Alle Artikel in: Soziales

Nie, nie, nie wieder Sommerzeit

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Die Sommerzeit. Ihretwegen stellen wir zweimal im Jahr die Uhren um. Warum eigentlich? Ihren Ursprung hat die Sommerzeit vor ungefähr einhundert Jahren, während des ersten Weltkriegs im deutschen Kaiserreich. Eine Stunde „mehr“ Sonnenlicht am Abend bedeutet mehr Produktivität, was gerade in einem Krieg, der zur Materialschlacht wird, nicht unbedeutend ist. Schnell übernahmen andere Staaten das Prinzip, es gab ein hin und her, ab den 1970er Jahren hat sich die Idee international durchgesetzt. Heute schreibt eine EU-Richtlinie die Zeitumstellung vor, auch andere Staaten stellen die Uhren um. Generell lässt sich sagen, dass Staaten, die näher am Äquator liegen, die Zeitumstellung eher nicht durchführen, als welche, die weiter davon entfernt sind. Das ist insofern sinnvoll, als es in der Nähe des Äquators praktisch keine Jahreszeiten gibt, je näher man sich am Nord- oder Südpol befindet aber die Dauer des Tageslichts umso stärker von der Jahreszeit abhängt. Um eine Tatsache direkt klar zu stellen: Die Zeitumstellung sorgt nicht dafür, dass es mehr Sonnenlicht gibt. Das klingt so wahnsinnig banal, und doch kann man gelegentlich den Eindruck haben, dass …

Sonntagsarbeitsverbote sind reaktionär

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Arbeit ist anstrengend. Die meisten Menschen haben lieber Freizeit als zu arbeiten, was der Hauptgrund dafür ist, dass Arbeit bezahlt wird. Da in unserem kapitalistischen System Menschen auf Geld angewiesen sind, ist es durchaus sinnvoll, den Unternehmen Schranken zu setzen, um die Arbeitnehmer*innen nicht noch mehr auszubeuten. Verpflichtende arbeitsfreie Tage sind daher grundsätzlich zu begrüßen. Nicht zu einer säkularen und modernen Gesellschaft, die wir als Grüne Jugend anstreben, passt es allerdings, allen Menschen an den selben Tagen die Arbeit zu verbieten. Der Sonntag ist von der christlichen Tradition als Feiertag vorgegeben. Um die Religionsfreiheit zu gewährleisten, ist es sicherlich richtig, den vielen Christ*innen in unserer Gesellschaft die Möglichkeit zu geben, sonntags frei zu haben. Genauso müssen aber auch Muslim*innen die Möglichkeit haben, freitags frei zu haben, und Juden*Jüdinnen am Samstag. Nicht-christliche Menschen werden hier also durch die kategorische Festlegung des Sonntags als Feiertag diskriminiert. Außerdem führt der arbeitsfreie Sonntag noch zu ganz anderen Problemen. Wer kinderlos und ungebunden, an seinem freien Tag spazieren gehen möchte oder diverse Freizeitangebote nutzen will, wird zwangsläufig damit konfrontiert, dass …

Freie Sonntage sind gut für das familiäre Zusammenleben

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Das Bundesverwaltungsgericht schränkt die Sonntagsarbeit ein. Finde ich super! Natürlich denke ich mir als Studi auch: warum soll ich nicht auch sonntags arbeiten dürfen? Da hätte ich die meiste Zeit dafür. Aber genau das ist der Punkt. Warum hat man am Sonntag die meiste Ruhe? Genau, weil es kein allgemeiner Arbeitstag ist, sondern nur bestimmte Berufsgruppen arbeiten dürfen oder auch müssen. Wenn man die Idee von frei wählbaren freien Tagen statt gesetzlicher (meist dem christlichen Kirchenjahr entsprungener) Feiertage auf die Wochenarbeitstage überträgt, klingt das im ersten Moment durchaus nach einer charmanten Idee. Jede*r darf selbst entscheiden, wann sie*er ihren*seinen freien Tag in Anspruch nehmen möchte. Auf den zweiten Blick erscheint diese Idee aber auch meiner Vorstellung von freier Lebensgestaltung nicht mehr so zuträglich. Davon abgesehen, dass es keinen stichhaltigen Grund (mehr) gibt, warum es der Sonntag sein muss, scheint mir ein fester Tag aber gesellschaftlich sehr sinnvoll. Schon aus familienpolitischer Sicht ist ein gemeinsamer freier Tag ein sehr hohes Gut! Ein Tag, an dem alle Familienmitglieder – sei es die klassische, die Patchwork-, die Regenbogen- …

Politcal (In)Correctness & die Unterhaltungsmedien

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„Jede Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung!“ – Mit diesen Worten beschreibt Serdar Somuncu, der sich selbst in einem seiner Bühnen-Programme in gewohnt derber Manier „der Hassprediger“ nannte, wie er politische Diskurse ins Rollen bringt und für Streit mit aufklärerischer Wirkung zu sorgen versucht. Doch was bewirken Kabarett, Comedy, Musik und andere Formen der Unterhaltung, die die Normen der Political Correctness bewusst überschreiten, die gezielt mit Diskriminierung spielen, und die nicht bloß über einzelne Politiker*innen herziehen, sondern ohnehin schon stigmatisierte und diskriminierte gesellschaftliche Gruppen verhöhnen? Es ist auf den ersten Blick schwer vorstellbar, dass das aufklärerische Ideal, Menschen zu mehr Selbstreflexion, Toleranz und Offenheit zu motivieren, tatsächlich verwirklicht wird, auch wenn Menschen wie Serdar das mit ihrer Kunst verfolgen mögen. Kürzlich ist im SPUNK ein Beitrag zu Political Correctness erschienen, der sich ziemlich rigoros gegen jegliche Form des politisch inkorrekten Regelbruchs stellt. Wenn man ihren Beitrag liest, ist es schwer vorstellbar, dass Regelbrüche, wie sie Menschen wie Serdar Somuncu quasi beruflich begehen, einen positiven Effekt haben können. Serdar, der u.a. in Schulen aus Hitlers „Mein …