Bildung, Soziales, SPUNK
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Geld oder Leben

Typewriter keyboard, coffee - von rawpixel - CC0

Ich habe die Schule abgebrochen, nie eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen und heute drei Jobs. Es könnte das Leben sein, von dem ich immer geträumt habe. Doch dann wache ich auf und stelle fest: “Mist, ist ja immer noch Kapitalismus”.

Seit der Kindheit ist mir klar, dass ich Autorin sein will. Mein Traum damals: Gleich das erste Buch wird ein kleiner Besteller. Dabei ging es mir nicht um das Berühmt- oder Reichsein, sondern schlichtweg um die finanzielle Sicherheit, um am zweiten Buch arbeiten zu können. Denn wer glaubt, ein Buch zu schreiben wäre keine Arbeit, hat noch nie tagelang mit sich verselbstständigenden Charakteren diskutiert oder die halbe Nacht wach gelegen aus Angst, eine Plotlücke nicht schließen zu können.

Ich hatte Glück: Meine Familie nahm mein Ziel ernst. Mir wurde nie eingeredet, lieber etwas “Richtiges” zu lernen. Die Annahme, dass ich Abitur machen und studieren würde, war trotzdem da. Lange wollte ich das auch selbst. Bis ich feststellte, dass ich überhaupt nicht den Nerv dafür habe. Mir fehlte der Realitätsbezug, die Praxis. Auch für abstrakte Schreibübungen hatte ich nie die Geduld – ich wollte sofort an konkreten Projekten arbeiten.

Das tue ich heute. Zeit und Geld dafür muss ich mir jedoch laufend erkämpfen. Autorin ist kein klassischer Ausbildungsberuf, Studiengänge sind selten. Das ist auch gut so. Nicht alles muss verschult und in eine Struktur gepresst werden, so funktioniert Kreativität nicht. Aber ein Bafög für den Debütroman? Fehlanzeige. Wer Glück hat, ergattert ein Stipendium. Viele Ausschreibungen richten sich aber auch hier an Leute, die schon veröffentlicht haben.

In der Debatte um finanzielle Planbarkeit wird es oft so dargestellt, als wären Langzeitverträge in Anstellungsverhältnissen die Universallösung, Selbstständigkeit und Projektarbeit hingegen das Problem, das es zu bekämpfen gilt. Was dabei vergessen wird: Für viele Menschen ist es gerade im digitalen Zeitalter gar nicht das Ziel, fest angestellt zu sein. Sie haben Freude daran, von Projekt zu Projekt zu springen, immer wieder Neues zu lernen. Sie schätzen die Freiheit der Selbstorganisation. Auch diese Menschen, Künstler*innen und andere Freiberufler*innen wie mich, kann und muss die Politik absichern.

Beispielsweise mit dem bedingungslosen Grundeinkommen. Die Idee ist nicht neu, kein Allheilmittel – aber ein richtiger Schritt in Richtung einer Welt, in der sich kein Mensch mehr Sorgen um Geld machen muss. In der Kunst frei ist und allen zur Verfügung steht.

Bis es soweit ist, arbeite ich neben dem Schreiben noch in zwei anderen Jobs. Selbstständig, was mit Medien, ich habe Spaß daran und kann Ich Selbst sein. Das heißt aber auch: Drei Existenzen gleichzeitig aufbauen in einer Bürokratiewüste voller Fragen: Was ist denn nun mein Hauptjob? Gewerbe anmelden ja/nein/vielleicht? Tue ich mir den Stress des Aufstockungsantrags an? Und was wird überhaupt als fördernswerte Kunst anerkannt? Das alles könnte viel einfacher sein!

Meine Leidenschaft für das Schreiben, für die kreative Arbeit wird sich niemals ändern. Das System muss es.

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