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Wahlen in den Niederlanden: Interview mit der Sprecherin der Niederländischen Grünen Jugend

*for original English interview text, see below*

Am 15. März wird in den Niederlanden ein neues Parlament gewählt. Dies ist die erste von mehreren wichtigen Wahlen dieses Jahr, die über die zukünftige Entwicklung der demokratischen Gesellschaft Europas entscheiden werden. Wir vom Fachforum Europa und Globales haben mit unserer Nachbarorganisation, den Jungen Grünen der Niederlande (DWARS), über die Wahlen gesprochen.

DWARS ist die unabhängige Jugendorganisation der grünen Partei in den Niederlanden. Während sie Anfang 2017 noch 1.500 Mitglieder hatten, wuchsen sie bis heute sehr schnell auf 2.000 Mitglieder heran. DWARS steht für Grüne, Sozialpolitik und Freiheit. Sie haben eine gute Beziehung zur Grünen Partei, stehen ihr aber auch kritisch gegenüber, wenn es nötig ist.
Wir freuen uns sehr, dass Noortje Blokhuis, Sprecherin von DWARS, sich bereit erklärt hat uns ein Interview zu geben.

Noortje ist seit Oktober Sprecherin von DWARS. Sie studiert Theologie, hat großes Interesse an Religion und an der Beziehung zwischen Religion und Politik. Noortje ist 25 Jahre alt, womit sie etwas älter ist, als der Durchschnitt der Mitglieder von DWARS. Sie ist nun seit zwei Jahren Mitglied in der Grünen Partei.

 

Fachforum: Magst du uns eine kleine Einführung geben? Welche Parteien gibt es in den Niederlanden, wer war bisher an der Regierung beteiligt?

Noortje: In den Niederlanden sind elf Parteien im Parlament (Tweede Kamer) vertreten. In den letzten vier Jahren haben die VVD (Liberale) und die PvdA (Sozialdemokraten) die Regierung gestellt. Unser Ministerpräsident Mark Rutte ist der Vorsitzende der VVD.

 

Rechtspopulistische Parteien sind in vielen Ländern Europas im Aufwind. In den Niederlanden ist Geert Wilders‘ Partei nicht nur beliebt, sondern führt tatsächlich die Umfragen an. Wofür steht diese Partei und Wilders?

Noortje: Geert Wilders Partei, die PVV (Freiheitspartei), ist eine nationalkonservative Partei, die die Niederlande vom (Einfluss des) Islam befreien und deshalb die Grenzen für Flüchtlinge schließen will. Wilders sagt, er wolle die Alten und die Armen beschützen, indem er alle Investitionen in die Umwelt, Flüchtlinge, Innovation, Kunst „etcetera“ (das steht wortwörtlich in seinem Programm) kürzt.

 

Wie gefährlich ist Wilders? Ist es realistisch, dass er in die Regierung kommt?

Noortje: Ich glaube, dass die Ideen von Wilders sehr gefährlich sind, es aber höchst unwahrscheinlich ist, dass er es in die Regierung schafft. Fast jede Partei (inklusive der VVD) bekundet, nicht mit Wilders koalieren zu wollen nach der Wahl. Nichtsdestotrotz ist er mit seiner Partei jetzt stärkste Kraft in den Umfragen, was heißt, dass eine Regierung ohne die PVV aus mehr als zwei oder drei Parteien bestehen wird und dass die Grünen keine andere Wahl haben, als mit rechtsstehenden Parteien zu koalieren, wenn sie in die Regierung wollen.

 

Die Niederlande sind ein kleines Land im Herzen Europas. Wie konnte eine antieuropäische Stimmung an solch einem Ort aufkommen?

Noortje: Die Niederlande sind auch ein relativ reiches Land in Europa und Populisten, sowohl Wilders als auch die Sozialisten, versuchen die Leute davon zu überzeugen, dass Europa uns nur Geld kostet. In den letzten Jahren zum Beispiel haben wir Griechenland mehrere Male finanziell unterstützen müssen. In der gleichen Zeit haben viele Menschen in den Niederlanden wegen der Finanzkrise ihren Job verloren. Populisten erzählen diesen arbeitslosen Menschen, dass ihr Geld in die ärmsten Länder Europas verschwindet.

 

Was ist die Strategie der Grünen Partei bei dieser Wahl?

Noortje: Die Grüne Partei versucht mit anderen linken Parteien zu kooperieren und eine Geschichte von Hoffnung und Empathie zu erzählen – entgegengesetzt zu Wilders‘ Geschichte von Angst und Hass. Die Strategie unserer Kampagne ist inspiriert von Obamas Graswurzel-Kampagne. Wir versuchen so viele Menschen wie möglich zu aktivieren, um persönliche Kontakte mit Wähler*innen zu knüpfen. Auf diesem Weg können wir eine Menge Menschen mit relativ wenig Geld erreichen.

 

Welche Position nimmt DWARS ein? Unterstützt ihr die Grüne Partei bei ihrer Kampagne oder führt ihr eine eigene Kampagne?

Noortje: Ja, wir haben uns entschieden die Grüne Partei zu unterstützen, aber mit unserer eigenen Kampagne. Wir glauben, dass wir als junge Menschen eher in der Lage sind, etwas radikaler zu sein und Humor in unserer Kampagne zu nutzen, als die Grüne Partei. Wir nutzen häufig die sozialen Medien und Online-Aktionen. Unser Ziel ist die*der junge Wähler*in, besonders diejenigen, die das erste Mal wählen dürfen. Diese Menschen sind inspiriert von Jesse Klaver [Anmerkung der Redaktion: junger Politiker der Grünen Partei].

 

Was denkst du, wie Europa Ende 2017 aussehen wird – nach den Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland?

Noortje: Ich hoffe dringend, dass populistische Parteien es in Europa nicht schaffen werden Wahlen zu gewinnen, da wir in den USA gesehen haben, was dann passieren kann. Ich treffe jeden Tag junge Menschen, die Bewegungen um Donald Trump und Geert Wilders aufhalten wollen. Auf gewisse Art waren die US-amerikanischen Wahlen ein Weckruf für uns alle. Europa wird eine Anti-Reaktion auf die Politik von Trump zeigen.

Fachforum: Wir bedanken uns für das Interview.

 

On March 15th, the Netherlands will elect a new national parliament. As this will be the first of a number of important elections this year to direct the development of our democratic societies within the European Union, the GRÜNE JUGEND working group on Europe wants to take this opportunity to get into conversation with our neighbour organization, the Young Greens of the Netherlands, DWARS.

DWARS is the independent youth organisation of the Green Party in the Netherlands. They currently have 2000 members and are growing really quickly; at the beginning of 2017, they had 1500 members. DWARS stands for green, social policy and freedom. They have a good relationship with the Green Party, but when necessary, can also be very critical.

We are very happy that Noortje Blokhuis, spokesperson of DWARS, has agreed to give us an interview.

Noortje been the spokesperson of DWARS since October. She studied theology and is still very much interested in religion and its relationship with politics. Noortje am 25 years old (slightly older than the average DWARS member) and has been a member of the Green Party for two years.

Fachforum: As many people in Germany may not know about the political landscape in the Netherlands could you give us an introduction: Which parties are there, and who has been in government until now?

Noortje: In the Netherlands, there are eleven parties that are represented in the Parliament (Tweede Kamer) During the last four years, the government consisted of the VVD (Liberals) and the PvdA (Social Democrats). Our prime minister Mark Rutte is the leader of the VVD.

 

Right-wing populist parties are on the rise in many countries in Europe. In the Netherlands, Geert Wilders’ party is not only popular but actually leading in the polls. What do they stand for?

Noortje: Geert Wilders‘ party, the PVV (Freedom Party), is a conservative nationalist party that wants to get rid of (the influence of) Islam in the Netherlands and therefore close the borders for refugees. Wilders says he wants to protect the elderly and the poor by cutting down on all investments in the environment, refugees, innovation, arts ‚etcetera‘ (this is literally what he says in his program).

 

How dangerous is Wilders? Is it realistic that he will end up in government?

Noortje: I believe that the ideas of Wilders are very dangerous, but it is highly unlikely that he will end up in government. Almost every party (including the VVD) says they don’t want to cooperate with Wilders after elections. However, he is now the biggest party in the polls, which means that a government without the PVV will have to consist of more than two or three parties and the Greens have no choice but to cooperate with right-wing parties if they want to end up in government.

 

The Netherlands are a small country in the heart of Europe. How did anti-Europe sentiment arise in such a place?

Noortje: The Netherlands are also a relatively rich country in Europe, and populists (both Wilders and the socialist), are trying to convince the people that Europe therefor only costs us money. In the last couple of years, for example, we have had to financially support Greece a couple of times. At the same time, a lot of people in the Netherlands lost their jobs due to the financial crisis. Populists are telling these unemployed people that their money is disappearing into the poorest countries of Europe.

 

What is the strategy of the Green Party in this election?

Noortje: The Green Party is trying to cooperate with other left-wing parties and telling a story of hope and empathy, opposed to Wilders‘ story of fear and hate. The strategy of our campaign is inspired by Obama’s grassroots campaigns. We try to activate as many people as possible to have personal contact with voters. In that way, we can achieve a lot of people with relatively little money.

 

What is the position of DWARS? Do you support the Green Party in their campaign or do you run your own campaign?

Noortje: Yes, we have decided to support the Green Party, but with our own campaign. We feel that as young people, we are able to be a bit more radical than the Green Party and to use more humor in our campaign. We make a lot of use of social media and online actions. Our target is the young voter, especially those who are allowed to vote for the first time. They are inspired by the young Jesse Klaver.

 

How do you think Europe will look like at the end of 2017 – after the election in the Netherlands, France and Germany?

Noortje: I strongly hope that populist parties will not be able to win here in Europe, because we have seen what can happen in the US. I meet young people who want to stop the movement of Donald Trump and Geert Wilders every day. In a way, the American elections have been a wake-up call for us all. Europe will show an anti-reaction to the policy of Trump.

laura ehrich

Laura ist Mitglied im Fafo Europa und Globales

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