Alle Artikel in: Gesellschaft

Netzneutralität: Machtausbau von Konzernen statt Verbindungen zwischen Menschen?

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Buche ich die Zusatzoption „StreamOn“ im Mobilfunktarif „MagentaMobil“ der Deutschen Telekom, kann ich Audios und Videos von bestimmten Partner-Anbietern abspielen, ohne dass mir diese Internetbenutzung auf meinen Datenverbrauch angerechnet wird. So weit, so banal? Nein, denn diese Ausnahme hat heftige politische Debatten um die Freiheit und Grundzüge des Internets ausgelöst. 2017 klagte die Verbraucherschutzbehörde gegen StreamOn, genau wie im vergleichbaren Fall des „Vodafone GigaPass“1. Die Bundesnetzagentur verbot der Telekom daraufhin nicht das Gratis-Surfing-Angebot StreamOn an sich, aber die absichtliche Drosselung von Video-Streaming (Reduzierung der Datenübertragungsrate ohne technischen Grund, um möglichst wenig kostenlosen Datenverbrauch zu erzeugen2)3. Die Vodafone-Tarifoption wird derzeit noch geprüft. Aus dem Grund, dass die sogenannten Zero-Rating-Angebote einen wichtigen Grundsatz des Internets unterwandern: Den der Netzneutralität. Das heißt, dass technisch gesehen alle Datenpakete vom Internet-Anbieter gleich (schnell) übertragen werden. Es lässt sich mit einer Autobahn vergleichen, auf der private Firmen ohne Netzneutralität gegen eine Gebühr die Geschwindigkeitsbeschränkung für zahlungskräftige Kunden aufheben würden. Während Telekommunikationsdienstleister bislang die physische Infrastruktur bereitstellten4 und wertneutral übertrugen, nehmen sie nun zunehmend Einfluss auf das Wie und Was der Datenvermittlung. …

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Ein kalter Wintertag 1989

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Da es trotz der Kälte ein sonniger Tag war, wollte ich draußen etwas Fußball spielen. Nachdem ich die Wohnung verlassen hatte, ging ich auf das kleine Rasenstück hinter dem Haus. Ich nahm den Ball und schoss ihn zwischen die Pfosten unserer Wäscheleine, die mir als Tor dienten. So schoss ich mehrmals auf mein Tor. Nach einigen Schüssen wurde ich kühner und trat den Ball mit mehr Kraft. So schoss er schließlich über das Ziel hinaus und verschwand irgendwo in Nachbars Garten. Dieser Nachbar war Heino Kretschmann. Er war nicht gerade mein bester Freund, denn er hatte immer irgendetwas zu meckern und schaute oft mit einem feindseligen Blick zu uns herüber. Als ob es ihm nicht passte, dass ich dort wohnte, obwohl es für ihn keinen offensichtlichen Anlass gab, schlecht über mich zu denken. Ich versuchte, einen Blick auf das andere Grundstück zu erhaschen, das von einem Zaun und einer Hecke umgeben war. Für mich als Kind war diese fast mannshohe Hecke wie eine unbezwingbare Palisade. Meinen Ball konnte ich nicht entdecken, aber ich hörte eine …

“Aufstehen, die Bullen sind da” Chronik und Hintergrund einer Hausbesetzung

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In Göttingen gibt es eine Menge Leerstand. Es gibt verschiedenste Häuser, die nicht vermietet werden, weil ihre Bausubstanz schlecht ist und die Stadt sie (noch) nicht renovieren kann. Außerdem gibt es auch Spekulationsobjekte, die so lange leerstehen, bis die Mieten durch die künstlich gesteigerte Wohnraumnachfrage explodieren. Die Stadt verkauft ihre Häuser an Investor*innen, anstatt sie zu pflegen und zu angemessenen Preisen zu vermieten. Gegen diesen gezielten Leerstand und die Wohnraumpolitik formt sich Widerstand. In der Kritik steht dabei die Stadt, die zu wenig Geld in die Hand nimmt und höchstens mit ihrer Ideenlosigkeit auffällt. Ein Beispiel: Statt in einer geeigneten Unterkunft zu leben, müssen Geflüchtete in Göttingen für lange Zeit in der „Siekhöhe“ weit außerhalb der Stadt wohnen. Die „Siekhöhe“ ist eine alte Lagerhalle im Gewerbegebiet, in der die Stadt schnellstmöglich ein paar leichte Holzwände hochgezogen hat. Die Lebensbedingungen im Lager Siekhöhe sind somit unzureichend, um Integration zu ermöglichen und widersprechen dem Bedürfnis nach Privatsphäre. Anstatt dass mehr Sozialwohnungen geschaffen werden, wird Göttingen immer mehr zu einer Unistadt der Privilegierten gemacht. Statt Gemeinschaftlichkeit in Wohnprojekten …

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Raketen und Böller an Silvester – wenn das Himmelsspektakel zum Verhängnis wird

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Jedes Jahr an Silvester werden Unmengen an Raketen in die Luft geschossen, was natürlich ein schönes Spektakel am Nachthimmel darstellt und das neue Jahr symbolisch begrüßen soll. Leider gibt es einige negative Aspekte diesbezüglich, wie ihr sicherlich alle wisst. Die Feinstaubbelastung in der Luft ist an diesem Abend enorm hoch. Außerdem werden die Reste der Raketen und Böller meistens nicht vom „Verbraucher“ entsorgt, weshalb die Straßen am Tag danach erstmal komplett verschmutzt sind. Da ist dann natürlich nicht ausgeschlossen, dass Tiere diesen Müll aus Versehen mit ihrer Nahrung aufnehmen auf welchem Wege auch immer. Des Weiteren sind nicht nur frei lebende Lebewesen von Silvesterraketen negativ betroffen, sondern auch Haustiere, vor allem Katzen und Hunde. Diese sind nämlich nicht an einen solch ungewohnten und lauten Lärmpegel gewöhnt, weshalb sie sich letztlich in einem sehr kritischen Zustand befinden, hysterisch auf und ab laufen sowie große Angsterscheinungen aufweisen! Traumas sind bei ihnen somit nicht ausgeschlossen, besonders bei empfindlicheren, ängstlichen Tierchen. Abgesehen davon dass Raketen und Böller die Natur sowie Lebewesen, unter anderem unsere Haustiere gefährden, können diese auch …