Autor: Hannes Boehm

Die Krise ist doch vorbei, oder?

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„Europas Antwort auf die Krise zeigt Resultate.“ Mit diesem Artikel vom Oktober letzten Jahres haben die politisch Verantwortlichen für das Management der Eurokrise eine rhetorische Gegenwende eingeleitet. „Mit Griechenland geht es doch aufwärts!“, „Man muss den Ländern wirklich für ihren harten Reformkurs gratulieren!“ oder „Deutschland war vor 10 Jahren auch der kranke Mann Europas und hat sich dank schmerzhaften Reformen wieder aufgerafft!“ – Solche oder ähnliche Phrasen (verbunden mit der Forderung, dass der Reformkurs jetzt natürlich weiter fortgesetzt werden muss) werden wir im Wahlkampf und in der Zeit danach häufig zu hören bekommen. Doch was ist dran am angeblichen Ende der Eurokrise? Das Eurokrisenmanagement – vor allem in Form der drastischen Sparpolitik, die auch vor Bereichen wie Gesundheit und Bildung keinen Halt macht – hat Europa in nicht weniger als eine gesellschaftliche sowie menschliche Katastrophe gestürzt. In Griechenland ist die Zahl der Totgeburten zwischen 2008 und dem Beginn der Sparpolitik 2010 um mehr als 20 Prozent gestiegen, die Säuglingssterblichkeitsrate um 43 Prozent. Etwa um diesen Betrag hat auch die Selbstmordrate zugenommen, der Anteil an Menschen …