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DiscoverEU – Freifahrten für Privilegierte als plumpe Werbeaktion

Diesem Beitrag, der eigentlich als Gegenüberstellung von Pro und Contra geplant war, fehlt nun der Pro Beitrag. Wir veröffentlichen die Contra Meinung trotzdem. In der Hoffnung, dass sich noch jemand findet, der*die sich berufen fühlt den ergänzenden Pro Beitrag zu schreiben. Wir freuen uns auf alle Meinungen und Einsendungen!

Europa für Jugendliche erfahrbar machen, kulturellen Austausch fördern und nebenbei etwas Werbung für die EU treiben – das sind die Ziele der kostenlosen Interrail-Tickets für Jugendliche. Sicher eine nette Idee und in Zeiten von nationalistischer Rückbesinnung auf „mein Land zuerst“- Mentalität sicher kein unwichtiges Anliegen.

Die Annahme, dass Herumreisen kulturellem Austausch entspricht und ein besseres Verständnis für die Gemeinsamkeiten und die unterschiedlichen Perspektiven europäischer Jugendlicher erzeugen kann, wirkt auf mich jedoch sehr naiv. Und wer wird die Tickets überhaupt erhalten? Schließlich müssen die Bewerber*innen nicht nur das Programm kennen, einen tagesgenauen Reiseplan ausarbeiten und sich in einem Wissensquiz durchsetzen, sie müssen auch die Unterkunfts – und Verpflegungskosten und den Eintritt in Museen und ähnliches aus eigener Tasche bestreiten. Es ist also davon auszugehen, dass von dem Programm vor allem die wohlhabenden, gut gebildeten Jugendlichen profitieren, denen es auch bisher nicht an Möglichkeiten mangelte, Europa zu erkunden.

Sinnvoller wäre da vielleicht die Unterstützung transnationaler Jugendcamps, wo Jugendliche gemeinsam etwas Sinnvolles tun – und sich ganz nebenbei wirklich kennenlernen können. Oder man investiert die bis 2027 in den EU Haushalt für das DiscoverEU-Programm eingeplanten 700 Millionen Euro in Programme gegen Jugendarbeitslosigkeit oder Wohnraummangel, die Europas Jugend wirklich betreffen.

Genau betrachtet erscheint es mir jedoch vor allem reichlich zynisch, Urlaubsreisen für privilegierte europäische Jugendliche innerhalb der Grenzen Europas zu finanzieren, während an eben jenen Grenzen Menschen auf der Suche nach einem Leben in Sicherheit umkommen, weil es für sie keine Fluchtwege gibt. Anstatt teurer Werbeaktionen für die EU wünsche ich mir deshalb, dass wir daran arbeiten, allen eine gute und lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.

Dann braucht es auch keine Werbung mehr.

Paul Imgart

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