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Filme über den Nationalsozialismus

Vor einigen Wochen habe ich mir – zum ersten Mal seit seiner Erscheinung im Jahr 2004 – den Film „Der Untergang“ angeschaut. Warum ich plötzlich die Lust verspürte, mir das fast 3-stündige Drama über die letzten Tage im Führerbunker in Berlin 1945 bis hin zur Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai anzusehen, kann ich nicht mehr genau sagen. Fest steht, dass es für mich ein Auslöser war, mich wieder verstärkt der Zeit des Nationalsozialismus zuzuwenden. Dieser Artikel soll die von mir versuchte filmische Annäherung an das „Erinnern und Gedenken“ beschreiben.

Der Film „Das weiße Band“ von Michael Haneke aus dem Jahr 2009 ist dafür eine guter Ausgangspunkt – und das obwohl der Film über eine Dorfgemeinschaft in Ostelbien im Jahr 1914 spielt und erstmal keinerlei Bezüge zur Hitler Zeit aufweist. „Das weiße Band“ zeigt die Sitten, Gesellschaftsbilder und Erziehungsmuster der Zeit. Der Gruppe aus Kindern die der Film begleitet, soll Ordnung, Glaube und Tradition vermittelt werden, zur Not auch mit körperlicher Strafe. Einer freien Entfaltung ihrer Entwicklung und dem Ausleben ihrer Kindlichkeit wird aktiv entgegengewirkt – im Gegenteil, Kinder die sich nicht benehmen sollen ein „weißes Band“ tragen, dass sie an Unschuld und Strebsamkeit erinnern soll. Dabei sind es doch die Kinder, die unschuldig sind. „Das weiße Band“ zeigt, ohne dies jemals offen anzusprechen, wie Menschen empfänglich werden können für Ideologie, also für bestimmte Denkmuster die ihnen einen klaren Kompass von „richtig“ und „falsch“ vorgeben. Schließlich werden die Kinder aus „Das weiße Band“ die Generation sein, die Erwachsen sein wird, wenn Deutschland 20 Jahre später ein faschistisches Land ist.

Wer Filme über die Gräueltaten der Nazis an den Juden sucht wird an „Schindlers Liste“ nicht vorbeikommen. Dem Spielraum für Interpretation, den man noch in „Das weiße Band“ hat, werden hier die grausame Räumung des Krakauer Ghettos und die Unmenschlichkeit in Arbeits- und Konzentrationslagern gegenübergestellt. Vielleicht sind „Schindlers Liste“ oder auch „Der Pianist“ deprimierend und frontal. Aber sie zeigen nun mal Dinge die passiert sind, und dies emotionaler als es ein Wikipedia Artikel oder ein Geschichtsbuch kann.

Auch Filme die während des Zweiten Weltkrieges spielen können in gewisser Weise „outside the box“ sein. Roberto Benigni schafft es mit „Das Leben ist schön“ eine wunderbare Tragikomödie über das Leben im faschistischen Italien und den Zusammenhalt zwischen einem Vater und seinem Sohn im Konzentrationslager zu zeigen. „Inglourious Basterds“ von Quentin Tarantino übernimmt sogar eine ganz eigene Geschichtsschreibung und entwirft mit dem Zweiten Weltkrieg als Hintergrund eine schwarzhumorig-anarchistische und charaktergetriebene Geschichte, bei der explizit jüdische Soldaten Jagd auf Nazis machen.

Um den Bogen von den Ursprüngen ideologischer Denkweisen aus „Das weiße Band“, über die Nazi Zeit selbst, bis hin zu deren Aufarbeitung zu schließen, dient der Film „Im Labyrinth des Schweigens“, ein deutscher Film der erst Ende 2014 erschienen ist. Der Film beschäftigt sich mit der in den 1950ern der BRD begonnenen juristischen Verfolgung zahlreicher Verbrechen die im Konzentrationslager Auschwitz begangen wurden. Falls man sich in vielen Nazi Filmen fragt, wie Menschen nur zu solchen Taten fähig sein konnten, stellt man sich bei „Labyrinth des Schweigens“ vor die Frage, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg nur so sehr verdrängt und aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen werden konnten. Der Film zeigt, wie der Großteil der deutschen Gesellschaft vorgab, dass ihm schlicht nicht bekannt war, was sich in Ausschwitz abgespielt hatte. Eine weitere Parallele kann zur heutigen „Irgendwann muss ja auch mal gut sein, mit der Nazi Vergangenheit“ Haltung gezeigt werden, wenn im Film, die Ermittlungen des Protagonisten über die Morde in Auschwitz mit Worten wie „Die Wunden dieser jungen Nation beginnen gerade zu heilen und Sie wollen sie wieder aufreißen“ behindert werden. Erstaunlich ist auch, wie wenig Aufmerksamkeit der Film erhielt. Vor 10 Jahren hätte man möglicherweise ähnlich wie beim „Untergang“ gesagt, dass dies ein Film ist „den man einfach gesehen haben sollte.“

Man könnte jetzt einwenden, dass es für eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus keine Erfahrung über einen Film braucht, und dass der Zweite Weltkrieg und die Shoah stets bedeutend genug sein werden, um daran zu erinnern. Doch es gibt einen Unterschied zwischen ein paar gelegentlichen Gedanken über Nationalsozialismus und einer wirklichen und tiefen Auseinandersetzung, verbunden mit einer geschichtlichen Aufarbeitung, mit Anteilnahme und mit Trauer über das geschehene Leid.

Mir haben einige der aufgeführten Filme teilweise geholfen Letzteres zu erreichen. „Erinnern und Gedenken“ haben auch immer eine persönliche Dimensionen: Vor einigen Jahren machte der (in meinem Fall gute) Geschichtsunterricht das Thema Nationalsozialismus für mich sehr präsent. Doch mit dem Abgang von der Schule und dem Studium eines nicht-historischen Faches ändert sich so etwas schneller als man glaubt. Die Gedanken über die damalige Zeit verlieren vielleicht nichts an ihrer Einschätzung über die Geschichte, doch sie werden seltener. Erinnern im Sinne einer tiefgreifenden Auseinandersetzung wird schwieriger.

Mir konnten Filme daher helfen, das Thema Nationalsozialismus wieder präsenter zu machen und eine über die filmische Ebene hinausgehende Aufarbeitung und Erinnerung fortzuführen. Viele der aufgezählten Filme (oder Filme über Nationalsozialismus generell) kann man sicherlich in ihrer Darstellung kritisieren. Doch wenn sie es schaffen – und sei es nur zu einem kleinen Teil – ein kritisches Bewusstsein wach zu halten, ist das dann so schlecht?

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