Alle Artikel in: Wirtschaft

VNX2QDGS0J - von Ibrahim Boran - CC0

Damit die nächsten Panama Papers ans Licht kommen: Ein Whistleblowerschutz für ganz Europa!

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Keine Demokratie ist perfekt. Es wäre die falsche Lehre aus den Panama Papers, dass man unethisches Verhalten komplett verhindern könnte. Der Wert unserer Demokratie misst sich vielmehr daran, wie wir mit den Menschen umgehen, die unangenehme Wahrheiten aussprechen, die Skandale ans Licht bringen, damit wir Fehler im System korrigieren können. Deshalb hat die Fraktion der Grünen/EFA im Europaparlament eine Richtlinie zum Schutz von Whistleblower*innen vorgelegt. So richtig überrascht war niemand, als ein internationales Bündnis investigativer Journalist*innen die Panama Papers ans Licht brachte: Steuervermeidung und Briefkastenfirmen sind kein neues Phänomen und der Skandal um die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca zeigt nur die Spitze des Eisbergs – wer weiß, wie viele andere Firmen mit identischem Geschäftsmodell Milliardenschäden für die öffentliche Hand produzieren. Dennoch sind Enthüllungen wie die Panama Papers ein enorm wichtiges öffentliches Korrektiv. Sie erzeugen Druck für politische Reformen, um Steuervermeidung endlich wirkungsvoll zu bekämpfen. Das haben bereits die LuxLeaks vor einigen Jahren bewiesen, die dazu beigetragen haben, dass die Steuererleichterungen für Firmen wie Starbucks von der Europäischen Kommission als illegale Staatsbeihilfen eingestuft wurden. Starbucks allein musste …

Weltwärts – Kritischer Blick auf ein Projekt

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Wir wollen doch nur helfen. Das war auch Aussage vieler Mitfreiwilliger auf meinem Seminar, bevor ich für ein Jahr nach Tansania ging. Doch können „weltwärts“ Freiwillige „helfen“? Oder stehen sie meist bloß sinnlos im Weg herum, um danach ihren Lebenslauf aufzuhübschen? Doch was ist überhaupt dieses „weltwärts“? Das Programm wurde 2007 vom Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ins Leben gerufen, um jungen Deutschen die Möglichkeit zu geben, einen 6-24 monatigen, sogenannten „entwicklungspolitischen Freiwilligendienst“ zu leisten. Seither reisen jährlich 3500 junge Deutsche, 97% davon Abiturient*innen, in Länder des Globalen Südens. Auch in der Ukraine oder Belarus kann man einen solchen Dienst leisten, die beliebtesten Länder sind jedoch Brasilien, Peru, Indien, Südafrika und Tansania. Geplant sind 10 000 Freiwilligenplätze jährlich, für die momentan 70 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung gestellt werden. Die deutschen Entsendeorganisationen, welche monatlich 580€ vom BMZ pro Freiwilligem bekommen, arbeiten mit lokalen Organisationen in den Partnerländern zusammen. Kost, Logis, der Flug, die Versicherung sowie ein Taschengeld von 100€ monatlich wird den Freiwilligen aus Steuermitteln finanziert. Diese werden gebeten, einen Spenderkreis für ihren …

Neokolonialismus – Was habe ich eigentlich damit zu tun?

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Neokolonialismus, Neoliberalismus – was bedeutet das eigentlich? Und können wir uns davon abgrenzen? Nehmen wir teil, sind wir gar mitverantwortlich für die schlechten Lebensverhältnisse in den so genannten Entwicklungsländern? Und falls ja, was können wir eigentlich gegen Ausbeutung und Armut unternehmen? Neokolonialismus und Neoliberalismus – eine Begriffsannäherung Mit Neokolonialismus bezeichnet man die Ausbeutung bzw. die moderne Kolonialisierung vor allem von so genannten Entwicklungsländern. Dabei wird sich moderner Instrumente wie z.B. der Finanzwirtschaft oder rechtlicher Regelungen bedient. Die (globale) Wirtschaftsordnung, die diesen Neokolonialismus erst ermöglicht, wird grob als Neoliberalismus bezeichnet. Beide Begriffe sind eher schwammig – was eine Person damit genau bezeichnet, ist oft sehr unterschiedlich, deshalb sind sie oft nicht sachdienlich. Wichtig ist die erste Erkenntnis: Entwicklungsländer profitieren nicht von der Globalisierung: Weder von der wirtschaftlichen, noch von der ideologischen oder kulturellen. Die Ausgaben für Entwicklungshilfen sind nur ein Bruchteil verglichen mit dem Kapital, das wir aus den ärmsten Ländern der Welt ziehen und ihre Kulturen gehen oft im Hype der Westlichen unter. Kostenvorteile oder Merkantilismus Man hört oft in ökonomischen Debatten: „Jedes Land produziert, …