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Ihr wollt mal in die Gamingbranche? Cool! Aber besser nicht in Deutschland…

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Mass Effect, League of Legends, Sid Meier’s Civilization – bei diesen Titeln geht vielen Gamer*innen das Herz auf. Statistisch gesehen kann in Deutschland weit mehr als jede*r Dritte etwas mit Videospielen anfangen.
Bei all dieser Beliebtheit ist eines jedoch auffällig: Aus Deutschland selbst scheinen kaum noch wirtschaftlich erfolgreiche Spiele zu kommen.
Damit wäre dann auch schon die Kehrseite der Medaille erreicht – denn der deutschen Videospielbranche geht es schlecht. Das ist ein trauriger Fakt – und ein sehr politisches Problem.

Wer zur Situation der deutschen Gamingindustrie recherchiert, stößt schnell auf ernüchternde Zahlen:
Noch 2015 freute sich der Interessenverband der deutschen Videospielindustrie, der BIU, über einen Anstieg der Gesamtstellen innerhalb der Branche um immerhin ein Prozent.

Mittlerweile sehen diese Zahlen etwas anders aus: Für 2017 wird ein Rückgang um satte neun Prozent befürchtet – und das, obwohl die durch Videospiele erzielten Umsätze in Deutschland immer weiter steigen. In einer Pressemitteilung Anfang des Jahres sprach die Industrie schließlich sogar von „kaum konkurrenzfähigen Rahmenbedingungen für die Game-Entwicklung in Deutschland“. Selbige würden die Unternehmen zwingen, Stellen abzubauen.

In Bezug auf viele andere Branchen würden solche Äußerungen nun höchst skeptisch betrachtet und als das übliche Werben um Vergünstigungen durch die Politik abgetan. Im Falle der Videospielbranche müssen allerdings durchaus diverse Probleme angesprochen werden.

Zunächst ist da die Situation bezüglich potentieller Fördermittel. Auf Bundesebene ist es schlicht so, dass finanzielle Anerkennung für Leistungen im Bereich der Games-Entwicklung von staatlicher Seite kaum existiert. Lediglich der – wegen diverser Entscheidungen in den letzten Jahren immer wieder in die Kritik geratene – „Deutsche Computerspielpreis“ wird explizit durch die Bundesregierung gefördert.

Verfechter*innen dieser Situation könnten sich nun darauf berufen, dass Games in Deutschland offiziell als Kulturgut anerkannt sind – dazu später mehr – und nun einmal Kulturföderalismus herrscht. Dementsprechend wäre die Förderung Ländersache.

Es ist ja auch durchaus so, dass die Länder die Entwicklung von Videospielen über ihre Medienstiftungen fördern. Allerdings gibt es selbst bezüglich dieser Förderung diverse Probleme:

Während zum Beispiel NRW noch im Jahr 2016 wenigstens 600.000 Euro für die Förderung von Entwicklungsstudios zur Verfügung stellte, waren es in Bayern 2017 sogar 1,3 Millionen Euro – allerdings mit dem kleinen Haken, dass dort als Voraussetzung für einen erfolgreichen Antrag die Gewaltfreiheit des zu fördernden Videospiels galt. Eine solche Voraussetzung kann von vielen Games, wie großartig sie inhaltlich auch sein mögen, schlicht nicht erfüllt werden.

Geringe Fördermittel, unrealistische Erwartungshaltungen, Stellenabbau – all das liest sich nicht schön. Dabei sind auch das nur die Symptome eines viel größeren Problems: Videospiele gelten in Deutschland zwar offiziell als Kulturgut, ihre Rolle wird von Seiten der Politik allerdings oftmals als unbedeutend angesehen.

Eine potentiell fatale Fehleinschätzung, denn wie bereits erwähnt: Die Umsatzzahlen von Videospielen in Deutschland sind hervorragend – und zwar quer durch alle Altersgruppen.

Wer nun aber glaubt, die Auswirkungen dieser mangelnden Anerkennung würden sich auf die GamingBranche selbst beschränken, irrt gewaltig: Erst im Mai dieses Jahres berichtete die „Zeit“ in einem flammenden Artikel darüber, was für eine Ungerechtigkeit es sei, dass Videospiele noch immer nicht in den Hartz IV-Sätzen berücksichtigt würden – und sie hatte absolut Recht damit.

Die sozial Schwächsten vom Konsum eines der beliebtesten Kulturgüter der Deutschen auszuschließen, ist eine politische Ungerechtigkeit. Eine Ungerechtigkeit, die aus Ignoranz gegenüber der Bedeutung von Videospielen für die moderne Kultur entsteht.

Abschließend lässt sich also festhalten: Der GamingIndustrie in Deutschland geht es schlecht. Das ist ein Problem. Ein politisches, wie auch ein soziales Problem. Unser Problem.

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