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Das Fest der Rechten

Menschen auf der Gegendemo gegen den Akademikerball mit Banner
Gegenproteste im Jahr 2015 © by Erik Marquardt

Heute findet der Wiener Akademikerball statt. Was es mit diesem auf sich hat und warum wir uns ihm entgegenstellen müssen:

Eine nicht ganz so harmlose Tanzveranstaltung

Lange Roben und rechte Überzeugungen – heute findet zum wiederholten Male der Wiener-Akademikerball in der Wiener Hofburg statt. Was zunächst einmal lediglich wie eine etwas rückwärtsgerichtete und unzeitgemäße Spaßveranstaltung klingen mag, ist in Wirklichkeit eine Zelebrierung des rechten Gedankenguts. Der Ball findet bereits seit 1952 in Wien statt, damals jedoch noch unter dem Titel ‚Ball des Wienerkorporationsrings‘ (kurz: WKR-Ball statt). Dieser Korporationsring ist ein Zusammenschluss von farbentragenden und zum größten Teil schlagenden Studentenverbindungen. Aufgrund der lauten öffentlichen Proteste gegen den Ball und das wachsende Bewusstsein für die menschenverachtenden Ideologien, die in diesen Verbindungen gepflegt werden, entschied sich die Betreibergesellschaft der Wiener Hofburg 2012 dazu, diese nicht mehr weiter an den Burschenschaftsverband zu vermieten. Diese wussten sich jedoch schnell zu helfen und nutzten ihre ausgeprägten Kontakte in den österreichischen Politikbetrieb. Deshalb übernahm ab 2013 der Wiener Landesverband der FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs) die Schirmherrschaft über die Veranstaltung, die seitdem unter dem Namen ‚Akademikerball‘ bekannt ist. Durch das Mitwirken der FPÖ ist es auch heute wieder möglich, dass sich Burschenschaftler und rechte Politiker*innen aus ganz Europa in der Hofburg, in der sich auch die Bundespräsidentschaftskanzlei Österreichs befindet, treffen und vernetzen können.

Das Duo infernale des rechten Gedankenguts

Das Eintreten der FPÖ für die Burschenschaftsveranstaltung ist dabei nur wenig überraschend. Die Führungsriege der rechtsnationalen Partei rekrutiert sich zu einem großen Teil aus Burschenschaften und aus ideologischer Sicht ergänzen diese Zusammenschlüsse sich perfekt. So sind Sexismus, Antisemitismus, Rassismus und Elitismus feste Bestandteile ihres Weltbildes. Auch wenn sich das über das gesamte Verbindungswesen, sowohl in Österreich als auch in Deutschland sagen lässt, treten die österreichischen Burschenschaften teilweise so offen ihre menschenverachtenden Überzeugungen vor sich her, dass andere Verbindungen, in denen sich selbst genug Rassisten und Sexisten tummeln, sich zu einer Distanzierung genötigt fühlen. Das war um Beispiel der Fall, als österreichische Burschenschaften im Dachverband der Deutschen Burschenschaften darauf drängten, dass Verbindungen die deutsche Herkunft ihrer Mitglieder nachweisen müssten. Der Begriff „Ariernachweis“ wurde hier zwar vermieden, beschreibt jedoch ganz gut die Idealvorstellungen eines Verbandes derer Burschenschaften, von denen der Wiener Akademikerball getragen wird. Versuche sich der Öffentlichkeit als gemäßigt zu präsentieren fallen dementsprechend auch eher leidenschaftslos aus. Eine Absage einer Organisation an den Antisemitismus, ist zum Beispiel nicht gerade ernst zu nehmen, wenn diese sich gleichzeitig den berühmten Holocaustleugner David Hirsch zu Vorträgen einlädt. Die FPÖ steht den Burschenschaften hierbei in Sachen Diskriminierung und Deutschtümelei in nichts nach. So ist ihr derzeitiger Parteiobmann Heinz-Christian Strache vor allem für seine widerliche Hetze und diskriminierenden Eskapaden bekannt, wobei das Objekt seines Hasses zwischen Geflüchteten, dem Gender-Wahn und der „westlichen Presse“ schwankt. Die FPÖ ist in gewisser Weise das Schreckensbild dafür, was die AfD in zehn Jahren sein könnte. Ihre besorgniserregend hohen Wahlergebnisse sprechen Bände über das Zunehmen des Rechtspopulismus in Europa. Der Kampf gegen die da oben, das politische Establishment, den bösen Westen und die Lügenpresse gehört in Österreich gerade durch die FPÖ zur politischen Normalität. Und genau diese Partei bekommt durch den Wiener Akademikerball die Möglichkeit, ihr menschenverachtendes Weltbild zu zelebrieren. Das wird durch einen Blick auf die Gästelisten der letzten Jahren verdeutlicht: die wohl bekannteste Besucherin war die französische rechte Politikerin Marine Le Pen.

„Nie wieder“ in die Tat umsetzen

Aus all diesen Gründen gilt es, gegen den Wiener Akademikerball auf die Straße zu gehen. Auch dieses Jahr beteiligt die GRÜNE JUGEND sich wieder an den Protesten gegen die rechte Tanzveranstaltung. Es gibt mehrere Bündnisse und Gruppierungen, die verschiedene Demonstrationen, Kundgebungen und Blockaden organisieren, um symbolisch und praktisch ein Zeichen zu setzen gegen Diskriminierung, rechte Ideologie und den Rechtsruck in Österreich, aber auch in vielen anderen Ländern in Europa. Bemerkenswert ist die öffentliche Debatte zum Akademikerball. Man würde denken, dass ein großer Teil der Öffentlichkeit empört ist darüber, dass den Rechten durch den Akademikerball die Möglichkeit geboten wird, in der Hofburg ihr Tanzbein zu schwingen. Doch das scheint für viele nur eine Lappalie zu sein im Vergleich mit den höchst gefährlichen linksradikalen Demo-Tourist*innen. Statt über den immer stärker werdenden Rechtspopulismus in Österreich sind die meisten größeren Medien in Wien vor allem über angezündete Mülleimer besorgt. Auch wenn der Ball von Vielen nicht unbedingt begrüßt wird, so wird er doch toleriert. Viel schlimmer als der Ball bleibt für sie auf jeden Fall das antirassistische Engagement. Diese Einstellung zeigt sich auch in dem extrem gewaltvollen Umgang der Polizei und der Justiz mit den Demonstrant*innen, die 2014 in dem Gerichtsverfahren gegen Josef S. ihren Höhepunkt fand. Auch gegen diese Polizeigewalt und gegen die Ignoranz in der Mehrheitsgesellschaft gehen wir heute auf die Straße. Der Wiener Akademikerball ist ein Sinnbild dafür, wie sehr rechte Ideologien in unserer Gesellschaft akzeptiert und salonfähig gemacht werden. Zwei Tage nach dem Gedenktag für die Opfer des Holocausts gilt es deshalb, den Spruch „Nie wieder“ in die Tat umzusetzen. Keinen Platz für rechte und menschenverachtende Ideologien und faschistoides Gedankengut, nicht in Wien und auch nirgends sonst.

Ricarda Lang lebt in Berlin und studiert Jura. Ihre politischen Schwerpunkte liegen im bildungs- und hochschulpolitischen Bereich.

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