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Auf geht’s, ab geht’s… – Bericht von den Kohleprotesten

Vom 24.-29. August beteiligte sich die GRÜNE JUGEND an den Aktionstagen rund um die Kohleproteste im Rheinischen Braunkohlerevier. Das Klimacamp, das schon von der Degrowth Summer School mit aufgebaut worden war, war auch in diesem Jahr wieder zentraler Punkt für eine Klima-Bewegung, die 6000 Aktivist*innen vor Ort umfasste. Es waren die größten Klimaproteste die das Rheinland je erlebt hat und ein riesiger Erfolg für die Klimagerechtigkeitsbewegung.

Das Rheinische Braunkohlerevier sorgt lokal (wir berichteten) und global für massive Umwelt- und Sozialschäden. Etliche Dörfer wurden im Rheinland bereits abgebaggert und vollkommen zerstört, Ökosysteme wie der Hambacher Forst fallen der Kohle zum Opfer und die ökologischen Langzeitfolgen, bspw. für das Trinkwasser, sind teilweise nicht abzusehen. Und auch global befördert die Braunkohleverstromung in massivem Maße den Klimawandel. Wenn es um die Begrenzung der Klimakrise geht, dann geht es auch immer um Gerechtigkeit und darum Antworten auf gesellschaftspolitische Fragen zu finden.

An den Tagen haben wir klar gemacht, dass die Klimagerechtigkeitsbewegung von Solidarität, Demokratie und radikalen Umweltschutz lebt.  Das reicht von der basisdemokratischen Organisation der  Proteste selber bis zum solidarischen Camp-Finger, der dafür sorgte, dass Verpflegung und Infrastruktur als solche bezeichnet werden konnten. Selbst am Samstagmorgen bildeten sich noch selbstorganisierte Protestgruppen. Gleichzeitig wurden andere Diskurse mit der Frage nach Klimagerechtigkeit vernetzt, wie der queerfeministische Finger während der Proteste eindrucksvoll darlegte. In den gesamten Tagen wurde auch die internationale Strahlkraft des Klimacamps, der Aktionstage und von Ende Gelände deutlich: Menschen aus Spanien, Katalonien, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Schweden, Tschechien und vielen Regionen waren vor Ort.

Es hat sich auch gezeigt, dass viele Protestformen in der Klima-Bewegung willkommen und in ihrer Gesamtheit zielführend sind. Nicht ohne Grund wurden die diesjährigen Kohleproteste vielfach als das „neue Wendland“ bezeichnet. Diese Selbstorganisation war für viele Beteiligte eine zutiefst empowernde Erfahrung.

Und: Die GRÜNE JUGEND ist Teil dieser Bewegung. Geschätzt über 100 Aktivist*innen aus dem ganzen Bundesgebiet waren zusammen gekommen um sich an den verschiedenen Protestformen und am Klima-Camp zu beteiligen. Ob bei der Roten Linie, Kohle ersetzen oder Ende Gelände, auch die GJ sagt: Klimaschutz ist Handarbeit!

Die Klima-Proteste waren erfolgreich! Durch die Blockaden von Aktivist*innen musste das Kraftwerk Neurath für 10 Stunden um 42 % gedrosselt werden. Und auch wenn es nicht gelang, eines der Kraftwerke zum kompletten Abschalten zu zwingen, auf einigen der blockierten Zug-Strecken fahren im 10-Minuten-Takt Braunkohle-Züge beladen mit bis zu 1400 Tonnen Kohle. Das zeigt: Ziviler Ungehorsam kann etwas verändern.

Die Rote Linie leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass erfahrene Klima-Aktivist*innen mit Menschen zusammenkommen, die vielleicht das erste Mal bei einer solchen Aktion dabei sind und trägt unser Anliegen in die Öffentlichkeit. „Kohle ersetzen“ führt Menschen in Aktionen des zivilen Ungehorsams ein und zeigt ihnen, dass friedlicher Protest nicht zwangsweise hundertprozentig legal sein muss.  Das Klimacamp war ein Ort des Zusammenkommens und des Austauschs, an dem auch jene Lieder geübt wurden, die wahrscheinlich die ersten Cover-Lieder der Klimabewegung sind. Und „Ende Gelände“ denkt Klimaschutz praktisch und kann auf oben genannte Erfolge verweisen. Es ist wichtig und notwendig, dass die Klima-Bewegung in dieser Vielfalt geeint bleibt und gemeinsam gegen Kohle, Klimakiller und Konsorten kämpft. Denn nur gemeinsam kann dieser Kampf gewonnen werden. Deshalb sind die Proteste aus einer Perspektive des Bewegungsaufbaus ein herausragender Erfolg. Vor einigen Jahren wäre eine gemeinsame Initiative über so viele Spektren hinweg nicht einmal denkbar gewesen, zu groß erschienen die Differenzen zwischen den unterschiedlichen Akteur*innen innerhalb der Bewegung.

Auch die GJ hat ihren Beitrag dazu geleistet, ein im wahrsten Sinne des Wortes buntes Bild der Klima-Proteste raus in die Welt zu tragen. Mit unserer Laser-Aktion, bei der wir mehrere Kraftwerke mit unseren Botschaften anstrahlten, haben wir ein Zeichen dafür gesetzt, dass dem Protest keine kreativen Grenzen gesetzt sind und wollten gleichzeitig ein Zeichen der Solidarität an alle Protestierenden senden, insbesondere auch jene, die Repressionen von der Polizei erfahren haben.

Denn auch bei den diesjährigen Kohle-Protesten blieben polizeiliche und rechtliche Repressionen leider nicht aus. Schon vor den Aktionstagen wurde dies klar. Die Flächensuche für das Klimacamp gestaltete sich mehr als schwierig, auch weil Ordnungsämter oder der Staatsschutz bei sympathisierenden Landwirt*innen frühzeitig intervenierten. Und kurz vor Beginn des Klimacamps wurden der Degrowth-Summerschool die normalerweise von der Landesstiftung NRW bewilligten Gelder nicht bewilligt. Es handelte sich um eine Summe von 46.000€.

Während der Aktionstage selber steigerte sich dies noch. An vielen Stellen gibt es Berichte von massiver Polizeigewalt, sogar gegen Aktivist*innen die sich kooperativ zeigten. An vielen Stellen wurde willkürlich gehandelt, eine große Gruppe Aktivist*innen wurde am Samstag ohne klar erkennbaren Grund Stunden lang auf einem Acker gekesselt und auch aus der Gefangenensammelstelle erreichen uns Berichte von Praktiken, die nicht von den Gesetzen des Rechtsstaats gedeckt sind. Zudem mussten mehrere Personen mit Knochenbrüchen im Krankenhaus behandelt werden.

Der Kampf für ein „Klima der Gerechtigkeit“ ist aber natürlich nicht beendet. Anfang November findet in Bonn die Klimakonferenz unter der Präsidentschaft Fidschis statt und viele Akteur*innen haben ihren Protest für echten Umwelt- und Klimaschutz bereits angekündigt, darunter auch Ende Gelände und ein großes Bündnis aus Nichtregierungsorganisationen wie Campact und Greenpeace.  Am Sonntagabend erreichte die Aktivist*innen eine Videobotschaft der  Pacific Climate Warriors aus Fidschi, deren Zuhause durch die Klimakrise vor dem sprichwörtlichen Untergang bedroht ist. Ihre Botschaft: „We are not drowning, we are fighting!“.

Wir wollen auch gemeinsam mit euch im November wieder zeigen, dass Klimaschutz Handarbeit sein kann. dass unsere Umwelt nicht verhandelbar und Deutschland Braunkohleweltmeister ist. Deshalb wollen wir auch vom 3.-5. November wieder mit euch ins Rheinland. Die Aktionstage im Rheinland haben gezeigt wie es geht!

Und falls ihr euch fragt, wie das Ganze in Aktion aussah – hier sind einige Videos:

– Ende Gelände 2017 – Day 1: https://www.youtube.com/watch?v=B74Q9iFsvdk

– Ende Gelände 2017 – Tag 2: https://www.youtube.com/watch?v=KENUWJSMEN8

– Ende Gelände 2017 – Der Grüne Finger erreicht die Schiene: https://www.youtube.com/watch?v=TDo5vOgihyc

– Graswurzel.tv – Ende Gelände bleibt nicht stehen: https://www.youtube.com/watch?v=eo6wJs5gZwk

– Graswurzel.tv – KOHLE erSETZEN Blockade des Kraftwerk Neurath: https://www.youtube.com/watch?v=Mk4XE13xMOY

– Graswurzel.tv – Waldspaziergang: https://www.youtube.com/watch?v=KJ3xUDWSrJ4

– spiegel.tv – Protest gegen Braunkohle: http://www.spiegel.tv/videos/749429-protest-gegen-braunkohle/

– Quarks & Co – Der Streit um Braunkohle: http://www1.wdr.de/fernsehen/quarks/sendungen/braunkohle-uebersicht-100.html

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