Autor: Marcel Rodenberg

Institutionalisierten Rassimus und staatliche Repression bekämpfen!

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Schon vor 14 Jahren erklärte George W. Bush Racial Profiling zum Problem, das bekämpft werden müsse. Barack Obama als erster schwarzer Präsident der USA stand später als Symbol für die Zukunft einer postrassistischen Gesellschaft.(1) Doch die Tötungen von Michael Brown (9. August 2014) und Eric Garner (17. Juli 2014) stehen für das genaue Gegenteil dieser Vision. Sie repräsentieren die reale, aktuelle Situation der USA, in denen insitutioneller Rassismus herrscht und Polizeigewalt auf der Tagesordnung steht. Eric Garner (2) und Michael Brown (3) wurden von weißen Polizisten getötet, obwohl von ihnen keine Bedrohungen ausgingen und sie unbewaffnet waren. In beiden Fällen blieben die Polizisten unbestraft, obwohl insbesondere bei Eric Garner ein Verschulden des Beamten offensichtlich ist: Garner wurde durch einen völlig unverhältnismäßig eingesetzten Würgegriff die Luft abgeschnürrt, er sagte „I can’t breathe“, der Beamte würgte weiter, Eric Garner starb. (Das folgende Video enthält möglicherweise schockierende Inhalte. Eric Garner ist zu sehen ab Minute 1:04.) Ein psychisch labiler Schwarzer ging unter dem Druck des allgegenwärtigen Rassismus und der ständigen Angst, von gewalttätigen Polizeibeamt*innen verletzt oder sogar getötet …

Politcal (In)Correctness & die Unterhaltungsmedien

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„Jede Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung!“ – Mit diesen Worten beschreibt Serdar Somuncu, der sich selbst in einem seiner Bühnen-Programme in gewohnt derber Manier „der Hassprediger“ nannte, wie er politische Diskurse ins Rollen bringt und für Streit mit aufklärerischer Wirkung zu sorgen versucht. Doch was bewirken Kabarett, Comedy, Musik und andere Formen der Unterhaltung, die die Normen der Political Correctness bewusst überschreiten, die gezielt mit Diskriminierung spielen, und die nicht bloß über einzelne Politiker*innen herziehen, sondern ohnehin schon stigmatisierte und diskriminierte gesellschaftliche Gruppen verhöhnen? Es ist auf den ersten Blick schwer vorstellbar, dass das aufklärerische Ideal, Menschen zu mehr Selbstreflexion, Toleranz und Offenheit zu motivieren, tatsächlich verwirklicht wird, auch wenn Menschen wie Serdar das mit ihrer Kunst verfolgen mögen. Miene hat für den SPUNK kürzlich einen Beitrag zu Political Correctness verfasst, in dem sie ziemlich rigoros gegen jegliche Form des politisch inkorrekten Regelbruchs streitet. Wenn man ihren Beitrag liest, ist es schwer vorstellbar, dass Regelbrüche, wie sie Menschen wie Serdar Somuncu quasi beruflich begehen, einen positiven Effekt haben können. Serdar, der u.a. in Schulen …

Grenzenlose Solidarität! – statt Abschiebung von "Sozialtouristen"

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Irgendwo in Europa. Eine Frau, alleinerziehend, ein Kind. Nahrung? Nur sporadisch. Kleidung? Wenn sie welche findet. Ihre Idee? Fliehen, nach Deutschland oder in ein anderes Land, wo sie sich und ihr Kind aus der Armut holen und ihrer beider Existenzen sicher kann. Nach mehreren Tagen – wenn nicht Wochen – der anstrengenden Reise, mit noch weniger Verpflegung als sonst, in schlechten Zwischenunterkünften – wenn überhaupt überdacht –, auf ihr Essen verzichtend, damit das Kind ausreichend bekommt, ist es geschafft: Sie sind in Deutschland, dem lang ersehnten Ziel. In dem Land, in dem sie sich nicht mehr um ihr Überleben sorgen müssen. Die Mutter stellt einen Antrag auf staatliche Hilfeleistungen. Sie kann selber nicht arbeiten, da sie zu Hause für ihr Kind sorgen muss. Sie können beide außerdem kein Deutsch, haben keine Verwandten oder Freunde in der Gegend, in der sie jetzt leben. Kindergeld wird der Frau gewährt, gewisse andere Leistungen auch. Aber Erwerbslosengeld oder irgendeine andere Form der Grundsicherung nicht. Doch so kann sie sich und ihr Kind nicht versorgen, oder juristisch gesprochen: Sie verfügt …

Vom unpolitischen Sport

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Fußball ist toll. Es ist meine Sucht. Meine Leidenschaft. Aber ich auch ein Linker und das macht die Liebe zum Ballgetrete kompliziert. Für mich ist Leverkusen nicht „schwul“ und ich habe wahre Probleme mit den „Sieg“-Gesängen nach Spielen, weil die Stimme in meinem Kopf immer ein „Heil“ anfügen möchte. Ich mache mir keine Illusionen, dass die meisten in der Kurve nicht so kritisch sind. So kenne ich Leute, die sich für die Fankultur, sondern nur für das Spiel an sich begeistern. Auch das finde ich legitim. Aber mein Verständnis von Fußball ist nun einmal politisch: Ich will bunte, das heißt antifaschistische und feministische Kurven, frei von Homophobie, Trans*phobie und Sexismus, haben. Sicher, auch ich liebe das „Wir“-Gefühl, aber es ist ein inklusives „Wir“. Ich will, dass jede*r, der*die Spaß am Sport hat, diesen auch ohne Angst schauen kann. Linke Fankultur ist laut und kritisch gegenüber der Vereinspolitik: Doof sind Schwarmärkte, Preiserhöhungen und Millionenablösen, gut dagegen Jugendkultur und inklusive Stadien. Das Private ist politisch, also auch mein Fan-Dasein. Für mich soll der*die Gegner*in nicht „vernichtet“ werden, …

Doping, Drogen & der Kapitalismus

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In unserer Pro-Contra-Debatte über die Freigabe von Doping im Sport vertritt Marcel aus der SPUNK-Redaktion die Contra-Position. Er meint, so sehr Florian auch recht haben möge, dass die populären Argumente gegen Doping scheinheilig seien, verfehle seine Rhetorik den Kern der Sache: Doping sei Ausdruck des destruktiven Verdrängungswettbewerbs, wie wir ihn im Kapitalismus alltäglich erleben würden.