Autor: Norma Tiedemann

Alltag und Krise

von

Die Finanz- und Wirtschaftskrise in Europa, bzw. die politischen Reaktionen in Form von Sparpolitik und neoliberaler Disziplinierung, prägen sich mit deutlichen Spuren in die psychische und physische Gesundheit der Menschen in Europa ein. Viele gehen seltener zum Arzt, wollen bzw. können sich keine Medikamente mehr leisten, die medizinische Versorgung wird allenortens zurückgefahren. Laut Studien hat sich die seit 2007 vorher langfristig rückläufige Zahl von Suiziden umgekehrt. In Griechenland stieg zwischen Januar und Mai 2011 die Zahl der Selbsttötungen um 40% im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr. Psychische Erkrankungen in Portugal nahmen zwischen 2006 und 2010 in hohem Maße zu. Depressionen, Angststörungen, Stress, Schlafstöungen, Alkoholabhängigkeit breiten sich auf dem Kontinent aus. Die Wahrscheinlichkeit mit einer psychischen Erkrankung arbeitslos zu werden, sind doppelt so hoch wie ohne. In Österreich erhöhte sich die Zahl von Krankmeldungen bei der Arbeit wegen psychischer Probleme zwischen 2009 und 2011 um 22% – das zeigt, dass die gesundheitlichen Folgen der Krise ganz Europa betreffen. Auch ganz grundsätzlich sollten die dramatischen Auswirkungen der aktuellen Krise auf den Alltag nicht als Ausnahmesituation verstanden …

Das Mantra vom Markt

von

Neoliberal – da steckt das Wort “Freiheit” drin. Freiheit sollte auch eine Selbstregierung von Bürger*innen, also Demokratie, kennzeichnen. Können Neoliberalismus und Demokratie demnach zusammen funktionieren? Nein. Warum? Das lässt sich an den Inhalten des Neoliberalismus sowie der Gegenwart und Vergangenheit neoliberaler Politik schnell zeigen. Der Neoliberalismus ist keine wissenschaftliche Theorie (auch wenn dessen Ideen die Wirtschaftswissenschaften und internationale Institutionen dieser Welt fest im Griff haben), sondern ein politisches Projekt. Seine Träger*innen sträuben sich vor dieser Bezeichnung und geben auch sonst vieles vor zu wollen und zu tun, was nicht den Kern dieses Projektes trifft. Neoliberalismus habe demnach den “schlanken Staat” zum Ziel, der sich möglichst nicht in das freie Spiel der Marktkräfte einmischt und sie somit besonders effizient zur wohlstandssteigernden Blüte treibt. Diese staatliche Zurückhaltung, z.B. durch Privatisierung von Bildung, Energieversorgung oder Verkehr, erlaube den Individuen frei zu entscheiden, streng kalkulierend nach Kosten-Nutzen, wie sie ihr Leben und ihre wirtschaftlichen Beziehungen gestalten. Höchstens ihr persönliches Eigentum wird für sie vom Staat geschützt, ansonsten haben sie nichts zu befürchten und alle werden gleich behandelt. Doch die …