Monate: Januar 2016

Drei Polizist*innen stehen in einem Hauseingang
Polizist*innen an der Rigaer Straße © Erik Marquardt

Kiezkultur statt Gefahrengebiete

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Im Sommer wurde noch groß gefeiert. Bei der Langen Woche der Rigaer Straße luden die Projekte rings um die Rigaer Straße und die Liebigstraße in Berlin zu Konzerten, Workshops, KüfAs, Austausch und Vernetzung ein. Da auch für die Veranstalter*innen die „gemeinsame, freie, offene und öffentliche Gestaltung eines Raumes einer der kraftvollsten Wege“1 für einen Kiez von unten ist, standen Diskussionen über Stadtentwicklung und Mitgestaltung in Theorie und Praxis im Mittelpunkt. Bis spät in die Nacht feierten Menschen auf dem sogenannten Dorfplatz im Zentrum der Projekte. Dutzende Mannschaftswagen der Berliner Polizei standen in den umliegenden Straßen. Erst konnte man sie nur auf dem Hin- oder Rückweg sehen, wenn man im Vorbeiradeln in die Straßen reinlugte. Doch immer regelmäßiger fuhren diese Autos dann auch über den Dorfplatz, einmal quer durch die Feiernden, die ausweichen mussten und sich laut und gemeinsam über den Unsinn dieser Aktionen wunderten. Zum Ende der Woche hin eskalierten diese Abende mehr und mehr; mit Böllern, Flaschenwürfen und Tränengas. „25 Jahre Selbstorganisation und Widerstand“ Die Rigaer Straße führt quer durch den Friedrichshainer Nordkiez. Im …

Menschen auf der Gegendemo gegen den Akademikerball mit Banner
Gegenproteste im Jahr 2015 © by Erik Marquardt

Das Fest der Rechten

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Lange Roben und rechte Überzeugungen – heute findet zum wiederholten Male der Wiener-Akademikerball in der Wiener Hofburg statt. Was zunächst einmal lediglich wie eine etwas rückwärtsgerichtete und unzeitgemäße Spaßveranstaltung klingen mag, ist in Wirklichkeit eine Zelebrierung des rechten Gedankenguts.

Neokolonialismus – Was habe ich eigentlich damit zu tun?

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Neokolonialismus, Neoliberalismus – was bedeutet das eigentlich? Und können wir uns davon abgrenzen? Nehmen wir teil, sind wir gar mitverantwortlich für die schlechten Lebensverhältnisse in den so genannten Entwicklungsländern? Und falls ja, was können wir eigentlich gegen Ausbeutung und Armut unternehmen? Neokolonialismus und Neoliberalismus – eine Begriffsannäherung Mit Neokolonialismus bezeichnet man die Ausbeutung bzw. die moderne Kolonialisierung vor allem von so genannten Entwicklungsländern. Dabei wird sich moderner Instrumente wie z.B. der Finanzwirtschaft oder rechtlicher Regelungen bedient. Die (globale) Wirtschaftsordnung, die diesen Neokolonialismus erst ermöglicht, wird grob als Neoliberalismus bezeichnet. Beide Begriffe sind eher schwammig – was eine Person damit genau bezeichnet, ist oft sehr unterschiedlich, deshalb sind sie oft nicht sachdienlich. Wichtig ist die erste Erkenntnis: Entwicklungsländer profitieren nicht von der Globalisierung: Weder von der wirtschaftlichen, noch von der ideologischen oder kulturellen. Die Ausgaben für Entwicklungshilfen sind nur ein Bruchteil verglichen mit dem Kapital, das wir aus den ärmsten Ländern der Welt ziehen und ihre Kulturen gehen oft im Hype der Westlichen unter. Kostenvorteile oder Merkantilismus Man hört oft in ökonomischen Debatten: „Jedes Land produziert, …

Alte Bogenbrücke über einem Fluss
Clare College Bridge, Cambridge - von Kosala Bandara - CC BY 2.0

Eliteuniversitäten – eine Selbstkritik

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Ich studiere Philosophie in Cambridge. Neben Ivy League Universitäten [1] in den USA und Oxford eines der Relikte vergangener Zeiten von Exklusivität und Elfenbeinturmabschottung. Studiere ich in einer toten Institution oder zumindest einer, die nicht in eine progressive, egalitäre Weltvorstellung passt? Die ZEIT schreibt über dubiose Zulassungsbestimmungen und unüberwindbare Bewerbungsgesprächhürden; der Guardian veröffentlicht Unirankings mit meiner Universität ganz oben; den Platz als Stipendiatin der Heinrich Böll Stiftung habe ich vielleicht auch nicht allein meinem Können zu verdanken; in meinem Schrank hängt eine dieser schicken, schwarzen Roben, die man sonst nur aus Harry Potter kennt; die entsprechenden Schühchen stehen in dem Regal daneben und warten auf das nächste formal Dinner. Das Wochenende in der Bibliothek zu verbringen, ist keine Seltenheit, sondern Normalität und wenn Wäschewaschen schon eine zu lange Essaypause vergönnt, ist es klar, dass ich die Stadt, in der ich lebe, fast nur aus Hörsaalfenstern kenne. Aber natürlich arbeite ich höchstens eine Stunde am Tag, denn alles andere würde die unangreifbare Voraussetzung angreifen, dass nur Genies hier studieren. Selbstzweifel in großem Ausmaß sind wohl auch …