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SPUNKfunk Ausbildungspolitik

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In dieser SPUNKfunk-Ausgabe interviewen wir André Schönewolf vom Deutschen Gewerkschaftsbund zu den aktuellen Problemen auf dem Ausbildungsmarkt und den Zielen und Herausforderungen gewerkschaftlicher Ausbildungspolitik.

Kapitel

00:00 – 03:05 aktuelle Probleme der Auszubildenden

03:06 – 05:02 gewerkschaftliche Ziele in der Allianz für Aus- und Weiterbildung

05:03 – 06:40 ausbildungspolitische Zusammenarbeit

Transkripition

SPUNK: Willkommen beim SPUNKfunk auf der Sommerakademie! Wir sprechen jetzt ein bisschen über Ausbildungspolitik mit André Schönewolf vom DGB Bundesvorstand aus der Abteilung Jugend und Jugendpolitik.
André hat gerade einen Workshop mit uns zu Ausbildungspolitik gemacht und darf sich jetzt gerade selber nochmal kurz vorstellen.

André: Ja, meinen Namen hast du ja schon genannt und ja: ich arbeite beim DGB Bundesvorstand in der Abteilung Jugend und Jugendpolitik und bin da zuständig für berufliche Bildung, für Ausbildungsmarktpolitik und für Jugendarbeitslosigkeit.

SPUNK: Wir haben ja gerade in dem Workshop zu Beginn über ein paar Probleme gesprochen, die es in den Ausbildungen gibt oder gerade konkret auch für Auszubildende. Magst du da vielleicht mal kurz zusammenfassen, was da so die relevanten Baustellen sind?

André: Ach Auszubildende haben so wahnsinnig viele Probleme. Im Großen und Ganzen – das zeigt unser Ausbildungsreport ja auch – sind Auszubildende sehr zu zufrieden mit ihrer Ausbildung. Also über 70% sind zufrieden mit der Ausbildung. Aber es bestehen da nach wie vor eklatante Unterschiede in den einzelnen Branchen. Also gerade im Hotel- und Gaststättenbereich, in Teilen des Handwerks, aber auch in anderen kleineren Bereichen gibt es teilweise Probleme in der Ausbildung, was sich dann niederschlägt in Überstunden, in der Verrichtung von ausbildungsfremden Tätigkeiten, auch die Berufsschule kommt nicht immer gut weg bei den Auszubildenden. Ja und da gibt’s einfach ’ne ganz große Anzahl an Problemen, die bestehen und die wir natürlich versuchen, auch anzugehen.

SPUNK: Konkret waren das ja in dem Ausbildungsreport auch die zeitliche Belastung, die angesprochen wurde, weil’s eben die Überstunden gibt oder auch, dass viele eben ihr Gehalt noch aufstocken müssen – mit Nebenjobs zum Beispiel. Und dass es auch eine Diskrepanz gibt zwischen weiblich konnotierten Ausbildungsberufen und männlich konnotierten Ausbildungsberufen in der Bezahlung. Und wir haben auch noch festgestellt, dass es ganz viele unbesetzte Ausbildungsplätze gibt, obwohl es eigentlich jedes Jahr eine sehr hohe Bewerber_innenanzahl gibt, die auch keine Plätze bekommt. Wie ist denn das zu erklären?

André: Ja, wir haben sowohl tatsächlich jedes Jahr eine Menge an unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern auf dem Ausbildungsmarkt, als auch eine aber etwas kleinere Anzahl von unbesetzten Ausbildungsstellen. Und häufig sagen die Arbeitgeber an der Stelle, dass die jungen Menschen, die sich auf diese Ausbildungsstellen bewerben, nicht qualifiziert genug seinen, diese Stellen auszuführen. Wenn man sich aber mal anguckt, welche Stellen da eigentlich unbesetzt sind, dann lässt sich durchaus feststellen, dass das vor allen Dingen die Berufe sind, die bei uns im Ausbildungsreport besonders schlecht sind, beziehungsweise von den Auszubildenden als besonders schlecht bewertet werden. Das ist vor allen Dingen der Hotel- und Gaststättenbereich, wo es massive Probleme gibt, gerade mit den Ausbildungszeiten, mit Überstunden. Da ist es kein Wunder, dass die jungen Menschen da keine Lust haben auf diese Stellen zu gehen, wenn die Qualität da eben nicht stimmt. Und deswegen brauchen wir da gerade eine qualitative Offensive und brauchen eigentlich mehr Instrumente, um die Ausbildungsqualität da zu verbessern.

SPUNK: Konkret seid ihr ja genau dafür auch in dieser Allianz für Aus- und Weiterbildung und arbeitet ja auch gerade an einer Erneuerung des Berufsbildungsgesetzes. Kannst du das mal kurz erklären, was das eigentlich ist, diese Allianz für Aus- und Weiterbildung und was ihr da konkret als DGB oder DGB Jugend macht?

André: Die Allianz für Aus- und Weiterbildung ist quasi das Nachfolgeprojekt des völlig gescheiterten und misslungenen Ausbildungspakts, den es bis vor ein paar Jahren gegeben hat. Arbeitsministerin Nahles hat sich da vorgenommen, uns da als Gewerkschaften in Zukunft stärker zu beteiligen. Das tut sie auch. Das tun auch die anderen Ministerien, die dafür zuständig sind. Ja und da verhandeln wir quasi in dieser Allianz für Aus- und Weiterbildung mit allen arbeitsmarktpolitisch relevanten Akteuren, wie Arbeitgeberverbände, Wirtschaftsverbände, Länder, wie gesagt natürlich auch die Ministerien darüber, wie Ausbildung besser werden kann beziehungsweise wie auch der Ausbildungsmisere, die nunmal besteht dadurch dass wir zu wenig Ausbildungsplätze haben, begegnet werden kann. Und da liegt ein Schwerpunkt darauf, dass wir mehr Ausbildungsplätze schaffen wollen. Darauf hat sich die Wirtschaft auch in diesem Jahr verpflichtet. Es geht aber auch darum, an der Qualität was zu machen. Zum Beispiel für Auszubildende Möglichkeiten zu schaffen, wie sie sich besser beschweren können; also auch jenseits der Kammern ein Beschwerdemanagement zu etablieren, das die Auszubildenden wirklich ernst nimmt und auch schützt. Weil das die Kammern bzw. die Ausbildungsberatenden der Kammern aufgrund der Interessenslage der Kammern einfach viel zu selten machen. Ja, und da gibt’s einen bunten Blumenstrauß an Forderungen, die wir da aufgestellt haben, die auch vereinbart worden sind. Allerdings ist für uns die Allianz kein Gremium, wo wir hübsche Papiere schreiben wollen und wo wir alle Jubeljahre eine schöne Pressekonferenz machen, sondern uns geht’s darum, dass da gearbeitet wird und sich am Ende für die jungen Menschen auf dem Ausbildungsmarkt auch etwas ändert.

SPUNK: Hast du genaue Vorstellungen, wie beispielsweise auch die GRÜNE JUGEND euch bei diesem Kampf um konkrete Änderungen unterstützen könnte?

André: Was ja jetzt ansteht ist die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes. Das werden wir jetzt quasi in den kommenden Monaten haben und da sind natürlich alle politischen Akteure stark gefordert, sich da mit einzubringen, so denn sie denn unsere politischen Positionen und Forderungen teilen und unterstützen. Und ich glaube, dass die GRÜNE JUGEND da ein ganz wichtiger Akteur ist, auch weil sie einen Einfluss hat auf eine politische Partei hat, die auch im Bundestag vertreten ist, die wir auch brauchen, auch wenn’s eine Oppositionspartei ist. Aber natürlich müssen wir den politischen Druck da hochfahren, was die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes anbelangt, weil da eben ganz viele Sachen im Berufsbildungsgesetz geregelt werden, die für Auszubildende wichtig und relevat sind. Ja, und da ist es ganz wichtig, dass wir da einfach im Austausch bleiben. Ich denke, das ist ein total wichtiger Punkt, dass wir uns gegenseitig informieren. Dass ihr euch informiert, was wollen die Gewerkschaften an der Stelle, was will die Gewerkschaftsjugend? Teilen wir das? Und wir uns aber auch darüber informieren, wie ihr politisch unterwegs seid, was ihr für Forderungen habt. Ihr werdet euch ja sicher jetzt auch damit in der nächsten Zeit näher beschäftigen. Ja, und da sollte man im Austausch bleiben und auch gucken, ob man da gegebenenfalls auch gemeinsame Aktionsformen findet über politische Aktionen natürlich, aber auch über Veranstaltungen. Ich denke, da ist eine Menge zu tun.

SPUNK: Mal sehen, was sich so umsetzten lässt. Vielen Dank, André für das Interview!

André: Gerne!

Jamila Schäfer war lange Mitglied der SPUNK-Redaktion und studiert in Franfurt am Main Soziologie und Philosophie. Sie ist die Bundessprecherin der GRÜNEN JUGEND.

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