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Urban Paving als Endlösung der Gedenkfrage

Stolpersteine: Warum eine herablassende Gedenkform die Deutschen in ihren Bann zieht – und Überlebende der Shoa als Störenfriede der Erinnerung erscheinen lässt

Gäbe es eine Gedenkform, die das unfassbare Grauen der Shoa auch nur etwas an uns heranzurücken vermöge, wäre sie nicht zu ertragen. Andererseits wünschen sich Menschen hierzulande aus unterschiedlichen Gründen Erinnerung. Da sich unter dem Schatten der Shoa aber eben nicht leben lässt, hat sich bisweilen leichter bekömmlicher und zeitlich begrenzter Begegnungskitsch durchgesetzt: berechenbare Gedenkreden und Kranz-Rührstücke oder graue Mahnmale. Häufig wurden Gedenkveranstaltungen bislang von Menschen besucht, die sich bei dieser Gelegenheit als gute und geläuterte Deutsche herauszuputzen versuchten, häufig von Menschen in Funktion – vereinzelt auch aus besseren Gründen.

Gäbe es eine Gedenkform, die das unfassbare Grauen der Shoa auch nur etwas an uns heranzurücken vermöge, wäre sie nicht zu ertragen.

Während eine Gedenkrede aber dem Auditorium wenigstens noch eine längere Aufmerksamkeitsspanne abverlangt, und ein Mahnmal das Hingehen, haben sich die sogenannten Stolpersteine als bequemste Form der „Erinnerung“ in vielen Städten durchgesetzt. Sie werden von Befürwortenden häufig mit Attributen wie „charmant“, „glitzernd“, „interessant“, „überraschend“, „dezent“ oder „angemessen“ versehen – was nicht zufällig Attribute sind, die mit der Shoa nicht das Geringste gemeinsam haben.

Untenrum Volksinitiative – obenrum autoritär

Das Stolperstein-Projekt erscheint zunächst wie eine Graswurzel-Bewegung, wie ein Urban Gardening des Erinnerns. Interessierte werden motiviert, sich aus den örtlichen Todeslisten selbstständig ein Holocaust-Opfer ihrer Wahl herauszusuchen. Für eine Zahlung von 120 Euro erhalten sie einen dazugehörigen Pflasterstein mit Messingschild. Dieser wird im Boden vor dem Haus eingelassen, wo das Opfer zuletzt gelebt hat. Im Gegensatz zum Urban Gardening – bei dem Menschen willkürlich Gemüse anstatt Andenken in der Stadt anpflanzen und pflegen – ist das Stolperstein-Projekt höchstautoritär organisiert. Zentrale Figur ist der Künstler Gunter Demnig. Demings Idee wurde 1993 geboren und ist im Rahmen einer Publikation mit dem Titel „Größenwahn – Kunstprojekte für Europa“ entstanden. Für die sechs Millionen Opfer der Shoa wollte Demnig sechs Millionen Steine in ganz Europa verlegen. Dass die Meinungen und Wünsche der Nachkommen der Opfer in seinem Projekt keinen Platz haben, betont Demnig immer wieder.

Die Enkelin von Erna Lieske beispielsweise staunte nicht schlecht, als sie in Hamburg durch Zufall einen Stolperstein ihrer Großmutter mit der eingelassenen Bemerkung „Gewohnheitsverbrecherin“ entdeckte. In Hamburg und anderenorts wird neben dem Namen der Verfolgungsvorwand im Nazi-Jargon vermerkt. Demnig sagte dazu 2014 gegenüber der taz: „Ich habe keine Zeit, mit den Angehörigen zu diskutieren. Wenn die empfindlich sind, müssen die sich vielleicht selbst mal damit befassen und überlegen, wie das gemeint ist. Ein kostenloser Austausch beanstandeter Steine kommt nicht infrage.“ Bereits 2013 betonte Demnig gegenüber dem Radiosender Corax: „Es wäre unbillig, zu verlangen, auf Teufel komm raus alle Angehörigen zu fragen.“

Störenfriede der Erinnerung

Die Nachkommen der Shoa interessieren Demnig nur, wenn sie sich für sein Projekt einspannen lassen.

Dass der Sprecher der Jüdischen Gemeinde Hamburgs Demnig 2014 in der Jüdischen Allgemeinen als ein „prägnantes Beispiel für eine spezielle Form bundesrepublikanischen Gedenkmonopols“ bezeichnet und Demnigs Projekt ein „Opfergedenken als politisch korrekt ummantelter Businessplan“ nennt, reicht weder ans Gefühlsleben Demnigs noch an das seiner Vermarktungsagenturen heran. Schon gar nicht rührt es die immer geräuschvollere Volksinitiative für Stolpersteine. Derlei Anmerkungen gelten vielmehr als Störung des reibungslosen Erinnerns.

Als Hauptstörenfried wurde inzwischen Charlotte Knobloch ausgemacht. Die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde von München und Oberbayern trägt nämlich die unerträgliche Erinnerung in sich. Sie hat selbst miterlebt, wie Jüdinnen und Juden am 9. November 1938 auf den Boden geworfen und getreten wurden. Deshalb ist sie in der Frage klar: Ein Andenken am Boden für sie nicht infrage.

Es sei in Deutschland genug auf Jüdinnen und Juden herumgetrampelt worden, sagt Knobloch.

In einer Stellungsnahme des Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma (2011) heißt es ebenfalls, aus „Gründen der Pietät“ gäbe es Vorbehalte, „wenn der einem bestimmten Menschen gewidmete Stein buchstäblich mit Füßen getreten“ werde.

Auch wenn inzwischen jüdische Stimmen und die Stimmen anderer Opfergruppen der Shoa zu hören sind, die sich für Stolpersteine aussprechen, so bleibt dennoch unter dem Strich bestehen: Der heftigste Widerstand gegen diese Gedenkform formiert sich aus den Reihen der Nachkommen der Opfer – und keine andere Gedenkform hat bislang einen ähnlichen Widerstand ausgelöst.

Eine herablassende Verbeugung

Die Argumente der Gegnerinnen und Gegner der Stolpersteine sind klar: Nach ihrem Dafürhalten wird auf dem Andenken grausam Ermordeter herumgetrampelt, Kinderwägen poltern darüber, Zigaretten landen darauf, Hunde hinterlassen ihren Kot. Zudem bietet diese Gedenkform – im Gegensatz zu einer eindrücklichen Rede – weder Kritik noch Perspektive. Es wird nicht transportiert, welche wichtige Rolle Israel für das Überleben vieler Jüdinnen und Juden im Heute spielt.

Auf der Strecke bleibt die Kontinuität, wenn die Ordnungsämter als „Zigeuner“ oder „mobile ethnische Minderheit“ Beschriebene durch die Städte treiben Und Stolpersteine werfen auch nicht die Frage auf, warum vor europäischen Außengrenzen tausende Geflüchtete ersaufen müssen – toleriert und vorangetrieben von einem Grenzregime, das in Europa insbesondere unter deutschem Einfluss steht.

Der Kritik am massenhaften Herumtrampeln auf dem Andenken grausam Ermordeter entgegnet Demnig hingegen leichtfüßig: „Es ist kein Problem, wenn man darüber läuft. Darüberlaufen bringt die Steine zum Glitzern, sie werden dadurch poliert.“ Vielfach wird auch ein bildhaftes Argument entgegen gehalten: Die Menschen würden sich beim Betrachten der Stolpersteine vor dem Andenken „verbeugen“, heißt es. Doch tatsächlich verbeugen sie sich nicht. Wer sich wirklich vor einem Andenken verbeugt, tritt unter dessen Augenhöhe und schaut nicht darauf herunter. Außerdem: Hat es an Verbeugungen in Deutschland in den letzten Jahrhunderten wirklich gemangelt?

Höchste Form des Vergessens

Erinnerung stelle in Deutschland die höchste Form des Vergessens dar, befand der 1997 leider viel zu früh verstorbene Gesellschaftskritiker Eike Geisel. „Monumente der Vernichtungsgewinnler“ würden in diesem Zusammenhang erschaffen, angetrieben von einer „Moralität der Debilen“. Obwohl Geisels Texte dazu circa dreißig Jahre alt sind, kommen sie nach wie vor auf den Punkt – insbesondere im Falle der Stolpersteine. In München darf Demnig bislang keine Stolpersteine auf öffentlichem Grund verlegen, was das Beste sein dürfte, was sich die Münchner Politik in der Gedenkfrage bislang geleistet hat. Doch der Widerstand bröckelt.

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17 Kommentare

  1. wolfgang.leitner@gruene-muenchen.de'

    Der Artikel bleibt leider ziemlich an der Oberfläche, was schon damit beginnt, dass nicht klar zwischen einem Gedenken an Opfer des Nationalsaozialsimus und der Shoa unterschieden wird. Die Diskussion in München dreht sich ja gerade darum, ob eine Opfer-Gruppe ein generelles Verbot erwirken darf. Bei den Stolpersteinen geht es nicht nur um die Opfer der Shoa.

    Der Antrag der grünen Müncher Stadtratsfraktion kommt hier zu einer sehr klugen Forderung, nämlich das generelle Verbot aufzuheben und es den einzelnen Opfergruppen zu überlassen, ob sie diese Form des Gedenkens wünschen.

    Es ist übrigens auch nie der Anspruch der Stolpersteine gewesen ein umfassendes Gedenken an die Shoa oder die Opfer der NS-Diktatur generell zu sein, ja noch nicht mal umfassend für jedes einzelne Opfer. Es gibt natürlich das Gedenken an den Orten der Verbrechen, aber genau so sollte es eine Erinnerung den Orten geben, an denen die Opfer gelebt haben und von wo sie deportiert wurden. Das war nämlich mitten unter uns und das wollen die Stolpersteine aufzeigen.

  2. elske@brault.de'
    elske Brault sagt

    Das ist ein bedauernswert polemischer Artikel. Vielleicht vorm Verfassen lieber mal informieren: swr2.de/stolpersteine Gruß, Elske Brault

  3. ak1978@eml.cc'
    Alexander sagt

    Leider ein schrecklich Artikel zu einem sensiblen Thema. Der Autor diffamiert in einer überzogenen und arroganten Art und Weise Menschen, die sich für Stolpersteine einsetzen. Ob Stolpersteine jetzt eine angemessene Gedenkform darstellen oder nicht, darüber kann man sicher streiten, der Autor unterstellt aber Unterstützer*innen, dass sie Erinnerung als Form des Vergessens betreiben wollen, unterstellt postfaschistes Gedankengut. Ziemlich arrogant das.

  4. hesse@hans-hesse.de'

    Starke Worte „Endlösung der Gedenkfrage“ … Da hat der Autor aber seine Lektion aus der Geschichte gelernt und den Nazis dabei aufs Maul geschaut! Herausgekommen ist dabei allerdings ein äußerst geschmackloses Wortspielchen. Darin scheint sich der Autor zu gefallen: artifizielle Wortmätzchen. Das verfehlt natürlich seine Wirkung nicht, verdeckt jedoch nur spärlich, dass untendrunter dem Autor die Fakten fehlen. Wie wäre es z.B. damit: „Es sind Fälle bekannt, in denen Angehörige von Opfern der Sinti und Roma mit der Verlegung eines Stolpersteines für ihre ermordeten Menschen einverstanden waren.“ (Auszug aus der Stellungnahme des Dokumentationszentrums Dt. Sinti und Roma in Heidelberg). Oder: 6 Millionen Steine? Der Text, das Projekt Stolpersteine betreffend lautet im Original: „Projekt STOLPERSTEIN
    50 Jahre danach: Die deutsche Geschichte wird von einigen immer noch oder schon wieder geleugnet. Mahnmale werden in Nischen verdrängt, geschändet – Neuplanungen werden verzögert oder gleich gestrichen. Allgemein gehaltene Inschriften lassen oft vergessen, dass der Schrecken sich in den Vierteln, Straßen und Wohnungen abspielte, in denen wir heute leben. Wir kennen aber einen Teil der Namen einschließlich der Adressen der deportierten und dann vernichteten Menschen.
    Das Projekt: Vor diesen bekannten und noch existierenden Häusern oder Adressen wird ein Pflasterstein entnommen und durch einen Stolperstein ersetzt: Betonguss mit einer Deckplatte aus Hartmessing (2mm). In diese kleine Tafel werden der Name der Person und das Datum der Deportation eingraviert. Der ‚Ersatzstein‘ wird im Trottoir vor den Häusern so verlegt, dass die Bürger ihn nicht links liegen lassen können. Durch häufiges Begehen wird er immer wieder blank poliert und bleibt dadurch sichtbar und auffällig. Das Projekt soll nicht in der Vergangenheit stehenbleiben, sondern gegenwärtige Gewalttaten erfassen, die vor einem neuen deutsch-nationalen Hintergrund ablaufen und von einigen Mitbürgern durchaus mit Sympathie betrachtet werden. Vielleicht können einzelne individuelle Mahnmale mehr bewirken als Denkmale, die zum Teil weit ab liegen. Vor der eigenen Haustür wird die Verdrängung schwieriger.“
    Und dann die olle Knobloch-Äußerung von 2004, die immer dann aus dem Hütchen gezaubert wird, wenn einem nichts mehr einfällt. Dabei: 2006 sprach sie von „Gedenktätern“. Wenn das der Autor nur gewusst hätte …
    Die Beschreibung Gunter Demnigs als quasi ‚Gedenkdiktator‘, als ‚Grögaz‘, als ‚Größter Gedenkführer aller Zeiten‘, die im Wesentlichen aus der unkritischen und nicht überprüften Übernahme aus der Zeitung stammt, geht völlig an der Realität des Projektes vorbei.
    Insgesamt: Der Beitrag ist eine in Teilen geschmacklose Polemik gegen Stolpersteine, zusammengeschustert aus wenigen Quellen (quasi nur taz lesen und abschreiben ist zwar sympathisch, reicht aber nicht). Ich mag Polemiken, im Allgemeinen. Die Frage aber ist doch, ob solche Polemiken dem Thema, um das es geht, angemessen sind.
    Übrigens: Der Terminus „Endlösung der Gedenkfrage“ ist so neu nicht. Er geht zurück auf den ehemaligen Direktor des Holocaust-Museums in Washington. Er kritisierte damit das geplante Holocaust-Mahnmal in Berlin. Er sagte, „dass es so viele Wege des Gedenkens gebe, dass eine ‚zentrale Gedenkstätte ein Paradox wäre‘. Es wäre ‚ein Raum, der vorgibt, alle Erinnerungen zu enthalten‘, ohne dies aber leisten zu können. Mit dieser ‚Endlösung der Gedenkfrage‘ würden die vielen ‚Subkulturen der Erinnerung‘ verlorengehen.“ Zitiert aus der taz v. 17.7.1995.

  5. charlotte.loew@hotmail.de'
    Charlotte Löw sagt

    Bemerkenswerte Kommentare, die deutlich zeigen, wie notwendig eine Kritik an einer Gedenkkultur ist, in der Stolpersteine – wahrscheinlich genau weil man bequem über sie drüberlatschen kann – zum non plus Ultra des Gedenkens werden und die Nachkommen der Täter die Definitionsmacht über die richtige Form des Erinnerns für sich beanspruchen, sodass es für sie möglichst einfach bleibt, Kontinuitäten nicht thematisiert werden. Natürlich sehen einige Angehörige von Ermordeten die Stolpersteine ebenfalls als angemessene Form des Gedenkens. Aber es ist schon unglaublich eklig, dass aus finanziellen Gründen die Angehörigen nicht vorher gefragt werden. Das zeigt doch wo hier der Fokus liegt.

  6. bernd.struller@gmx.de'
    Bääärnd sagt

    ist doch logisch, dass es eine Kartoffel-Party gibt, wenn jemand wagt, Stolpersteine doof zu finden. Haha

  7. secret@nsa.us'
    notoftheantiSemitesbusiness sagt

    Vielen Dank für diesen sehr guten Artikel, Caspar Schmidt.

    Lassen Sie sich nicht von dem Judentrampler-Gesocks in den Kommentaren stören. Sie sind die Gleichen welche gemeinsam mit ihren Pali-Freunden letztes Jahr den Tod Israels brüllend herbeisehnten. Leute, Menschen kann man sie nicht nennen, die fernab jeglicher Reflexion, Einsicht und Empathie sind. Atomisierte Nichts, die Erinnerung an die Shoa als Selbstbeweihräucherung veranstalten. Die Aussagen („darüberlaufen bringt die Steine zum Glitzern“) des „Künstlers“ Gunter Demnig sprechen für sich. Eigentlich sollten diese zur Folge haben daß ein Vormundschaftsgericht seine Mündigkeit prüft. Dies wird aber nicht geschehen, was für sich alleine schon viel aussagt.

    • katja.walter007@gmail.com'

      Haben sie schon mal etwas von gelenkter „Propaganda“ gehört? Woher können sie mit einer so unglaublichen Gewissheit allen Ernstes behaupten, dass das, was sie gelesen haben, auch tatsächlich in dieser Art und Weise aus dem Mund des Künstlers gekommen ist? Standen sie daneben? Haben sie sich schon einmal mit ihm unterhalten? Waren sie schon bei einem seiner zahlreichen Vorträge?

      Ich bin mir sehr sicher, wenn sie tatsächlich den ganzen Artikel gelesen hätten, auf den sie hier anspielen, dann hätten sie sehr schnell erkannt, dass der Artikel äußerst unreflektiert und hetzerisch Bezug auf die Person Gunter Demnigs nimmt und nicht auf seine Arbeit.
      Mein Tipp:
      1. Nicht hinter jedem in der Zeitung oder im Internet veröffentlichten Artikel gleich eine Weltverschwörung vermuten.
      2. Berichte ganz lesen und Vergleiche zu anderen Berichten ziehen.

      Herzlichen Dank!!!

      • fuckoffzecke@gmx.de'
        notoftheantiSemitesbusiness sagt

        Ihre Tipps können Sie sich für Ihre Antisemitentreffs behalten, denn

        „1. Nicht hinter jedem in der Zeitung oder im Internet veröffentlichten Artikel gleich eine Weltverschwörung vermuten.“

        Genau das Gegenteil des von Ihnen Empfohlenen machen Sie mit „Haben sie schon mal etwas von gelenkter „Propaganda“ gehört? “
        Glauben Sie vielleicht sogar an eine „Jüdische Weltverschwörung“, „Ostküste“ und dergleichen? Würde mich nicht überraschen.

        Nichts zu danken.

  8. caspar@test.de'
    Caspar Schmidt sagt

    @notoftheantiSemitesbusiness

    Vielen Dank für die Anerkennung des Artikels. Allerdings sollte man den Kommentierenden nicht das Menschsein absprechen. Ob es sich bei einigen Kommentaren um einen menschlichen Reflex oder vielmehr deutsche Ideologie handelt, darüber ließe sich sprechen.

    • whocares@gmx.at'
      notoftheantiSemitesbusiness sagt

      Meine Aussage sie Leute statt Menschen zu nennen ist rein polemischer Natur, und mitnichten ein Aufruf diese Personen nicht in der Gattung Mensch zu halten und ihnen infolgedessen irgendwelche Rechte zu verweigern. Das ist eigtl. selbstverständlich (für mich), aber wir kennen uns ja nicht und das ist ja auch noch das Internet, also können Sie das nicht über mich wissen. 😉

      Liebe Grüße

  9. katja.walter007@gmail.com'

    Ach herrje,
    …und wieder einmal ein Beitrag über die STOLPERSTEINE bzw. über den Kölner Künstler Gunter Demnig, bei dem man gar nicht so genau weiß, ob der Verfasser länger mit dem Schreiben des Artikels oder mit dem Recherchieren über die Sache/den Künstler zugebracht hat. Ich komme nach dem aufmerksamen Lesen des Beitrags deutlich dazu, dass es wohl für eine ausführliche Recherche nicht gereicht hat — schade!

    Also, wo beginne ich nun bei so viel Querbeet-Argumenten mit der „Aufarbeitung“ dieses Artikels??? Ich beginne mit dem Grundsätzlichen:

    Leider muss ich als erstes anmerken, dass der Verfasser inhaltlich und damit auch argumentativ zwischen dem Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus und der Shoa nicht wirklich großartig unterscheidet. Hier stellt sich für mich – als interessierte und aufmerksame Leserin – selbstverständlich die Frage, ob der Verfasser nur „aus Versehen“ die Begrifflichkeiten vermischt oder ob er den Unterschied nicht kennt. Lieber Herr Schmidt, war das ein Versehen?

    Dann würde mich natürlich auch brennend interessieren, wie sie, Herr Schmidt, zur Auswahl ihrer Recherche-Quellen stehen? Sie berufen sich ausschließlich auf wenige Artikel, welche die STOLPERSTEINE bzw. den Künstler in der Vergangenheit diffamierten und/oder sich nur wenig sachlich und oberflächlich mit der Thematik auseinandersetzten. Ich bin mir zum Teil nicht mal ganz sicher, ob sie nicht einen Teil ihrer eigenen Quellen sind. Nehmen wir das Beispiel: „Der heftigste Widerstand gegen diese Gedenkform formiert sich aus den Reihen der Nachkommen der Opfer – und keine andere Gedenkform hat bislang einen ähnlichen Widerstand ausgelöst.“ Also in diesem Punkt muss ich sie leider furchtbar enttäuschen. Gerade die Nachkommen der Opfer (und hierbei ich spreche von Nachkommen aller Opfergruppen und nicht von den wenigen Stimmen, die sie aus dem Keller „hervorgezaubert“ haben) sprechen sich in unfassbarer Mehrheit für die Verlegung der STOLPERSTEINE aus, nicht dagegen. Anscheinend haben sie recht wenig mit der Betreuung von Angehörigen der Opfer des Nationalsozialismus zu tun, dass sie zu diesem Schluss kommen. Mein Tipp für sie an dieser Stelle wäre: Haben sie mehr Mut auch Meinungen anzuhören, die sich nicht mit ihren Vorurteilen decken und berücksichtigen sie diese bei ihren Ausführungen.

    Anschließend wären da natürlich auch noch „die Argumente der Gegnerinnen und Gegner der Stolpersteine“ aufzugreifen: auf ihnen wird herumgetrampelt, d´rauf uriniert, u.ä.
    Jetzt mal ernsthaft: Ich kann ja tatsächlich noch ein wenig nachvollziehen, dass es Menschen gibt, die nicht wollen, dass auf den Namen ihrer Verwandten herumgetrampelt wird. Aber jetzt mal ernsthaft: Ich selbst habe noch nie gesehen (und ich kenne auch niemanden, der es bislang jemals gesehen hätte), dass Menschen mit voller Absicht auf den STOLPERSTEINEN „herumgetrampelt“, uriniert, Zigaretten ausgetreten hat oder sonstiges. Ich will gar nicht bestreiten, dass ich umgekehrt noch nie Menschen gesehen habe, die achtlos auf einen Stein getreten oder mit dem Kinderwagen d´rübergefahren sind. Das habe ich wirklich auch schon gesehen. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um einen herabwürdigenden Akt, der die Opfer ein zweites Mal herabwürdigen soll, sondern vielmehr um eine Nichtbeachtung der Steine, weil die Unachtsamen gerade durch Handys oder Gespräche abgelenkt waren. Und dieses unachtsame Verhalten einiger Person im hier und heute vergleichen jetzt einige STOLPERSTEIN-Kritiker allen Ernstes mit den Taten der damaligen NS-Täter?
    — Zur kurzen Aufklärung: Die Nazis verfolgten ein gnadenloses Vernichtungsprogramm und kein „auf-den-Menschen-ein-bisschen-herumtrampeln“-Programm. Ich hoffe, die Menschen, die dieses Argument in der Vergangenheit benutzt haben, erinnern sich schnellstmöglich an die Fakten und Geschehnissen des Nationalsozialismus. Falls sie nicht davon abkämen, wäre das eine bodenlose Frechheit, die die grausamen Schicksale der Opfer in einer nicht vorstellbaren Art und Weise auf das Übelste herabsetzen würde.

    Lassen sie mich aber bitte noch einen weiteren Punkt mit ins Spiel bringen, wenn wir schon von Gedenksteinen reden, auf denen herumgetrampelt wird. Ich lehne mich soweit aus dem Fenster und behaupte: Es kann auf jedem Mahnmal/jeder Gedenkstätte herumgetrampelt bzw. zweckentfremdet werden, das weiß jeder, der schon mal in Berlin an dem „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ vorbei spaziert ist. Jugendliche sitzen auf den Steinen mit ihren Hintern und sonnen sich, einige Touristen machen Picknick darauf, wieder andere schmeißen ihren Müll dort in den Gängen weg und noch andere kleben ihre Kaugummis an die Steine… alles natürlich ganz abgesehen von denjenigen, die dort Mutproben machen – wie schnell schafft man es über die Steine von einem Ende zum Anderem ohne dabei auf die Nase zu fallen? Ich finde es irgendwie seltsam und befremdlich, dass ich im Bezug auf diese Gedenkstätte noch nie etwas in der Art und Weise gehört wie: „Dort wird auf den Opfern herumgetrampelt (oder herumgesessen) wie damals die Nazis…“ — woran das wohl liegen mag?

    Und dann natürlich noch eine weitere sehr provokante Frage meinerseits zum Punkt „Es wird nicht transportiert, welche wichtige Rolle Israel für das Überleben vieler Jüdinnen und Juden im Heute spielt.“ Bei dem Projekt STOLPERSTEINE handelt es sich NICHT um eine politische, gesellschaftliche oder religiöse Aufarbeitung des Landes Israel. Warum auch? Ich entschuldige mich jetzt schon einmal im Vorfeld dafür, dass ich mich gleich wiederhole. Die STOLPERSTEINE werden bzw. können für alle Opfergruppen des Nationalsozialismus verlegt werden. Welche Rolle spielt ihrer Meinung nach, Herr Schmidt, die Bedeutung von Israel für Homosexuelle und/oder Euthanasie-Opfern? Aber gehen wir mal von ausschließlich jüdischen Opfern aus: Warum sollte bei einem Projekt, das sich um europäische Erinnerungsarbeit (klar definiert bei Fällen im Nationalsozialismus zwischen 1933-45) bemüht, ein Vergleich zu einem Land gezogen werden, dass es in dieser Form zu dieser Zeit überhaupt nicht gegeben hat? Abgesehen davon wissen sie anscheinend nicht um die äußerst problematische Rolle der Überlebenden in Israel und deren Kampf bis zum heutigen Tag um eine angemessene Rente und damit auch um eine finanzielle Unterstützung von Seiten des Staates. Von den sozialen Problemen, mit denen die Überlebenden seit Jahrzehnten zu kämpfen haben mal ganz abgesehen. Würde man diese Problematik nun auch noch bei den STOLPERSTEIN-Verlegungen berücksichtigen, wäre das dann nicht eine Verwässerung der ursprünglichen Idee der STOLPERSTEINE?

    In diesem Zusammenhang finde ich im Übrigen auch die hier aufgeworfenen Fragen bezüglich der sogenannten „Zigeuner“ fehl am Platz. Ich bin grundsätzlich dafür, die Geschichte eines Landes, eines Volkes, o.ä. in der Erinnerung lebendig zu halten. Warum muss das aber Aufgabe von den STOLPERSTEINEN sein? Gibt es keine andere Form der Erinnerung? Das Projekt STOLPERSTEINE hat nun mal einen festgesetzten Rahmen, indem an bestimmte Opfergruppen in einem bestimmten Zeitrahmen erinnert werden soll. Leisten etwa andere Gedenkformen pauschalisierte Erinnerungen an alle Menschen, die jemals in irgendeiner Art und Weise auf welchem Weg und von wem auch immer innerhalb der mehrtausendjährigen Geschichte des Abendlandes verfolgt, entrechtet und ermordet wurden? Zum Glück nicht! Würde so eine oberflächliche Pauschalisierung den Opfergruppen und deren individuellen Schicksalen in der Erinnerung überhaupt gerecht werden? Ich denke nicht! Deshalb ist es gut so, dass es verschiedene Formen der Erinnerung bzw. der Erinnerungsarbeit und der damit verbundenen Aufarbeitung gibt. Es müssen ja nicht immer STOLPERSTEINE sein, aber es dürfen welche sein. Lieber Herr Schmidt, sie sollten ihre Energie in eigene kreative Formen des Erinnerns stecken anstatt sie damit zu verschwenden ihr Halbwissen in propagandistische Bahnen zu lenken. Wohin das führen kann, dürfte ihnen doch bekannt sein, oder?

    Und last but not least: Ich kann so ein oberflächliches Geschwafel „Häufig wurden Gedenkveranstaltungen bislang von Menschen besucht, die sich bei dieser Gelegenheit als gute und geläuterte Deutsche herauszuputzen versuchten, häufig von Menschen in Funktion – vereinzelt auch aus besseren Gründen.“ so langsam wirklich nicht mehr hören. Wie in absolut jeder größeren Gruppe finden sich bei diesen Veranstaltungen Menschen mit unterschiedlichen politischen Gesinnungen, moralischen Vorstellungen, emotionalen Belangen und selbstverständlich auch mit eindeutig verschiedenen Biografien. Und das ist auch gut so! Aus welchem Grund auch immer die Menschen, die sich für die Verlegung der STOLPERSTEINE einsetzen, ihre Freizeit geopfert, recherchiert, Kontakte geknüpft, Freundschaften geschlossen, Vernetzungen aufgebaut und Familien zusammengeführt haben, so tun diese Menschen etwas wirklich Gutes: Sie holen die Erinnerung an Menschen zurück, die in den meisten Fällen ohne die Initiative einiger Bürgerinnen und Bürger aus den Kommunen aus dem Gedächtnis der heutigen Menschen verdrängt worden wären… sie kommen zurück: Name für Name für Name für Name für Name für Name für Name… und es geht immer weiter!

    Herzliche Grüße an alle Mitdiskutierenden!!!

  10. sammyahren@rocketmail.com'

    Kann mich nicht jeden Stolperstein einmauern oder vielleicht umzäumen !? Das kostet zwar dann etwas mehr aber beendet diese unsägliche Diskussion !!!

  11. BgA_Kassel@gmx.de'

    Seit 1992 verlegt der Künstler Gunter Demnig Stein für Stein für die Opfer des Nationalsozialismus. Man könnte der Meinung sein, prima, endlich gibt einer denen einen Namen, die die Opfer der deutschen Volksgemeinschaft waren. Demnig hat in gut 20 Jahren bisher 50.000 Stolpersteine verlegt, die meisten in Deutschland. Die meisten Juden wurden in den osteuropäischen Staat umgebracht. Würde Demnig ihnen allen einen Stein legen wollen, müßte er mehrere hundert Jahre alt werden. Es bleibt immer die Frage, warum bestimmten von ihm und seinen Claqueren ausgewählten, den meisten anderen aber nicht. Mehr hierzu kann hier nachgelesen werden: https://bgakasselblog.wordpress.com/2015/06/12/und-ewig-wollen-sie-steine-legen/

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