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F*ITGR-Klausur im Januar

Vom 5. bis zum 7. Januar kam der Frauen*-, Inter-, Transpersonen- und Genderrat zu einer Klausur in Berlin zusammen.
Auf dem Programm standen neben der Evaluation und der Zukunft der FIT+-Reform auch Reflexion und Rückblick auf bisherige Arbeit des F*ITGR und vergangene BF*ITKen, ein kurzer Einblick in aktuelle queerfeministische Diskussionen, das Selbstverständnis und die Ziele des F*ITGR sowie Planungen für den kommenden BuKo.
Der Frauen*-, Inter-, Transpersonen- und Genderrat , kurz F*ITGR ist ein in der Satzung des Bundesverbandes verankertes Gremium, das unter anderem Diskriminierungen von F*IT-Personen aufzeigen und abbauen soll. Auch soll er Frauen*, Inter- und Transpersonen ermutigen, sich im Verband, Debatten und Gremien einzubringen. Der Rat besteht aus 7 gewählten Mitgliedern, zudem ist aus dem Bundesvorstand die F*ITGPS kooptiert.
Während Freitag zunächst Erwartungen und Hoffnungen für die Klausur und den Rat ausgetauscht wurden, lag der Schwerpunkt an den folgenden beiden Klausurtagen auf der inhaltlichen Arbeit.

Reflexion

Der Samstag begann mit einem Bericht von Annka und Caspar, ehemalige Mitglieder des F*ITGR. Sie stellten Projekte, Konflikte und Erfolge aus ihrer Zeit im F*ITGR vor, um einen kleinen Ausblick zu geben, wie sich die Arbeit im Rat gestalten kann. Ein großer Teil der Arbeit bezog sich auf den BuKo, einerseits finden dort die F*IT- und Gendertreffen statt, die über den Rat organisiert werden, andererseits war dort ein Genderwatch vorgesehen. Auch in der Vorbereitung des BuKos wachte der F*ITGR bereits darüber, dass in der Planung F*IT-Schlafräume geben sollte, dass das Geschlecht auf dem Anmeldeformular keine feste Vorauswahl bekommt und so F*IT-sensibel geplant wurde.
Zudem brachte er einen Wanderworkshop auf den Weg, suchte nach Konzepten, F*IT-Personen langfristig für Mitarbeit im Verband zu begeistern, organisierten eine BF*ITK und ein Weitersteiger*innenseminar.
Daran anschließend begleiteten Annka und Caspar eine Reflexion der bisherigen Arbeit des F*ITGR in der aktuellen Amtszeit. Dabei zeigte sich, dass das Wirken des Gremiums sich bisher, aus verschiedensten Gründen, nur schleppend entfalten konnte.
Zusammen mit Dimitra, ehemals frauen- und genderpolitische Sprecherin der Grünen Jugend, gab es einen kleinen Abriss über die Geschichte der BF*ITK und der Bundesfrauenkonferenz als deren Vorläuferin. Über die Unterschiede in der Organisation in den vorherigen Jahren und der von 2017, an der der F*ITGR in der Organisation nicht beteiligt war, aber gerne gewesen wäre. Hier wird es vor allem wichtig sein, in Zukunft die Kommunikation zum Bundesvorstand und zur BGS zu stärken.

Selbstverständnis

Der nächste große Punkt, den wir ebenfalls zusammen mit Dimitra besprachen, war das Selbstverständnis des Rates, auch unter dem Vorzeichen aktueller queerfeministischer Debatten und deren Dilemmata. Einerseits sollen Kategorien und Geschlechter, und vor allem die daraus resultierenden Diskriminierungen, überwunden werden, andererseits benennen wir unser Maßnahmen und Quoten immer Geschlechter, die wir ermutigen und empowern wollen. Hier steckt ein zunächst elementarer Widerspruch.
Aus der Debatte ergaben sich Ansprüche und Ziele, die wir an unsere Arbeit im Gremium stellen ebenso wie eine Einschätzung, wie wir die Rolle des Rates dazu im Verband sehen. Aus letzterem ergibt sich auch, dass die Begleitung und Evaluation der F*IT-Reform eine Kernaufgabe bleiben wird und muss.
Im Verband sind wir zuallererst ein strukturelles Gremium. Wir stellen Infrastruktur bereit, ordnen diese ein. Wir ermöglichen Empowerment und Schutzräume. Wir fordern deren Umsetzung ein, setzen sie aber nicht selbst um. Hier sehen wir unter anderem die AWGs in der Verantwortung – mit denen wir wiederrum zusammenarbeiten sollten, da wir als satzungsgemäßiges Gremium Antragsrechte haben und so die passenden Strukturen schaffen und anpassen können.
Die Ansprüche, die wir an unsere Arbeit stellen sind vielfältig. Die Fragestellungen, an denen wir Position beziehen, sind einerseits etablierte Diskussionen, wie zum Beispiel das Spannungsfeld “Familie und Beruf”. Andererseits wollen wir uns gerade auch für Transpersonen einsetzen, wo es immer noch viele und laute Stimmen gibt, die jenen das gesamte Existenzrecht abzusprechen suchen. Auch wenn wir übergreifende Solidariäten schaffen wollen, Kategorien und Geschlechter überwinden, können und wollen wir weiterhin auch identitätspolitisch agieren und Frauen gezielt fördern. Wir möchten zusätzlich dazu auch für Trans- und Interpersonen Förderungen und, wo nötig und sinnvoll, eigene Schutzräume, ermöglichen, gleichzeitig bleibt auch weibliche* Sichtbarkeit ein Ziel des F*ITGR.
Die erarbeiten Ziele betreffen vor allem das Schaffen eines Bewusstseins für Diskriminierungen im Verband, so dass nicht nur wir als Rat, sondern auch einzelne das Bedürfnis entwickeln, aktiv dagegen einzustehen. Wir wollen Menschen hin zur Gleichberechtigung emanzipieren, unsere Utopien im Verband vorleben. Zusätzlich möchten wir strukturell dafür sorgen, dass wir in queer-feministischen Kämpfen handlungsfähig bleiben. Faschistische Ideen und Ideale stehen gegen unsere Visionen von einem selbstbestimmten, freien und gutem Leben für alle, schon allein daraus ergibt sich für uns daraus der Wunsch, Faschismus zu bekämpfen.

Weitere Planungen

Als letztzen großen Punkt der Klausur hielten wir aktuelle und geplante Projekte fest.
Es gibt erste Planungen für die F*IT- und Gendertreffen auf dem kommenden BuKo. Thematisch werden wir vermutlich darüber reden, warum wir überhaupt F*IT-Förderung betreiben, was es heißt, ein queerfeministischer Verband zu sein. Auch sollen Themen, die speziell Frauen oder Transpersonen betreffen angesprochen werden. Ein letzter Schwerpunkt wird voraussichtlich eine Gesprächsrunde zur F*IT-Reform sein.
Die Ergebnisse der Befragungen zur Umsetzung des F*IT-Reform in den Landesverbänden sind ausgewertet. Eine Übersicht zu den Ergebnissen wird bald an die zuständigen Landesverbände gehen. Der F*ITGR möchte weiter an der Reform dranbleiben, die Umsetzung auch im Verband weiter diskutieren, Argumentatshilfen und Empfehlungen erarbeiten. Das wird auch Arbeit für kommende F*ITGRte sein.
Es sind zahlreiche weitere Projekte angedacht und angestoßen worden. Es gibt Pläne für Wander- und Basisworkshops zur F*IT-Förderung und Strukturen im Verband. Auch wollen wir uns mit Schwangerschaftsabbrüchen, der Sichtbarkeit von Pronomen auf GJ-Veranstaltungen, dominantem Redeverhalten, Wissensmanagement sowie der Zukunft von Awarenessgroups befassen.

Dank

Wir danken: Der GJ-Berlin für die Überlassung der LGS, Dimitra, Annka und Caspar für ihre Unterstützung und Daniela für einen Haufen Schlafplätze.

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