Ökologie
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“Als ich von ‘Zero Waste’ erfuhr, fand ich das absolut faszinierend”

Photo by Jilbert Ebrahimi on Unsplash

Shia Su hat sich vor einigen Jahr dazu entschieden ihren Plastikmüll zu verringern und produziert nur ca. ein großes Glas Verpackungsmüll pro Jahr. Sie erzählt uns in einem Interview wie sie mit diesem Lebensstil zurechtkommt.

Warum hast du dich für deinen Lebensstil entschieden?

Tatsächlich habe ich mich nie für diesen Lebensstil entschieden, sondern bin da nur mit der Zeit reingerutscht. Im Gegenteil, das erste Mal, als ich von “Zero Waste” erfuhr fand ich das zwar absolut faszinierend, jedoch für uns und unser Leben einfach unrealistisch. Trotzdem wollte ich gerne Müll zumindest ein bisschen konsequenter vermeiden und entdeckte einfach mit der Zeit immer mehr Möglichkeiten – auch ohne Unverpackt-Laden in der Nähe! Hanno, mein Partner, und ich waren selbst ziemlich geschockt, als unser Müll dann wirklich in ein Einmachglas passte…

Wie kannst du deinen Lebensstil mit deinem Alltag vereinbaren?

Für mich fühlt sich das vollkommen normal an… Irgendwann ist das einfach alles Gewohnheit und passiert automatisch. Wenn ich auf Autopilot fahre, was ehrlich gesagt meistens der Fall ist, dann mach ich halt keinen Müll. Ich hab halt nicht mehr die Gewohnheit, beim Discounter einzukaufen, sondern geh in den Bioladen. So wie ich auch daran denke, meinen Schlüssel, Geldbeutel und mein Handy einzustecken, denke ich halt auch dran, mir einen Stoffbeutel und eine Trinkflasche einzustecken. Darüber muss ich nicht mehr aktiv nachdenken.

Stellst du selber Lebensmittel/Produkte her um Müll zu vermeiden?

Nein. Bei mir sind sogar schon Kakteen eingegangen – ich kann mir bis heute nicht erklären warum. Mein Daumen ist höchstens GIFTgrün. Ich würde aber schon gerne lernen, selber ein paar einfache Sachen anzubauen. Momentan begnüge ich mich damit, bei meinen Schwiegereltern ein bisschen was im Garten abernten zu dürfen oder mal bei Mundraub.org zu gucken, wo ich in der Stadt was pflücken gehen kann.

Wie können auch andere Menschen Müllsparender werden?

Einfach anfangen, und zwar dort, wo es einem selbst am einfachsten erscheint. Ich bin zum Beispiel nicht auf den Mund gefallen, d.h. für mich war es sehr einfach, so was wie die Serviette oder den Strohhalm abzubestellen oder das Gespräch in Läden mit den Besitzern zu suchen und einfach zu fragen, ob sie Sachen unverpackt anbieten oder uns Großpackungen mit ihrer nächsten Bestellung mitbestellen können. Ich weiß aber, dass das der Albtraum für viele andere Menschen wäre! Für diese Menschen ist es vielleicht einfacher, bei Dingen wie Bad-Sachen anzufangen. Statt Shampoo in Plastikflaschen kann man z.B. festes Shampoo oder Haarseifen kaufen. Statt Plastikzahnbürste kann man eine Bambuszahnbürste zulegen. Statt Flüssigseife oder Duschgel kann man ein schönes Stück Olivenölseife benutzen. All diese Dinge bekommt man häufig schon im Bioladen und man braucht sich keine Sorgen machen, unangenehm aufzufallen. Wobei meine Erfahrung ist, dass man zu 90% positive Reaktionen bekommt.

Welche Schwierigkeiten gibt es mit deinem Lebensstil?

Das werde ich tatsächlich sehr häufig gefragt. Ich selbst fand kaum etwas schwierig, aber ich glaube, das liegt nicht daran, dass es keine Schwierigkeiten gibt, sondern daran, dass ich nie den Anspruch hatte, “Zero” Waste zu werden. Für mich war es also nie ein Problem, trotzdem hier und da Müll zu haben. Und mir ist schon klar, dass es auch soziale Kontexte gibt, wo sich Müll nicht vermeiden lässt.

Und wenn ich z.B. den Strohhalm abbestelle und er trotzdem kommt, dann ärgere ich mich zwar kurz, aber ehrlich gesagt habe ich nicht das Gefühl, dass es “meine” Schuld ist. Ich hab’s ja in dem Moment probiert. So was passiert halt, ist ja nur menschlich. Beim nächsten Mal versuche ich halt dran zu denken, zu betonen, dass mir das mit dem Strohhalm wichtig ist oder erkläre kurz, dass ich das aus Umweltschutzgründen mache. Am Ende ist ja niemand wirklich für mehr Müll.

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