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Die GJ-Nürnberg: Fürs Semesterticket und gegen den Kapitalismus

 

Es ist ein grauer Tag in einer grauen Straße. Zwischen einem leeren Gebäude, in dem mal Kaufhof war, und einem noch benutzten, das aber genauso gut leer sein könnte, treffen sich etwa zehn junge Menschen und verteilen Flyer. „8,60€ für ‘ne Prüfung?“ steht auf einem, „988€ fürs Abitur?“ auf dem anderen. Die jungen Menschen kommen von der GRÜNEN JUGEND Nürnberg-Fürth. Seit letztem Herbst sieht man sie mal hier und mal dort, ausgestattet mit diesen Flyern – und mit Unterschriftenlisten. Ein Semesterticket und kostenlosen Nahverkehr für Schüler_innen fordern sie, haben eine eigene Petition gestartet, die noch bis Anfang Juni läuft.

Die Region Nürnberg-Erlangen-Fürth ist deutschlandweit der einzige Hochschulort neben der Fernuni Hagen, an dem es kein Semesterticket gibt; gut 250€ bezahlen Studierende hier im Semester – für ein Ticket, das nur in der Vorlesungszeit gilt. Der Weg zu einer Prüfung kostet extra: 8,60€, wenn man nach Erlangen muss.

Die Aktion kommt gut an. Hier ist beinahe jede_r genervt von den hohen Ticketpreisen, mancher älteren Person geht die Forderung der GRÜNEN JUGEND gar nicht weit genug: Sie wollen günstigeren Nahverkehr für alle. Auch Maggie, die hier Flyer verteilt, sieht die Aktion als einen „ersten Schritt in die richtige Richtung“, sie will überhaupt nicht für den ÖPNV bezahlen. Seit zwei Jahren ist sie Grünen-Mitglied, aber erst seit ein paar Monaten aktiv dabei. Sie findet es „einfach wichtig, was zu verändern“ – und sie kann sich vorstellen, das noch länger bei der GRÜNEN JUGEND zu tun. Auch Andreas ist „eigentlich immer“ am Start, wenn die GRÜNE JUGEND auf die Straße geht, aber noch lieber bei den Treffen, wenn man richtig ins Diskutieren kommt. Im letzten Frühsommer ist er dazugekommen, wurde angesprochen bei der Same-Sex-Wedding-Aktion zum Internationalen Tag gegen Homophobie – Aktionismus ist Mitgliederwerbung. A propos: Kurz vor Weihnachten veranstaltete die GJ eine Aktion unter dem Motto „Weihnachten ist der Orgasmus des Kapitalismus“ – und bekam Unterstützung von der GRÜNEN JUGEND in Würzburg. Franken-Vernetzung heißt das jetzt, wenn gemeinsame Klausuren oder eben Wahlkampfaustausch stattfinden. Auch heute ist Maike aus Würzburg dabei und verteilt Flyer. „Flyer verteilen ist nicht so mein Ding“, sagt mir Ariane, „ich erstelle sie lieber“. Sie hat die Postkarten gestaltet, die hier für bezahlbare Tickets werben sollen. Ein ziemlicher Aufwand, der sich lohnt.

Aber wirken die überhaupt? „Ja, wir haben sogar schon eine Antwort von Oberbürgermeister Maly bekommen“, erklärt mir Jonas, der hier Sprecher ist. „Wenn das Semester nicht eingeführt wird, ist es nicht seine Schuld, und wenn doch, dann ist es sein Verdienst…“, sei seine Aussage im Wesentlichen. Nach 12 Jahren Rot-Schwarz wundert ihn gar nichts mehr, sagt Jakob. er ist seit der letzten Bundestagswahl dabei. Ihn hat der Umgang der Bundesregierung mit der NSA-Affaire gestört und ist zu den Grünen gekommen, weil die seiner Meinung nach „nicht so für totale Überwachung stehen“. Bei der Kommunalwahl kandidiert er nun selbst – auf Platz 38 der Liste für den Stadtrat. In der Bundestagswahl dazu gekommen ist auch Johannes, aber 2009. Der Wahl-O-Mat hat ihm damals die Grünen ausgespuckt, nach einigen Besuchen im „altgrünen“ Kreisverband hat er die GRÜNE JUGEND kennengelernt. Heute ist er Geschäftsführer, organisiert die Vorstandsarbeit. Er möchte gerne einen Städteaustausch mit FYEG, dem europäischen Dachverband, organisieren, und die Europawahlkampf-Bustour nach Nürnberg holen – um die Arbeit ein bisschen internationaler zu machen.

Die Petition „Gesamtraum Semesterticket im VGN jetzt – SchülerInnen nicht vergessen!“ der GRÜNEN JUGEND Nürnberg-Fürth könnt ihr übrigens hier unterstützen!

Felix war Sprecher der GRÜNEN JUGEND. Seine politischen Schwerpunkte liegen in der Migrations-, Innen- und Sozialpolitik.

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