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"Das war kein Unfall, das war Mord"

Gestern, am Sonntag 07.09.14, versammelten sich im Istanbuler Viertel Mecidiyeköy hunderte Protestierende, um gegen die Sicherheitsvorkehrungen auf Baustellen in der Türkei und die daraus resultierenden lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen im Bausektor zu demonstrieren.

Auslöser für diesen Protest war ein Arbeitsunfall im gleichen Viertel, wo am Abend zuvor 10 Bauarbeiter in einem Fahrstuhl 32 Stockwerke in die Tiefe stürzten.

Dieses Ereignis führt uns auf dramatische Weise vor Augen, in welche Richtung sich der Bausektor sowohl in Istanbul als auch der gesamten Türkei entwickelt, wie wir schon auf unserer politischen und gentrifizierungskritischen Stadtführung am Dienstag mit Julia gehört haben:

Der Wunsch der Regierung, Istanbul zu einer Megacity werden zu lassen, hat das zunehmende Verschwinden der Industrie und das Wachsen des Dienstleistungssektors zur Folge, weswegen die Bauindustrie zum ertragreichsten Wirtschaftszweig in Istanbul geworden ist.

Für diesen wirtschaftlichen Erfolg nehmen die Verantwortlichen unzumutbare und lebensgefährliche Umstände auf Baustellen in Kauf. Statistisch gesehen sterben in Istanbul jeden Tag zwei Menschen im Bausektor, wie uns Julia bei der gleichen Stadtführung erzählte.

Daher sind sich die Protestierenden einig: „Das war kein Unfall, das war Mord“

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