Alle Artikel in: Netzpolitik

moerschy via pixabay (CC0)

Das Gesetz gegen den Hass — Ein Jahr NetzDG

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Beleidigungen, Hasskommentare und gar Gewaltandrohungen sind auf Facebook und in YouTube-Kommentaren noch immer an der Tagesordnung. Daran hat das 2017 beschlossene Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) wenig geändert. Gleichzeitig stellen automatisierte Prüfverfahren eine Gefahr für die Meinungsfreiheit dar. Eine Reform muss her. Das NetzDG soll die Anbieter von Social Media dazu bringen, Hass- und Hetzkommentare schneller und effektiver zu löschen. Die Firmen reagierten auf das Gesetz, indem sie neue Meldeformulare in ihre Apps und Websites einbauten. Auch personell wurde aufgestockt: Facebook errichtete ein neues „Löschzentrum“ in Essen. 500 Mitarbeiter*innen durchsuchen von dort das Netzwerk nach Hasspostings, um diese zu entfernen. Der digitale Putztrupp ist nicht nur hohen psychische Belastungen durch die unangenehmen Beiträge ausgesetzt — er muss seine Urteile über die Auslegung der Regeln in kürzester Zeit fällen. Aus den im Gesetz vorgeschriebenen Halbjahresberichten der Netzwerke geht hervor, welche Massen von beanstandeten Beiträgen die Mitarbeiter durchsehen müssen: YouTube meldete 213.330 beanstandete Inhalte, Twitter 264.818 Beschwerden. Bei Facebook waren es hingegen nur 1704 Meldungen nach NetzDG. Vermutlich liegt dies daran, dass der Konzern anders als seine Konkurrenten die Umsetzung …

Netzneutralität: Machtausbau von Konzernen statt Verbindungen zwischen Menschen?

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Buche ich die Zusatzoption „StreamOn“ im Mobilfunktarif „MagentaMobil“ der Deutschen Telekom, kann ich Audios und Videos von bestimmten Partner-Anbietern abspielen, ohne dass mir diese Internetbenutzung auf meinen Datenverbrauch angerechnet wird. So weit, so banal? Nein, denn diese Ausnahme hat heftige politische Debatten um die Freiheit und Grundzüge des Internets ausgelöst. 2017 klagte die Verbraucherschutzbehörde gegen StreamOn, genau wie im vergleichbaren Fall des „Vodafone GigaPass“1. Die Bundesnetzagentur verbot der Telekom daraufhin nicht das Gratis-Surfing-Angebot StreamOn an sich, aber die absichtliche Drosselung von Video-Streaming (Reduzierung der Datenübertragungsrate ohne technischen Grund, um möglichst wenig kostenlosen Datenverbrauch zu erzeugen2)3. Die Vodafone-Tarifoption wird derzeit noch geprüft. Aus dem Grund, dass die sogenannten Zero-Rating-Angebote einen wichtigen Grundsatz des Internets unterwandern: Den der Netzneutralität. Das heißt, dass technisch gesehen alle Datenpakete vom Internet-Anbieter gleich (schnell) übertragen werden. Es lässt sich mit einer Autobahn vergleichen, auf der private Firmen ohne Netzneutralität gegen eine Gebühr die Geschwindigkeitsbeschränkung für zahlungskräftige Kunden aufheben würden. Während Telekommunikationsdienstleister bislang die physische Infrastruktur bereitstellten4 und wertneutral übertrugen, nehmen sie nun zunehmend Einfluss auf das Wie und Was der Datenvermittlung. …

WannaCry – Es ist einfach zum Heulen

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Über Sicherheit, Updates und „niemand will mich hacken“ Ein Frühjahrswochenende kommt und auf reddit und Twitter gibt es die ersten Fotos. Keine Screenshots, sondern tatsächlich abfotographierte Bildschirme. Irgendwelche öffentlichen Bildschirme, später Abfahrtsanzeigen bei der Bahn und eine ganze Menge PCs in britischen Krankenhäusern. Was zu sehen ist, ist vom Prinzip her nichts Neues. Schadsoftware, die auf infizierten Rechnern die Daten verschlüsselt, Lösegeld für die Entschlüsselung fordert und sich über das Netzwerk weiter verteilt. Das Prinzip heißt Ransomware und war schon öfter in der Weltgeschichte unterwegs. Festplatten verschlüsseln (und entschlüsseln) ist kein Hexenwerk. Ein halbes Jahr Programmierkurs kann da reichen. Auch Software, die sich aus dem Netz installiert, ist keine Zauberei. Der wirklich kritische Teil ist, dass die Installation selbst unbemerkt und auch ohne Zutun der Besitzer*innen der Maschinen passiert. Dafür braucht es eine Sicherheitslücke. Und hier wurde WannaCry dann spannend. Die verwendete Lücke befand sich im Netzwerkcode von Windows und da schon seit XP – in unserem Kontext eine kleine Ewigkeit. Offiziell wird XP auch tatsächlich nicht mehr unterstützt. Es hätte sich einen Platz in …

CGRB server room - von Shawn O'Neil - CC-BY

Big Data im Wahlkampf – Auch Grüne können das!?

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Wie konnte Trump diese Wahl gewinnen? Diese Frage stellen sich immer noch sehr viele Menschen. Zweifelsohne gibt es viele Gründe für seinen Sieg; und jeder für sich ist nicht einfach zu betrachten. Ein wichtiger Aspekt in der Kampagne von Trump war das Micro-Targeting. In einem Artikel, der von vielen Grünen geteilt wurde, wird nun ausgeführt, wie sich die Trump-Kampagne an dieser Methode bedient hat und wie sie funktioniert. Aber auch diese Erklärung ist nicht die einzige und vollumfängliche Erklärung für Trumps Sieg, wie schon andere Analysen festhalten. Der Artikel lässt sich aber auch nicht als „linke Verschwörungstheorie“ verharmlosen. Ein wichtiger Teil des Micro-Targetings ist die Datenanalyse und -auswertung. Als Student der Wirtschaftsinformatik spezialisierte ich mich auf Business Intelligence (BI), also der Wissenschaft zur Analyse von großen Datenmengen, eben „Big Data“. Dabei ist die Erkenntnisgewinnung und Entscheidungsunterstützung das Ziel bei der Analyse und Auswertung großer Datenmengen. Big Data ist aber auch nicht per se was schlimmes: Auch das Präferenzwahlsystem ist ein Bereich von Big Data Analysen. Ich entschied mich für diese Spezialisierung, weil mich die Kampagne …

VNX2QDGS0J - von Ibrahim Boran - CC0

Damit die nächsten Panama Papers ans Licht kommen: Ein Whistleblowerschutz für ganz Europa!

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Keine Demokratie ist perfekt. Es wäre die falsche Lehre aus den Panama Papers, dass man unethisches Verhalten komplett verhindern könnte. Der Wert unserer Demokratie misst sich vielmehr daran, wie wir mit den Menschen umgehen, die unangenehme Wahrheiten aussprechen, die Skandale ans Licht bringen, damit wir Fehler im System korrigieren können. Deshalb hat die Fraktion der Grünen/EFA im Europaparlament eine Richtlinie zum Schutz von Whistleblower*innen vorgelegt. So richtig überrascht war niemand, als ein internationales Bündnis investigativer Journalist*innen die Panama Papers ans Licht brachte: Steuervermeidung und Briefkastenfirmen sind kein neues Phänomen und der Skandal um die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca zeigt nur die Spitze des Eisbergs – wer weiß, wie viele andere Firmen mit identischem Geschäftsmodell Milliardenschäden für die öffentliche Hand produzieren. Dennoch sind Enthüllungen wie die Panama Papers ein enorm wichtiges öffentliches Korrektiv. Sie erzeugen Druck für politische Reformen, um Steuervermeidung endlich wirkungsvoll zu bekämpfen. Das haben bereits die LuxLeaks vor einigen Jahren bewiesen, die dazu beigetragen haben, dass die Steuererleichterungen für Firmen wie Starbucks von der Europäischen Kommission als illegale Staatsbeihilfen eingestuft wurden. Starbucks allein musste …

nazi zombies - Jake or Dinos Chapman show at the White Cube Gallery in London - von Elias Gayles - CC BY 2.0

Nazis in Videospielen

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Spiele, in denen Nazis vorkommen gibt es viele. Kein Wunder, ist doch der zweite Weltkrieg ein Thema, das oft und gerne medial inszeniert wird. Nazis sind aus unserer Popkultur nicht wegzudenken, wie Zombies und Orcs. Nazis sind super. Wolfenstein ist der Prototyp eines Spiels, in dem Nazis als Gegner auftauchen. Das schöne daran ist, dass es keine weitere Motivation oder Erklärung braucht, warum es legitim ist Gewalt anzuwenden. Nazis sind böse, Gewalt ist legitimiert, Feuer frei. Das schöne daran ist, dass es keine weitere Motivation oder Erklärung braucht, warum es legitim ist, Gewalt anzuwenden. Nazis sind böse, Gewalt ist legitimiert, Feuer frei. Gleiches lässt sich natürlich für Zombies und Orcs sagen. Aus einem abstrakten, völlig austauschbaren “rot gegen blau”-Szenario wird sofort der heroische Kampf gegen das Böse und für die Rettung der Welt. Und all das ohne dass man eine spannende Geschichte erfinden oder tief ausgearbeitete Charaktere zeichnen müsste. Da ist es kein Wunder, dass Nazis beziehungsweise der zweite Weltkrieg ein beliebtes Szenario ist. Doch Moment, Nazis darzustellen ist in Deutschland nicht so einfach, zumindest …