Alle Artikel in: SPUNK

Lieber Horst – danke!

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Lieber Horst, ich schreibe dir, um dir von Herzen für deine Arbeit und deine Hartnäckigkeit zu danken. Die letzten Wochen und Monate haben du und deine Parteikollegen jede sich bietende Gelegenheit genutzt, in Zeitung, Rundfunk und Fernsehen die Forderungen der CSU einzubringen, ganz egal, wie viel Gegenwind ihr dafür einstecken musstet. Speziell jetzt nach der Bundestagswahl hast du da noch einmal einen starken Spurt hingelegt: Jedes hingehaltene Mikrofon, jede laufende Kamera, jede eifrig mitschreibende Journalistin bekam von dir täglich, beinahe stündlich geliefert. Und der Plan ging auf. Spätestens am Tag nach der Wahl warst du die Nummer 1. in den Nachrichten. Du und niemand Anderes hat die Schlagzeilen und Titelseiten erobert. Und dafür danke ich dir. Warum? Du hast es geschafft, dass ich nach der Wahl schon wieder fast vergessen habe, dass die AfD ins Parlament gewählt wurde. Sich endlich mal ernsthaft mit dem Nazi-Problem auseinander zu setzen, das diese Gesellschaft offenbar hat, wäre schließlich nur anstrengend und würde am Ende noch zu einer tatsächlichen Verbesserung führen. Du hast alle Mikrofone mit deinen oft fragwürdigen, …

Wahlen in Großbritannien – die politische Ausgangssituation

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Während ich durch England reise, um die Wahlen nächsten Donnerstag besser verfolgen zu können, gibt es wenig Sicherheit darüber, was passieren wird. Seit die Tories diese vorgezogenen Wahlen ankündigten, ist die Zustimmung zu den Sozialdemokraten in einem der beeindruckendsten Comeback der jüngeren Geschichte angewachsen. Gewannen die Konservativen anfangs auch noch durch UKIP Wähler*innen, die zu den Brexit-Befürwortenden Konservativen überliefen, ist ihre Unterstützung mittlerweile gesunken, nach dem ihre Pläne um den Brexit, die NHS (nationaler Gesundheitsdienst) und die Wirtschaft bei den Brit*innen schlecht ankamen. Dazu kommt noch der Einfluss der beiden Terrorangriffe in Manchester und London, die die letzten Jahre von Theresa Mays Führung im Innenministerium und als Premierministerin in Frage stellten. Einer der beeindruckendsten Fakten zu dieser Wahl, insbesondere für diejenigen, die die Politik im vereinigten Königreich die letzten zwei Jahre verfolgten, war die Geschlossenheit der Labour-Partei um Jeremy Corbyn, einem Parteichef, der es nach ständigen Rangkämpfen jetzt geschafft hat, sich als ein guter Wahlkämpfer unter Beweis zu stellen. Auch seine Standpunkte kamen bei den Wähler*innen sehr gut an. Das ist gerade mit dem Vorwissen, …

Die Workshopleiterinnen begrüßten uns mit einem Zitat, das wieder traurige Aktualität hat. (Foto: Louisa Hattendorff)

Mehr Stammtischkämpfer*innen – jetzt!

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Das Bündnis “Aufstehen gegen Rassismus” bildete im Juli Stammtischkämpfer*innen bei der Grünen Jugend Berlin aus. Wir brauchen mehr davon! Ein grauer Dienstagnachmittag in einer Berliner U-Bahn: Viele Leute sind müde, wollen nach Hause, dösen vor sich hin, hören Musik, lesen, unterhalten sich. Als die “Zurückblei’m, bitte!”-Stimme ertönt, steigen zwei ältere Männer ein, die sich lautstark über den Wedding und Neukölln als “Ausländerbezirke” beschweren, in denen zu viele Moschees gebaut werden, und “ohnehin sind doch die muslimischen Männer alle kriminell!”. So weit die Szene. Sie ist fiktiv und Seminarteilnehmende spielen sie als Übungsmaterial auf der Wiese vor dem Büro der Grünen Jugend Berlin (GJB) nach. Die Frage ist: Wie kann ich mit so einer oder einer ähnlichen Situation umgehen – mit Rassismus, Sexismus, rechter Hetze und Stammtischparolen im Alltag? Damit beschäftigten wir uns diesen Sommer in der Landesgeschäftsstelle der Grünen Jugend Berlin, als zwei Teamerinnen des Berliner Bündnisses „Aufstehen gehen Rassismus“ das ganztägige Training mit rund 15 GJB-Mitgliedern durchführten. Ziel des Bündnisses ist, bis zur Bundestagswahl durch ihre Workshops und Seminare 10.000 Stammtischkämpfer*innen ausgebildet zu haben. …

Regionale Auswirkungen von Braunkohle im Rheinischen Revier

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Die Kraftwerke im Rheinischen Braunkohlerevier heizen mit ihren exzessiven CO2 Emissionen den globalen Klimawandel ein. Doch auch die lokalen Folgen von Braunkohleabbau sind verheerend. Im Rheinischen Revier gibt es drei riesige Tagebaue: Hambach, Inden und Garzweiler. Für deren Ausbau sind seit den 1950ern fast 40.000 Menschen umgesiedelt worden. Gewachsene Gemeinschaften wurden dafür auseinandergerissen, komplette historische Dörfer wurden abgerissen. Zwölf weitere Ortschaften sollen noch abgebaggert werden, darunter Immerath mit seinem unter Denkmalschutz stehendem “Dom”. Tagebaue ist gravierender Eingriffe in Kulturlandschaften und Ökosysteme. Fruchtbares Ackerland wird abgegraben, der uralte, artenreiche Hambacher Forst wird abgeholzt. Damit die Tagebaue nicht vollaufen, werden sie „gesümpft“, d.h. das Grundwasser wird bis in eine Tiefe von 500 Metern abgepumpt. Der sinkende Grundwasserspiegel beeinträchtigt die Vegetation bis in die Niederlande hinein.  Nach Beendigung der Tagebaue wird es Jahrhunderte dauern, bis die Wasserreserven sich erholen. Mit der Bewältigung der Folgen des Braunkohlenbergbaus werden die nachfolgenden Generationen noch lange zu tun haben („Ewigkeitskosten“).  Doch RWE Power hat dafür kaum Rücklagen gebildet. Alleine um die durch die Sümpfung betroffene Feuchtgebiete an Schwalm und Nette künstlich zu …

Jugend Rettet e.V.

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Jugend Rettet e.V. wurde von Berliner Jugendlichen im Herbst 2015 aufgrund von Katastrophen im Mittelmeer mit vielen Toten gegründet. Seither wächst die Organisation und die Studierenden betreiben weiter Seenotrettung an den großen Flüchtlingsrouten. Was treibt ihre Mitglieder an? Wie stehen sie zu Europa? Und was erwarten sie von Jugendlichen und den Jugendorganisationen der Parteien? Ein Interview mit Sarah Fischer, der Sprecherin von Jugend Rettet. Wie bist du zu Jugend Rettet gekommen? Zu Jugend Rettet bin ich im Oktober 2015 durch das erste offene Treffen gekommen. Kurz vorher hatte ich mich noch lokal engagiert. Ich hatte mich immer gefragt, wie man noch vorher helfen kann, bei den Migrationsrouten selbst. Jugend Rettet war für mich von Anfang an eine gute Möglichkeit, mit meinen Fähigkeiten direkt zu partizipieren und etwas zu verändern. Wie sieht deine Tätigkeit dort aus? Bei Jugend Rettet bin ich vor allem für die Öffentlichkeitsarbeit und das Fundraising wie z.B. durch Betterplace verantwortlich. Wir arbeiten alle im Team und je nachdem, wie es zeitlich aussieht übernehmen wir verschiedene Aufgaben. Dabei kann es sich sowohl um …

Der Wahlschein

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»Wen hast’n gewählt?«, frage ich beim Essen. Es hatte gerade eine Wahl für irgendwas stattgefunden. »Ich hab nicht gewählt«, sagt das Känguru. »Darfste nicht?«, frage ich. »Ich darf nicht und ich will nicht«, sagt das Känguru. »Du willst nicht?«, frage ich. »Ja. Weil das gar keine Wahl ist«, sagt das Känguru. »Das ist nämlich nur ein Demokratietrugbild, eine Abstimmungsattrappe, eine Volksherrschafts-Fata-Morgana. Kurz gesagt: nur der Schein einer Wahl, oder, um den offiziellen Terminus zu verwenden: ein Wahlschein.« Das Känguru