zur Repräsentation marginalisierter Gruppen darstellen.

Debatten im Internet und gerade auf Netzwerken wie Twitter, über die binnen weniger Stunden durch nur einen Hashtag tausende und abertausende Beiträge gesammelt werden, geben uns die Möglichkeit Gruppen sichtbar zu machen, die unter anderen Umständen unsichtbar geblieben wären.

Allein schon aus diesem Grund sind Debatten im Netz klasse. Und Hashtags auch. Und Aktivist*innen, die Debatten im Netz anregen, inspirieren und weiterführen.

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