Demokratie, Europa, SPUNK
Schreibe einen Kommentar

Die Green Wave reicht bis nach Madrid

Hast du dich jemals gefragt, wie viele junggrüne europäische Aktivist*innen es gibt? Nach aktuellen Schätzungen der Federation of Young European Greens (FYEG) sind es 50.000! Um diese Menschen zusammenzubringen und gemeinsam auf den vor der Tür stehenden Europawahlkampf vorzubereiten veranstaltete FYEG am letzten Märzwochenende ein Kampagnen Kick-off in Madrid.

Insgesamt 80 Aktivist*innen aus Serbien, Frankreich, Tschechien, Deutschland, Griechenland, der Türkei, und vielen weiteren Ländern reisten somit über 24 Stunden lang in einem gemeinsam gecharterten Bus bis nach Madrid, um die Reise mit möglichst geringen Emissionen zu gestalten.

Schon im Bus erwartete uns eine bewegende Begrüßungsrede von Zuzana, der Co-Sprecherin von FYEG. Ihre Botschaft an uns: Seid mutig, nur so können wir Europa gemeinsam grüner machen. Oder kurz und knackig: Be brave – green Europe!

Mina, eine LGTBQ+-Aktivistin aus Malta, die für das Europaparlament kandidiert und auch Teil des FYEG-Kampagnenteams ist, stellte uns die Inhalte für den bevorstehenden Wahlkampf vor. Dabei wollen wir vor allem eine positive, an Werten orientierte Kampagne führen, bei dem wir als Junggrüne die Debatte eigenständig lenken. Wir bauen uns, mit großen Visionen, ein soziales, nachhaltiges und offenes Europa.

Nicht nur Inhalte und Wahlkampfstrategie sollten an diesem Wochenende vermittelt werden. Wir nahmen das Auftaktevent als Anlass, einen Banner-Drop mit dem Kampagnenslogan „Be Brave – Green Europe“ auf einer zentralen Brücke in Madrid zu performen. Die Ortswahl war dabei besonders: Wir hängten das Banner über einen Fluss, der vor wenigen Jahren auf die Initiative der grünen Stadträtin Inés Sabanés renaturiert wurde. Der Fluss, welcher ursprünglich unter einer Autobahn lief, wurde umgeleitet, offengelegt, und konnte sich seitdem regenerieren. Nun findet man rund um die Ufer des Manzanara-Flusses eine Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten, die auf ganz natürliche Weise in das Stadtzentrum zurückgekehrt sind.

Highlight des Wochenendes war der offizielle Kampagnenauftakt am Samstagabend, der von Aktivist*innen vor Ort und rund 1500 Menschen in ganz Europa über den Live-Stream mitverfolgt wurde. Dabei stellten sich auch die jungen Kandidat*innen vor, welche es in verschiedenen Mitgliedsstaaten der EU auf die Listen geschafft haben und ab Juli hoffentlich junggrüne Stimmen im Europaparlament vertreten werden.

Die Forderungen der Kandidat*innen sind vielfältig. Mathilde Tessier aus Frankreich bekräftigt die Forderung, dass Abtreibung ein fundamentales Menschenrecht ist und europaweit für Frauen* zugänglich sein muss. Gregory Császár aus Ungarn fordert ein sozial inklusiveres Europa, dass all seinen Bürger*innen zuhört. Kim van Sparrentak, niederländische Kandidatin, spricht eine Lobeshymne an die Fridays for Future – Bewegung aus und fordert den sofortigen Kohleausstieg. Michael Bloss, deutscher Kandidat, beschreibt die humanitäre Katastrophe im Mittelmeer als die bisher größte Schande der EU und fordert eine humane und offene Flüchtlingspolitik. Die Ansprachen all dieser veränderungsdurstigen Kandidat*innen machen Mut und zeigen uns: Wir als verschiedene junggrüne Verbände sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Wir erkennen die sofortige Handlungsnotwendigkeit in der Klimakrise und wir setzen uns für ein offenes und soziales Europa ein.

Auch Grassroots-Bewegungen wurden zum Kampagnenauftakt eingeladen. In einer Fishbowl-Diskussion diskutierten Aktivist*innen aus Tschechien und Spanien, die an vorderster Stelle der Klima- und Anti-Diskriminierungs-Bewegungen stehen. Bei der Debatte kristallisierte sich schnell heraus, dass wir Klimaschutz, Antirassismus und Feminismus nicht separat denken können. Nur gemeinsam und in vereinter Form können wir gleichzeitig Fortschritt erreichen. Unser Protest und politischer Aktivismus muss intersektional sein.

Madrid als Veranstaltungsort zeigte sich uns während dem Kampagnen Kick-off vielseitig. Alberto von den jungen spanischen Grünen erklärte, dass die Grüne Welle in Spanien vor allem nach der Finanzkrise Wind aufnahm. Viele junge Menschen fingen an ihre finanziell prekäre Situation und die hohe Jugendarbeitslosigkeit im Kontext des künstlich vorgetäuschten Wirtschaftswachstums zu sehen, das schlussendlich zur Krise führte. Dabei ist für Alberto klar, dass die grüne Bewegung die einzige ist, die ein alternatives Wirtschaftskonzept vorlegt, dass die jetzige Ausbeutungssituation – von Individuen und von unserer Umwelt – entgegentritt.

Die wichtigste Botschaft des Kampagnenauftakts von FYEG für uns alle:

Europawahl ist Klimawahl.

Europawahl ist Menschlichkeitswahl.

Und es ist unsere Aufgabe, Europa jetzt grün zu gestalten!

 

 

Clara Kiesbye ist Schülerin und lebt in Braunschweig. Ihre politischen Schwerpunkte liegen im antirassistischen und feministischen Bereich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.