Monate: Oktober 2016

Neoliberalismus – hä?

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Der Begriff Neoliberalismus geistert seit einigen Jahrzehnten prominent durch viele politische Diskussionen. Meist wird Neoliberalismus in negativer, kritischer Abgrenzung genannt. Insbesondere wenn es um negative Auswirkungen der Globalisierung, die Veränderungen des Sozialstaats oder Privatisierungen vormals öffentlicher Güter geht. Wer hat nicht von Margaret Thatcher und ihren neoliberalen Politiken gehört oder von den Kommentaren aus der politischen Linken, die meinten mit der Finanzkrise seit 2008 sei das Ende des Neoliberalismus eingeläutet. Was genau mit Neoliberalismus gemeint ist, ist dabei jedoch oft unklar. Bedeutet Neoliberalismus eine besondere Form der Globalisierung oder eine spezifische Weise den Sozialstaat umzubauen, oder einfach nur, dass immer mehr Bereiche der Gesellschaft dem freien Markt unterworfen werden? Meine These ist, das alles bedeutet Neoliberalismus und trotzdem wäre es eine zu unscharfe Definition des Neoliberalismus zu sagen, Neoliberalismus beruhe nur auf einem Umbau des Sozialstaats und eines laissez-faire Kapitalismus. (Laissez-faire Kapitalismus ist die Bezeichnung für eine Form des Kapitalismus, indem der Staat keinerlei Regeln für die Wirtschaft vorgibt, historisch findet sich dafür eigentlich kein Beispiel) Ich werde deshalb versuchen den Begriff Neoliberalismus etwas genauer …

CC BY 2.0 - The Newest Piece Of England by John Stratford http://gruenlink.de/1a1d

“Oh, das wollten wir doch gar nicht. Wir wollten doch eigentlich nur ein bisschen …”

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Es ist fünf Uhr morgens. Es ist heiß, ich habe wenig und schlecht geschlafen, bin erst relativ spät nach Hause gekommen, mein Handy vibriert neben meinem Kopfkissen, ich wache auf. Die ersten Meldungen zum Ausgang des Referendums erleuchten auf dem Bildschirm, nacheinander berichten der Guardian, die Zeit, die FAZ,… von dem Unheil. Am Abend zuvor war ich, beruhigt von feuchtfröhlichem Beisammensein und Prognosen, zufrieden und zuversichtlich, dann – um fünf Uhr morgens – lese ich verschlafen diese Meldungen, denke mir, das ändert sich sicher noch, drehe mich in meinem viel zu warmen Bett um, bin wieder eingeschlafen, bevor der Handybildschirm aufhört zu leuchten. Gegen neun wache ich erneut auf, in Großbritannien ist es jetzt zehn, die Ergebnisse wurden vor zwei Stunden in Manchester verkündet, mein Handybildschirm sagt immer noch das gleiche, nur deutlicher. Vier Prozentpunkte Unterschied. Der Tag wird anstrengend: irgendwann gehen mir all diese Menschen, die mich auf das Referendum ansprechen, so richtig auf die Nerven. In dem zehn Minuten Intervall nach der einen, vor der anderen Referendumsfrage, ist es mir jeweils knapp gelungen, zu vergessen. …

Familie bedeutet Vielfalt

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[Hinweis: Eine Reihe von Begriffen, die eventuell nicht allen sofort klar sind, werden unten erklärt. Diese sind im Text unterstrichen.] „Ohana heißt Familie. Familie heißt, dass alle zusammenhalten und füreinander da sind.“ Das Zitat stammt aus dem Animationsfilm „Lilo & Stitch“. In diesem wachsen Lilo, ihre (leibliche) Schwester* Nani und ein kleines, blaues Alien namens Stitch nach einigen Anfangsschwierigkeiten zu einer Familie zusammen. Zwei weitere Außerirdische, darunter der Schöpfer von Stitch, werden Teil dieser Gemeinschaft. Um auf das Zitat zurückzukommen: Entscheidend scheint nicht die biologische Verwandtschaft zu sein, sondern die Verbundenheit und gegenseitige Fürsorge. Nach innen definiert sich eine Familie also durch den Zusammenhalt ihrer Mitglieder. Aber wie sieht es nach außen aus? Zunächst einmal ist es egal, aus welchen und wie vielen Personen sie besteht. Ob ich nun eine traditionelle Großfamilie mit Großeltern, Eltern und Kindern habe oder eine kleine Gruppe, zu der ein blaues Alien zählt: Niemand kann ihnen ihre Zusammengehörigkeit absprechen. Davon ausgehend ergeben sich nicht nur die unterschiedlichsten Konstellationsmöglichkeiten, sondern auch die Einzigartigkeit eines jeden Menschen sorgt für Vielfalt. Aber wenn …

Die Wahl in MV – Ein Erklärungsversuch

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Am 04. September wurde in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Erstmals konnte die AfD hier das zweitbeste Ergebnis aller Parteien einfahren. Die Grünen, die 2011 erstmals in den Schweriner Landtag einzogen, scheiterten an der 5%-Hürde.  Am Abend nach der Wahl saß ich mit Freund*innen, die ich im letzten Jahr in der Geflüchtetenhilfe kennen gelernt hatte zusammen. Unter ihnen auch jemand der vor 14 Jahren als Kind mit seinen Eltern aus Afghanistan nach Deutschland gekommen war. Er spricht perfekt deutsch und besitzt auch die deutsche Staatsbürger*innenschaft. Früher wäre es nie ein Thema gewesen, wo er her kommt, doch nun hört er öfter mal blöde Sprüche. Der Rassismus der war schon vorher in den Menschen verankert und ist wahrscheinlich seit Jahren gewachsen. Doch Wahlergebnisse wie das bei uns in MV geben den Menschen das Gefühl, „dass man(n) das jetzt doch mal sagen darf“, egal was für einen Mist sie da reden.   Auch wenn jetzt alle so schockiert sind, das Wahlergebnis der AfD in MV ist  nicht überraschend. Ein Problem mit Rassismus und rechten bis hin zu neonazistischen …