Monate: Oktober 2014

Vom unpolitischen Sport

von

Fußball ist toll. Es ist meine Sucht. Meine Leidenschaft. Aber ich auch ein Linker und das macht die Liebe zum Ballgetrete kompliziert. Für mich ist Leverkusen nicht „schwul“ und ich habe wahre Probleme mit den „Sieg“-Gesängen nach Spielen, weil die Stimme in meinem Kopf immer ein „Heil“ anfügen möchte. Ich mache mir keine Illusionen, dass die meisten in der Kurve nicht so kritisch sind. So kenne ich Leute, die sich für die Fankultur, sondern nur für das Spiel an sich begeistern. Auch das finde ich legitim. Aber mein Verständnis von Fußball ist nun einmal politisch: Ich will bunte, das heißt antifaschistische und feministische Kurven, frei von Homophobie, Trans*phobie und Sexismus, haben. Sicher, auch ich liebe das „Wir“-Gefühl, aber es ist ein inklusives „Wir“. Ich will, dass jede*r, der*die Spaß am Sport hat, diesen auch ohne Angst schauen kann. Linke Fankultur ist laut und kritisch gegenüber der Vereinspolitik: Doof sind Schwarmärkte, Preiserhöhungen und Millionenablösen, gut dagegen Jugendkultur und inklusive Stadien. Das Private ist politisch, also auch mein Fan-Dasein. Für mich soll der*die Gegner*in nicht „vernichtet“ werden, …

Seminarbericht: ''Freie Software''

von

Am Samstag den 25.10.2014 veranstaltete die GRÜNE JUGEND Karlsruhe ein ganztägiges Seminar zum Thema Freie Software und Open Government. Im Jugendhaus Oststadt versammelten sich 12 Jugendliche aus Karlsruhe und Umgebung um mehr über die politischen Auswirkungen des Themas zu erfahren. Als erstes stand ein Grundlagen-Workshop an. Björn Schießle von der Free Software Foundation Europe erklärte die Ideen hinter dem Begriff der Freien Software. Seine zentrale Aussage war, dass die Entscheidung für oder gegen Freie Software keine technische, sondern eine politsch-strategische Entscheidung ist. Am Beispiel der Stadt München wurde klar, mit welchen Hindernissen eine Migration von nichtfreier zu Freier Software verbunden ist, und wie diese trotzdem gelingen kann. In der anschließenden Diskussionsrunde mit Alexander Salomon, Mitglied des Landtages von Baden-Württemberg, und Florian Wilhelm, netzpolitischer Aktivist der GRÜNEN JUGEND, wurden Handlungsoptionen des Landes im Bezug auf Freie Software erörtert. Dabei mussten die Teilnehmenden feststellen, dass es viele gute Ansätze zur Befreiung der IT-Landschaft gibt, die oftmals im klein-klein der Länder untereinander oder zwischen Land und Kommune stecken bleiben. Nach dem Mittagessen wurde im Open Space weiter über …

PolGF-Tagebuch: Woche 1

von

Vor ein bisschen mehr als einer Woche wurde ich von euch zum Politischen Geschäftsführer der GRÜNEN JUGEND gewählt. Nach dem Eindruck der ersten Tage kam mir die Idee, regelmäßig über meine Erfahrungen zu bloggen. Nicht nur damit ihr wisst, was ich eigentlich den lieben langen Tag für Däumchen drehe, sondern auch, um einen Einblick darein zu geben, was das Amt der Politischen Geschäftsführung eigentlich bedeuten kann. Zum Einstand gibt es sogar .gifs! Woohooo! Auch wenn du dich gut vorbereitet fühlst, die erste Woche hat ein bisschen was von einem Stich ins Wespennest. Auf dich prasseln unzählige Eindrücke ein, deine To-Do Liste wird jeden Moment den du weg schaust länger und länger und kaum machst du dich an deine Aufgaben ist plötzlich wieder 22:00 am Abend. Diese Überwältigung ist aufregend, aber auch respekteinflößend. Eine der ersten Herausforderungen war, die Zuständigkeiten im Bundesvorstand zu verteilen. Schließlich ist es nicht sinnvoll wenn jede_r alles macht, sondern klar vereinbart wird, wer für welche Projekte und Kontakte zuständig ist. Das umfasst in einem 10-köpfigen Gremium mit einer einjährigen Amtszeit entsprechend …

Doping, Drogen & der Kapitalismus

von

In unserer Pro-Contra-Debatte über die Freigabe von Doping im Sport vertritt Marcel aus der SPUNK-Redaktion die Contra-Position. Er meint, so sehr Florian auch recht haben möge, dass die populären Argumente gegen Doping scheinheilig seien, verfehle seine Rhetorik den Kern der Sache: Doping sei Ausdruck des destruktiven Verdrängungswettbewerbs, wie wir ihn im Kapitalismus alltäglich erleben würden.

Legalize it!

von

Ich trete dafür ein, das immer wiederkehrende Schauspiel rund um zu Tränen gerührten Athlet_innen, lange Debatten über A- und B-Probe und die Frage, ob es „sauberen“ Sport geben kann, zu beenden. Wer an den „sauberen“ Sport glaubt, an „ritterliche“ Duelle, Mensch gegen Mensch, Pferd gegen Pferd, Lanze gegen Lanze glaubt, der_die lebt in einer Phantasiewelt. Ich möchte in diesem Artikel auf verschiedene Argumentationen eingehen, die gegen die Legalisierung von Doping sprechen und sie aus meiner Sicht widerlegen. 1. „Doping zerstört die Gesundheit. Das darf nicht erlaubt sein.“ Ja, für viele Drogen ist diese Aussage mit Sicherheit nicht von der Hand zu weisen. Aber mir kann niemand erzählen, dass Leistungssport die beste Methode ist, ein gesundes Leben zu führen. Zu viele Kreuzbandrisse und Knöchelbrüche legen regelmäßig Bundesligaprofis lahm, zu häufig legt sich ein_e Athlet_in bei der Tour de France mit einem Affenzahn auf den Beton, zu häufig brechen sich Skispringer_innen Hals und Bein. Ganz abgesehen davon ist „Das kann krank machen.“ kein Argument etwas zu verbieten, oder warum dürfen Cola, Kartoffelchips, Zigaretten und Alkohol weiterhin verkauft …