Alle Artikel in: SPUNK

Regionale Auswirkungen von Braunkohle im Rheinischen Revier

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Die Kraftwerke im Rheinischen Braunkohlerevier heizen mit ihren exzessiven CO2 Emissionen den globalen Klimawandel ein. Doch auch die lokalen Folgen von Braunkohleabbau sind verheerend. Im Rheinischen Revier gibt es drei riesige Tagebaue: Hambach, Inden und Garzweiler. Für deren Ausbau sind seit den 1950ern fast 40.000 Menschen umgesiedelt worden. Gewachsene Gemeinschaften wurden dafür auseinandergerissen, komplette historische Dörfer wurden abgerissen. Zwölf weitere Ortschaften sollen noch abgebaggert werden, darunter Immerath mit seinem unter Denkmalschutz stehendem “Dom”. Tagebaue ist gravierender Eingriffe in Kulturlandschaften und Ökosysteme. Fruchtbares Ackerland wird abgegraben, der uralte, artenreiche Hambacher Forst wird abgeholzt. Damit die Tagebaue nicht vollaufen, werden sie „gesümpft“, d.h. das Grundwasser wird bis in eine Tiefe von 500 Metern abgepumpt. Der sinkende Grundwasserspiegel beeinträchtigt die Vegetation bis in die Niederlande hinein.  Nach Beendigung der Tagebaue wird es Jahrhunderte dauern, bis die Wasserreserven sich erholen. Mit der Bewältigung der Folgen des Braunkohlenbergbaus werden die nachfolgenden Generationen noch lange zu tun haben („Ewigkeitskosten“).  Doch RWE Power hat dafür kaum Rücklagen gebildet. Alleine um die durch die Sümpfung betroffene Feuchtgebiete an Schwalm und Nette künstlich zu …

Jugend Rettet e.V.

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Jugend Rettet e.V. wurde von Berliner Jugendlichen im Herbst 2015 aufgrund von Katastrophen im Mittelmeer mit vielen Toten gegründet. Seither wächst die Organisation und die Studierenden betreiben weiter Seenotrettung an den großen Flüchtlingsrouten. Was treibt ihre Mitglieder an? Wie stehen sie zu Europa? Und was erwarten sie von Jugendlichen und den Jugendorganisationen der Parteien? Ein Interview mit Sarah Fischer, der Sprecherin von Jugend Rettet. Wie bist du zu Jugend Rettet gekommen? Zu Jugend Rettet bin ich im Oktober 2015 durch das erste offene Treffen gekommen. Kurz vorher hatte ich mich noch lokal engagiert. Ich hatte mich immer gefragt, wie man noch vorher helfen kann, bei den Migrationsrouten selbst. Jugend Rettet war für mich von Anfang an eine gute Möglichkeit, mit meinen Fähigkeiten direkt zu partizipieren und etwas zu verändern. Wie sieht deine Tätigkeit dort aus? Bei Jugend Rettet bin ich vor allem für die Öffentlichkeitsarbeit und das Fundraising wie z.B. durch Betterplace verantwortlich. Wir arbeiten alle im Team und je nachdem, wie es zeitlich aussieht übernehmen wir verschiedene Aufgaben. Dabei kann es sich sowohl um …

Der Wahlschein

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»Wen hast’n gewählt?«, frage ich beim Essen. Es hatte gerade eine Wahl für irgendwas stattgefunden. »Ich hab nicht gewählt«, sagt das Känguru. »Darfste nicht?«, frage ich. »Ich darf nicht und ich will nicht«, sagt das Känguru. »Du willst nicht?«, frage ich. »Ja. Weil das gar keine Wahl ist«, sagt das Känguru. »Das ist nämlich nur ein Demokratietrugbild, eine Abstimmungsattrappe, eine Volksherrschafts-Fata-Morgana. Kurz gesagt: nur der Schein einer Wahl, oder, um den offiziellen Terminus zu verwenden: ein Wahlschein.« Das Känguru

Salongespräch auf der Leipziger Buchmesse: Wer ist das "das Volk"? (Foto: Vanessa Kleinwächter)

Von knappen Mehrheiten und “Nestbeschmutzern” – wer ist eigentlich dieses “Volk”?

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“Café Europa” nennen wir den Raum, in dem ich mich befinde. “E-U-R-O-P-A, wir müssen reden!”, hieß es in der Eröffnung, und genau darum geht es hier. Gemeinsam mit der Bosch-Stiftung hat die Leipziger Buchmesse 2017 den Programmschwerpunkt “Europa21” gesetzt. Das Ziel: Raum schaffen für Gespräch und Reflexion über die Zeiten, in denen wir leben. Auf der Bühne sitzt Katja Riemann. Für mich wird sie wohl immer ein wenig die Neustädter Hexe Barbara Blocksberg bleiben, die ihre Tochter Bibi karierte Hemden tragen und ganz selbstverständlich mit einem Jungen befreundet sein ließ, ohne ein einziges Mal einen anzüglichen Kommentar zu machen – doch ich bin nicht hier, um ein Autogramm zu erhaschen. Vielmehr ist es für mich, wie Tweets der Autorin Joanne K. Rowling rund um das Brexit-Referendum zu lesen: Die Gefahr ist deutlich realer als in meiner Kindheit und nicht nach neunzig Minuten abgewendet, während ich nur im Kino zu sitzen und zuzuschauen brauche. Bibi und ihre Hexenschwestern haben über Rabia von Katzenstein triumphiert, Harry Potter und seine Freund*innen haben Lord Voldemort besiegt – und jetzt …

CarlottaSilvestrini: Barbed Wire, Rust, Rusty, Wire, Bound, Twisted, Sadness
barbed-wire-1269430_1920 (cc0 by pixabay, CarlottaSilvestrini)

Terrorismus – Fünf ungreifbare Ebenen?

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Terrorismus ist eine komplexe internationale Herausforderung – und muss auf vielen Ebenen analysiert und adressiert werden. Definition(en), Psychologie, Recht, Geschichte und Politik sind dabei fünf Themen, die sich die GJ bei einem Wochenendseminar in Köln im September näher angeschaut hat: Ein Bericht. Etwa ein Dutzend GJ-Mitglieder nahmen an dem Seminar des Fachforums Europa und Globales in Köln teil. Sie beschäftigten sich dabei mit fünf zentralen Fragen: Was ist Terrorismus? Wie entsteht er und welche Gründe gibt es für seine Existenz? Wie ist er rechtlich einzuordnen? Wie ist er geschichtlich einzuordnen? Und wie wird, kann und sollte politisch mit ihm umgegangen werden? Im Folgenden werden diese fünf Ebenen, die beim Seminar diskutiert wurden, reflektiert. Was ist eigentlich „Terrorismus“? Es gibt nicht „die eine“ Definition von Terrorismus. Dennoch gibt es gesammelte Merkmale. Walter Laqueur hebt in seinem 2003 erschienenen Buch „Krieg dem Westen. Terrorismus im 21. Jahrhundert“ hervor, dass es eine „Vielzahl von Terrorismen“ gibt, weshalb eine einheitliche Definition nicht möglich ist. Die Bundeszentrale für politische Bildung erwähnt in ihrem 2007 erschienenen Artikel zur Definition von Terrorismus den …

10 Dinge, die dir auf einer Spunk Klausur passieren

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10 Dinge die dir auf einer Spunk Klausur passieren Vom 09. bis zum 11. Dezember fand in Berlin unsere SPUNK-Redaktionsklausur statt. Wir haben unsere Pläne für das Jahr 2017 gemacht, sowie uns Ziele und Projekte für den Wahlkampf gesetzt. Was uns sonst noch alles begegnet ist an diesem Wochenende könnt ihr in den nächsten 10 Punkten sehen 1. Du isst viel zu viel, besonders Mandel-Spinat-Bällchen via GIPHY 2. Du steigst am Hauptbahnhof in Berlin aus und läufst in andere GRÜNE JUGEND Menschen – diese Stadt ist echt ein Dorf! via GIPHY 3. Du verspätest dich um 1 ½ Stunden, weil der Bus der BVG mal wieder nicht fährt via GIPHY 4. Dir begegnen in Berlin mehr Wildtiere als in deinem Kaff zu Hause via GIPHY 5. Die BGS hat dir zwar einen Raum reserviert, aber die Alt-Grünen tagen trotzdem darin via GIPHY 6. Du schreibst einen Artikel zu Gehirn-Trash und Einhörnern via GIPHY 7. Du gehst für Nudeln mit Tomatensauce einkaufen und merkst dann beim kochen, das du die Nudeln vergessen hast via GIPHY 8. …

Non-binary – Von Toiletten, Händeschütteln und Schuhgrößen

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Ich bin geschlechtslos – und gehörte damit zu den Menschen mit einem nicht-binären Geschlecht. Und genau darum geht es hier. Mein Erstkontakt zu nicht-binär, non-binary, NB oder auch Enby war etwas holprig. Das liegt daran, dass ich, wenn ich nicht gerade Texte über mich schreibe, Informatik studiere. In der Informatik wird meistens nur mit 0 und 1 gezählt. Das ist praktisch, weil sich Bauteile, die verschieden reagieren, je nach dem ob Strom (1) kommt, oder nicht (0) verwenden lassen. So bin ich es gewohnt, dass alles binär dargestellt werden kann. Binärität ist in der Informatik keine Einschränkung. Im queeren Kontext ist Binärität genau das Gegenteil: ein System, das nur zwei Zustände erlaubt: 0 und 1, A und B, Frau oder Mann. Hier ist das Gegenteil dann Nicht-Binär. Holprige Angelegenheit wie gesagt: In der einen Hälfte meines Lebens ist alles Binär, in der anderen fällt gewaltig viel unter den Bus, wenn alles Binär sein soll. Für den Rest dieses Textes verabschiede ich mich also von der Informatik und verstehe Binärität als System, das immer nur eine …