Debatte, Kolumne
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Heimat – Was ist das schon?

Screenshot, frei unter CC-Zero

Die Heimatdebatte, verbunden mit der Frage, wer den Begriff benutzt, und was er mitbringt, verschwindet dann doch nicht so ganz. Zeit, dass Nuocu endlich auch eine Meinung hat. Heimat ist mehr als ein Zuhause. Und während ich jedem*r ein Zuhause wünsche, wünsche allen umso mehr eine Heimat.

Heimat ist nichts greifbares und nichts allgemein gültiges. Damit also nichts, wofür ich als solches gemeinsam streiten könnte. Zur Politisierung taugt das nicht. Heimat kann nicht zurückgeholt werden. Heimat kann nicht gegen andere erkämpft werden. Und erst recht kann mir niemand sagen, wie meine Heimat zu sein hat. Heimat ist eine lose, verklärte Mischung aus warmen Kindheitserinnerungen, wie es war und wie es, gefühlt, gut war. Aus Freund*innenschaften. Aus Erlebnissen und Erinnerungen. Und weil eben nichts davon Allgemeingut ist oder sein kann, – wie soll mir denn vorgeschrieben werden, wie meine Erinnerung auszusehen hat? – kann diese Vorstellung von Heimat auch nicht von irgendwem unterwandert werden. Nicht von links, von rechts, nicht vom Papst und nicht vom Beelzebub, nicht von Hannes und nicht vom Bürgermeister.

In Ausschnitten können wir Heimat teilen. Politische Heimat, in der wir uns für gemeinsame Ziele einsetzen. Musikalische Heimat, in der wir zusammen die begleiten, die den Soundtrack unseres Lebens schrieben, und zuhören, wie sie mit uns feiern. Theologische Heimat, in der wir uns mit Geschwistern im Glauben treffen und austauschen. Aber in all dem treffen nur Teile von Heimat aufeinander, es entsteht keine gemeinsame Heimat, Heimat bleibt persönlich und individuell.

Und an dieser Stelle kann ich dann halt durchaus auch meine Heimat mögen. Nicht durch irgendwelche Fahnen, nicht durch irgendwelche Grenzen auf Papier, nicht, weil oh, wie toll hab ich das gemacht, in Deutschland geboren zu sein. Alles vollkommener Firlefanz. Ich kann sie mögen, weil ich gern vor meinen Ofen sitze und das Feuer genieße. Ich kann sie mögen, weil die Menschen, mit denen ich mich umgebe, mir das Gefühl von Heimat, vom angekommen und angenommen sein, geben. Ich kann sie mögen, weil ich mich im Klang dessen, was ich meine musikalische Heimat nenne, verlieren kann. Ich kann all das mögen, weil ich den Rest der Welt dann mal für eine Weile ausblenden und hinter mir lassen kann. Weil ich eben für ein paar wertvolle Momente dann doch in dieser verklärten, idealisierten Utopie, die ich Heimat nenne, verweilen kann.

Nochmal. Heimat ist ein für alle von uns individuell verklärtes Ideal, das niemals von anderen vorgeschrieben werden kann. Ich kann mich bestenfalls für das, was für mich Heimat ausmachen würde, stark machen – nicht für die Heimat als solches, die gibts so nur für mich.

Und deswegen wundert mich diese nicht enden wollende Debatte dann doch – weil in ihr am Ende doch niemand irgendwas gewinnen kann, eben weil Heimat kein gemeinsames Konstrukt ist. Eben weil sich da nichts tun kann und wird. Eben weil das eine Scheindebatte ist. Eben weil niemand außer mir jemals meine Heimat vollkommen erleben können wird.

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