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"Do They Know It’s Christmas?"

Schon wieder ein Jahr rum. Überall glitzert, leuchtet, blinkt und duftet es. Kein Wunder, dass da bei vielen „christliche“ Gefühle der Nächstenliebe aufkommen, da darf die obligatorsche vorweihnachtliche Spende – am besten „für Afrika“ – natürlich nicht fehlen.

Band Aid ist ein Projekt, das 1984 unter anderem von Bob Geldof gestartet wurde und verschiedene Promis mit ins Boot holte, um musikalisch irgendwas „für Afrika“ zu tun. Zum 30. Jubiläum des 1984 veröffentlichen Songs „Do they know it’s Christmas?“ wurde dieses Jahr ein neuer Song im Rhamen von Band Aid veröffentlicht, und zwar gegen Ebola. Erstmals gab es dieses Jahr neben der englischsprachigen auch eine deutsche Version von Band Aid 30, welches vom Sänger und Songwriter der Toten Hosen Campino mitproduziert wurde. Beide Songs dienen als Beispiel dafür, wie Charity eben nicht laufen sollte. Vermutlich hätte das Lied von Band Aid 30 Deutschland ohne die scharfe Kritik auch deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen. Bei der Suche im Netz weht einem als erstes der riesige Shitstorm entgegen und Campinos Ausraster darüber im Radio ist fast bekannter als das Lied selbst. Zu Recht? Meiner Meinung nach ja. Es gibt kaum ein so schlecht aufgezogenes Charity-Projekt, das trotzdem noch unglaublich viel Öffentlichkeit bekommt, eben weil Promis beteiligt sind. Das ist traurig. Die eigene Öffentlichkeit zu nutzen, um für einen guten Zweck zu werben, ist zwar an sich erst mal gut; aber dann doch bitte nicht für die eigene Publicity.

Allein der Song-Titel ist schon völlig ungeeignet: „Do they know it’s Christmas?“ Maybe. Aber das Wissen über die eigenen religiösen Feiertage als so elementar wichtig zu erachten, dass die ganze Welt davon wissen muss, ist schon ziemlich arrogant. Und wo war noch mal der thematische Bezug?

Ganz schrecklich wird es aber schon vor Einsetzen der Musik in der Anfangsszene, die auf Youtube glücklicherweise meist rausgeschnitten ist. Dort ist eine an Ebola Verstorbene zu sehen, um das Publikum zu schockieren. Die Würde des Menschen ist unantastbar? Gilt wohl doch nicht für alle… Der an dem Projekt beteiligte Sänger Patrice hat sich mittlerweile auch schon öffentlich über die Szene beschwert; ihm wurde wohl zugesagt, die Szene würde gestrichen. Für ihn stellt die Szene eine Instrumentalisierung und Missachtung der Würde eines an Ebola erkrankten Menschen dar: „Charity Porn“. Er selbst hatte an dem Projekt mitgewirkt und bereut es nun. Zumindest passt die Szene ins Gesamtbild. Das komplette Projekt trieft vor Stereotype und Vorurteilen und zeichnet ein unglaublich einseitiges Bild von Afrika, in der sich um die Idividuen und eine korrekte Darstellung nicht geschert wird. Denn nicht der Kontinent Afrika ist an Ebola erkrankt, sondern einige Menschen in gerade mal drei (von 54) Ländern sind es, während weitere zwei den Virus bereits alleine besiegt haben. Trotzdem wird Afrika als ein großer, einheitlicher Brei verkauft, der nur auf unsere Hilfe gewartet hat.

Band Aid ist aber nur eine von vielen Charity-Projekten, die sich an Afrika richten, als sei es ein Land. Radi-Aid parodiert dieses Afrikabild und stellt bei einem inszenierten Volunteer-Test die Frage nach der Anzahl der Länder Afrikas. Die richtige Antwort ist natürlich „Eins“. Radi-Aid will in ihren Videos auf ein großes Problem von Charity hinweisen und dreht die Verhältnisse mit „Africa for Norway“ einfach mal um. Dort werben Menschen aus Afrika dafür, den armen, frierenden Menschen in Norwegen doch bitte Heizungen zukommen zu lassen.

Aber genauso wenig wie die Spendenaufrufe, die sich stereotyper Afrika-Bilder und Vorurteile bedienen, dürfen die Schoko-Weihnachtsmenschen aus durch Kinderarbeit gewonnenem Kakao trotz vorweihnachtlicher Sorge um Afrika nicht fehlen. Mensch hat ja gespendet, das Gewissen ist rein.

So argumentieren auch Geldorf und Campino. Jegliche Kritik sei laut Geldorf „Bullshit“ und schon die Frage, wohin das Geld genau fließe, wird als Unverschämtheit wegdiskutiert. Ungeklärt bleibt noch, weshalb überhaupt ein Lied nötig war, wenn es eigentlich nicht um die Musik, sondern um tatsächliche Hilfe geht.

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