Monate: Dezember 2017

Katalonien Flagge - von lecrousois - CC0

Katalanische Unabhängigkeit: Linke Utopie oder Brexit 2.0?

von

Seit September studiere ich im Rahmen eines Erasmus-Semesters in Barcelona. Hier möchte ich meine Eindrücke aus dem Uni-Alltag zur katalanischen Unabhängigkeitsbewegung teilen. Das ist natürlich subjektiv und ganz sicher nicht repräsentativ. Aber es kann vielleicht eine Ergänzung sein zu den Nachrichten, gerade zur Neuwahl des katalanischen Parlaments am 21.12. Das Spannende an der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung ist die Mischung aus Identitätspolitik und einem linken Selbstverständnis. Etwas, das sie von anderen separatistischen Bewegungen in Europa unterscheidet. Dies spiegelt sich auch wieder in dem Bild, das viele von uns von der Idee der katalanischen Unabhängigkeit haben. Für die Einen reihen sich die Bestrebungen ein in ein Wiedererstarken nationaler Ideen in Europa.  Andere denken an Kataloniens Rolle im spanischen Bürgerkrieg, an die Demonstrationen im Januar dieses Jahres mit 160.000 Menschen in Barcelona, die für die Aufnahme von mehr Geflüchteten protestierten, oder daran, dass linke Parteien in Katalonien einen ganz anderen Stand haben als im spanischen Parlament und in einem katalanischen Staat vielleicht ganz andere Dinge möglich wären. Ich selbst habe anfangs kaum einen Unterschied gesehen zu anderen separatistischen Ideen …

Übernommen aus der Originalbroschüre

Gender As Told By Science

von

Dieser Text ist die Übersetzung einer Broschüre von CV Vitolo-Hadded von der University of Wisconsin-Madison. Xier forscht dort zu Genetik, zu Gesundheitspolitik und zur Gesundheit von trans Personen. In diesem Text werden Genitalien erwähnt und abgebildet. Das hier ist eine Broschüre zu Transgenderidentitäten, wie sie von der Wissenschaft gesehen werden. In der Schule wird den meisten von uns ein sehr grundsätzliches Verständnis von sozialem und anatomischen Geschlecht beigebracht. Diese Verallgemeinerung ist grundsätzlich okay, aber Biolog*innen werden dir erzählen, dass sie sündhaft unvollständig ist. Also Freund*innen der Wissenschaft – Bevor es los geht: Es gibt ein paar Ausdrücke, die wir besser erst definieren sollten. Insbesondere nutze ich „Geschlecht“ hier anders als einige Leser*innen das gewohnt sind. Manche Menschen trennen das anatomische und das soziale Geschlecht (im englischen Gender und Sex). Die Argumentation sieht so aus: SEX beschreibt Anatomie – Reproduktivorgane, Chromosomen and sekundäre Geschlechtsmerkmale. Männlich, weiblich und intersex (also weder männlich noch weiblich) wären Beispiele für (anatomische) Geschlechter. GENDER beschreibt die Selbstdefinition innerhalb sozialer Rollen – das ist ein kognitiver Prozess. Beispiele für Gender beinhalten Mann, …

Foto selbstgemacht, CC-BY

Schwangerschaftsabbruchwerbeverbot – wo stehen wir, wo wollen wir hin?

von

Ende November hat das Gießener Landgericht Kristina Hänel zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt. Das Gericht befand sie für schuldig, gegen das Verbot der Werbung für den Abbruch einer Schwangerschaft, verstoßen zu haben. Das mediale Echo war riesig. Am Urteil, aber auch am Gesetz selbst wurde Kritik laut. Ziemlich viele Menschen sind jetzt ziemlich sauer. Kritik wurde laut daran, dass das Gericht die Ärztin tatsächlich schuldig gesprochen hat. Daran, dass dieses Gesetz überhaupt gilt. Daran, dass überhaupt wer dieses Verfahren ausgelöst hat, dass es überhaupt eine Anzeige gab. Von vorne. Kristina Hänel ist Gynäkologin und führt unter anderem Schwangerschaftsabbrüche durch. Das ist in Deutschland durchaus straffrei möglich. Zusätzlich hat sie eine Website, auf der steht, dass sie eben dies tut. Das ist unstrittig. Irgendwer ist jetzt hergegangen und hat auf Basis dessen Anzeige erstattet, weil darin ein Verstoß gegen Paragraph 219a des Strafgesetzbuches gesehen wird. Der verbietet es, öffentlich für die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen zu werben. Das ist ziemlich albern. Mindestens. Wenn nicht sogar gefährlich. Es muss klar sein, wo Schwangerschaftsabbrüche möglich sind. Warum? …