Alle Artikel in: Aktuelle Artikelserie

Global, grün und euphorisierend – Bericht vom #Greens2017 aus Liverpool

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Ein gemeinsamer Artikel von Julius Rupprecht, Eva Pfannerstill, Anton Jaekel und Laura Mai Ehrich. Berauschende Erlebnisse beginnen normalerweise eher in der heimischen WG als mit einer stundenlangen Zugfahrt nach Liverpool. Wir haben letztere aber für Euch unternommen und festgestellt: Man kann auch, ohne irgendetwas außer Essen, Trinken und Koffein konsumiert zu haben, tagelang einen ungesund hohen Endorphinspiegel erreichen. Aber zu den Fakten: Der Kongress der Globalen Grünen (GG), der Europäischen Grünen (EGP), der Grünen aus England & Wales (GPEW) und der Globalen Jungen Grünen (GYG) Ende März war das größte Zusammentreffen grüner Politiker*innen, das jemals stattgefunden hat. Ziel des Kongresses war es, weiter eine gemeinsame Idee davon zu entwickeln, was „to be green“ (engl:“grün sein“) eigentlich bedeutet. Das hat den Hintergrund, dass Kongresse der Globalen Jungen Grünen, der Globalen Grünen und der Europäischen Grünen nur äußerst selten stattfinden – mit Glück alle drei Jahre, in der Regel nur alle fünf. Und wie eben geschrieben: Sie fanden noch nie gemeinsam statt. Auf dem Kongressgelände direkt am Hafenbecken Liverpools vernetzten, diskutierten, stritten und einigten sich ca. 1800 …

Der Wahlschein

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»Wen hast’n gewählt?«, frage ich beim Essen. Es hatte gerade eine Wahl für irgendwas stattgefunden. »Ich hab nicht gewählt«, sagt das Känguru. »Darfste nicht?«, frage ich. »Ich darf nicht und ich will nicht«, sagt das Känguru. »Du willst nicht?«, frage ich. »Ja. Weil das gar keine Wahl ist«, sagt das Känguru. »Das ist nämlich nur ein Demokratietrugbild, eine Abstimmungsattrappe, eine Volksherrschafts-Fata-Morgana. Kurz gesagt: nur der Schein einer Wahl, oder, um den offiziellen Terminus zu verwenden: ein Wahlschein.« Das Känguru “Zum Glück waren es nur 35%…” So oder so ähnlich sahen viele Reaktionen zur Wahl in Frankreich aus. Doch was sagen solche Reaktionen eigentlich über die aktuelle Situation in Deutschland oder sogar der ganzen westlichen Welt aus? Und welche Einflüsse hat das Wahlsystem darauf? Seit letztem Jahr im Sommer fanden einige sehr knappe Wahlen statt, die großen Einfluss auf die Zukunft Europas beziehungsweise die der ganzen westlichen Welt hatten. Es begann mit dem Referendum zum Brexit. Viele gingen mit der Hoffnung ins Bett, dass die Mehrheit der Briten „vernünftig“ sein würde. Diese Hoffnung konnte leider nicht …

Lesbische Identität in einer Frauenrechtsorganisation – „Jeden Tag muss ich mich outen“

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Einige Monate habe ich mit großer Überzeugung für eine internationale Organisation gearbeitet, die sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen bekämpft und Überlebende nachhaltig unterstützt. Bereits beim Bewerbungsgespräch wurde gefragt, ob ich Feministin sei, das sei schließlich Einstellungsvoraussetzung. Kurz darauf bezog ich mein neues Büro und lernte die Mitarbeiterinnen kennen. Dabei fiel mir auf, wie homogen die Gruppe meiner Kolleginnen doch war: Zwar gab es junge und alte Frauen und vielleicht auch einige, die nicht studiert hatten. Insgesamt aber schienen alle ziemlich ähnlich gestrickt zu sein. Nicht zuletzt verbindet sie alle die gleiche Einstellung, Überzeugung und der Einsatz für die Rechte aller Frauen. Ein unsichtbarer Kampf Trotz dieser scheinbaren Homogenität merkte ich schnell, dass ein asymmetrischer Kampf herrschte, der von einigen wenigen Mitarbeiterinnen gegen die große Mehrheit geführt wurde – ohne, dass Letztere sich dessen bewusst schien. Die Rede ist von den wenigen lesbischen Frauen, die versuchten, ihre Identität in die Organisation einzubringen. Mit dem Ziel, die anderen Mitarbeiterinnen für das Thema zu sensibilisieren, aber auch die Unterstützung für LGBTQI-Frauen in den Kriegsgebieten mehr in den …

Jahresschwerpunkt Demokratie – Auftakt der Artikelserie

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Dass wir als GRÜNE JUGEND das Thema Demokratie zu unserem Jahresschwerpunkt auserkoren haben, mag einige verwundern, ist doch der Rechtspopulismus aktuell die zentrale politische Herausforderung. Andere mag es wiederum überhaupt nicht überraschen. Ich bin gebeten worden, einen Artikel zum Auftakt einer Artikelserie zu schreiben, die sich diesem Thema widmet und hoffentlich Reflexionen zur Frage, warum wir uns mit so einer Selbstverständlichkeit wie Demokratie beschäftigen sollten, anzuregen. Ich werde deshalb im Folgenden versuchen, einige Fragen und Thesen zum dem großen, ja riesigen Themenkomplex „Demokratie“ aufzuwerfen, die dann in den folgenden Artikeln weiterdiskutiert werden können. Heute, so meine Überzeugung, müssen wir so ernsthaft wie lange nicht mehr über Demokratie diskutieren und streiten. Dafür gibt es mehrere Gründe: Aktuell ist die repräsentativ-parlamentarische Demokratie von innen durch den globalen Kapitalismus und Ermüdungserscheinungen – man könnte in manchen Fällen von einer Art Auszehrung sprechen – gezeichnet und gleichzeitig in ihrer Entwicklung von autoritär-populistischen Kräften getrieben. Das zeigt sich insbesondere in der Forderung nach direkter Demokratie. Die These von der Ermüdung der Demokratie ist gewagt. In dieser Diskussion geht es jedoch …

Wahlen in den Niederlanden: Interview mit der Sprecherin der Niederländischen Grünen Jugend

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*for original English interview text, see below* Am 15. März wird in den Niederlanden ein neues Parlament gewählt. Dies ist die erste von mehreren wichtigen Wahlen dieses Jahr, die über die zukünftige Entwicklung der demokratischen Gesellschaft Europas entscheiden werden. Wir vom Fachforum Europa und Globales haben mit unserer Nachbarorganisation, den Jungen Grünen der Niederlande (DWARS), über die Wahlen gesprochen. DWARS ist die unabhängige Jugendorganisation der grünen Partei in den Niederlanden. Während sie Anfang 2017 noch 1.500 Mitglieder hatten, wuchsen sie bis heute sehr schnell auf 2.000 Mitglieder heran. DWARS steht für Grüne, Sozialpolitik und Freiheit. Sie haben eine gute Beziehung zur Grünen Partei, stehen ihr aber auch kritisch gegenüber, wenn es nötig ist. Wir freuen uns sehr, dass Noortje Blokhuis, Sprecherin von DWARS, sich bereit erklärt hat uns ein Interview zu geben. Noortje ist seit Oktober Sprecherin von DWARS. Sie studiert Theologie, hat großes Interesse an Religion und an der Beziehung zwischen Religion und Politik. Noortje ist 25 Jahre alt, womit sie etwas älter ist, als der Durchschnitt der Mitglieder von DWARS. Sie ist nun …

Non-binary – Von Toiletten, Händeschütteln und Schuhgrößen

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Ich bin geschlechtslos – und gehörte damit zu den Menschen mit einem nicht-binären Geschlecht. Und genau darum geht es hier. Mein Erstkontakt zu nicht-binär, non-binary, NB oder auch Enby war etwas holprig. Das liegt daran, dass ich, wenn ich nicht gerade Texte über mich schreibe, Informatik studiere. In der Informatik wird meistens nur mit 0 und 1 gezählt. Das ist praktisch, weil sich Bauteile, die verschieden reagieren, je nach dem ob Strom (1) kommt, oder nicht (0) verwenden lassen. So bin ich es gewohnt, dass alles binär dargestellt werden kann. Binärität ist in der Informatik keine Einschränkung. Im queeren Kontext ist Binärität genau das Gegenteil: ein System, das nur zwei Zustände erlaubt: 0 und 1, A und B, Frau oder Mann. Hier ist das Gegenteil dann Nicht-Binär. Holprige Angelegenheit wie gesagt: In der einen Hälfte meines Lebens ist alles Binär, in der anderen fällt gewaltig viel unter den Bus, wenn alles Binär sein soll. Für den Rest dieses Textes verabschiede ich mich also von der Informatik und verstehe Binärität als System, das immer nur eine …

Queer Refugees for Pride: „Nothing about us, without us“

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First of all I would like to give information about myself. I’m Javid Nabiyev from Azerbaijan. In Azerbaijan I was working as a LGBTI Human Rights defender and I became as first openly gay politician. In Azerbaijan unfortunately we have a dictatorship government. Under these circumstances, there are no basic human rights, freedom of expression / speech / media, we experience fake elections and etc. Among the 49 member states of the Council of Europe we are in the last place regarding LGBTI Human Rights, even Russia ranks before us at #48 ( ILGA Europe Report 2016). Because of persecution and risk of being arrested I came to Germany in January of 2015. In my homeland I was accused of like sabotaging the government and being a spy of west. I came to Germany with a hope to continue my work / fight for LGBTI Human Rights in Azerbaijan. I thought here would be better conditions, freedom, and safety. Unfortunately the life in refugee camps, in refugee dormitory didn’t pay for my expectations which I …

Wand mit Graffitti "Gender: Queer"
Gender Queer - von Charles Hutchins - CC BY 2.0

Lasst uns den Mund aufmachen und hört gefälligst zu! – Über die Sichtbarkeit von Transpersonen im deutschsprachigen Raum

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Es gab eine Zeit, in der mir andere Transpersonen lediglich aus dem Internet und reißerischen, sensationsgeilen RTL II-Dokus bekannt waren, die klassischerweise durchweg falsche Pronomen benutzten und die Protagonist*innen mit ihren alten Namen bezeichneten. Die einzige Prominente, die ich zufällig durch die Bravo (das mit dem famosen Dr. Sommer) kennenlernte, war Kim Petras, die damals Schlagzeilen als erste Minderjährige machte, die eine Erlaubnis für eine Geschlechtsangleichung bekam. Außerdem hatte Petras bereits vor ihrer Pubertät Hormonblocker erhalten, weswegen sie niemals eine von Testosteron dominierte Pubertät durchlief. Durch den ausbleibenden Stimmbruch erhielt Kim sich eine verhältnismäßig hohe Stimme im Gegensatz zu vielen Transfrauen, die erst im Erwachsenenalter eine Hormontherapie beanspruchen und den Stimmbruch bereits durchlaufen haben. Eine gewisse Bekanntheit konnte sich Kim dadurch als Sängerin auf ihrem eigenen YouTube-Kanal verschaffen. Ich fand Kim damals unglaublich faszinierend, weil sie bereits im Kindesalter gegen das ihr fälschlicherweise zugewiesene männliche Geschlecht rebellierte und ihre Eltern sie in allen Schritten der Transition unterstützten. Von Kims Beispiel abgesehen, beschränkte sich meine Kenntnis anderer Transpersonen jedoch lange auf Menschen, die ich nur fand, …

Familie bedeutet Vielfalt

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[Hinweis: Eine Reihe von Begriffen, die eventuell nicht allen sofort klar sind, werden unten erklärt. Diese sind im Text unterstrichen.] „Ohana heißt Familie. Familie heißt, dass alle zusammenhalten und füreinander da sind.“ Das Zitat stammt aus dem Animationsfilm „Lilo & Stitch“. In diesem wachsen Lilo, ihre (leibliche) Schwester* Nani und ein kleines, blaues Alien namens Stitch nach einigen Anfangsschwierigkeiten zu einer Familie zusammen. Zwei weitere Außerirdische, darunter der Schöpfer von Stitch, werden Teil dieser Gemeinschaft. Um auf das Zitat zurückzukommen: Entscheidend scheint nicht die biologische Verwandtschaft zu sein, sondern die Verbundenheit und gegenseitige Fürsorge. Nach innen definiert sich eine Familie also durch den Zusammenhalt ihrer Mitglieder. Aber wie sieht es nach außen aus? Zunächst einmal ist es egal, aus welchen und wie vielen Personen sie besteht. Ob ich nun eine traditionelle Großfamilie mit Großeltern, Eltern und Kindern habe oder eine kleine Gruppe, zu der ein blaues Alien zählt: Niemand kann ihnen ihre Zusammengehörigkeit absprechen. Davon ausgehend ergeben sich nicht nur die unterschiedlichsten Konstellationsmöglichkeiten, sondern auch die Einzigartigkeit eines jeden Menschen sorgt für Vielfalt. Aber wenn …