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Jung, grün, europäisch – Eindrücke der Generalversammlung von FYEG

Tag 1 & 2

Tiflis, Georgien! Diese schöne, vielfältige Stadt in einem Flusstal südlich des Kaukasus begrüßte uns (Paula Keller, Eva Pfannerstill und Moritz Heuberger) mit sommerlich-heißen Temperaturen über 30 °C zur ersten FYEG General Assembly außerhalb der EU. Am ersten Morgen der General Assembly, teils noch verschlafen nach der Ankunft mitten in der Nacht, versammelten sich 80 Junggrüne aus ganz Europa in einem palastartigen Gebäude im Zentrum der georgischen Hauptstadt.

Die General Assembly (GA) unseres europäischen Dachverbands FYEG ist vergleichbar mit dem BuKo der Grünen Jugend – nur, dass es ein Delegiertensystem gibt. Jede Mitgliedsorganisation darf zwei Stimmberechtigte zur GA entsenden. Für die GJ waren das Paula und Eva. Gleich zu Anfang der GA gab es eine kontroverse Abstimmung: Sollte die Kandidatur von Paul Cohen (Young Greens of England and Wales) für das Executive Committee (EC, Vorstand) zugelassen werden, obwohl er*sie kein Empfehlungsschreiben seiner*ihrer eigenen Organisation vorweisen konnte? Die Delegierten stimmten dagegen. Dieses Ergebnis änderte sich auch nicht, als Paul später am Tag seinen*ihren Wechsel zur polnischen Grünen Jugend und deren uneingeschränkte Unterstützung verkünden konnte.

Im Programm folgten die Berichte und Pläne verschiedener FYEG-Gremien. Da am Samstag ein neues EC und eine neue Redaktion für den Ecosprinter (das Onlinemagazin von FYEG) gewählt werden sollte, stellten sich die Kandidierenden vor. Besonders spannend versprach es um die vier Plätze im Ecosprinter zu werden (zwölf Bewerbungen) und um die nicht-weiblichen Plätze im EC (fünf Bewerbungen auf zwei Plätze). Eine hitzige Diskussion lieferten sich das aktuelle EC und der Vertreter der mazedonischen Organisation MODOM, die kandidierte, um nicht-stimmberechtigtes Mitglied von FYEG zu werden. Umstritten war die Unabhängigkeit dieser grünen Jugendorganisation von ihrer Mutterpartei, welche einige Jahre lang mit einer nationalistischen Partei koaliert hatte. Auch die inhaltlichen Anträge wurden vorgestellt. Themen dieser Anträge waren Freiheit für Westsahara, der Umgang mit der Krise in Europa und eine humane Asy- und Flüchtlingspolitik.

Der zweite Tag der GA begann, nach einer Partynacht leicht verspätet, mit einem Workshop, in dem eine georgische Aktivistin vom Missbrauch des Queer-Begriffs berichtete. Emotional wurde es danach, als Micha und Krassina ihre letzte gemeinsame Rede als Co-Sprecher*innen von FYEG hielten. Sie eröffneten gleichzeitig eine Fishbowl-Diskussion über Energie-Abhängigkeiten und dadurch verursachte inernationale Konflikte mit Terry Reintke, Josef Smida und Nina Samadashvili. Darauf folgten Workshops, zum Beispiel zu den Bedürfnissen der osteuropischen Mitgliedsorganisationen von FYEG. Am Nachmittag fand die vielleicht kontroverseste Debatte der GA statt, als es um Satzungsänderungsanträge ging: Unter Anderem forderten die österreichischen Jungen Grünen die Abschaffung der Working Groups (entsprechen den Fachforen der GJ) und die Verkleinerung des EC, und die norwegische Grüne Jugend schlug ein sogenanntes Wahlkomitee vor, das dazu dienen soll, geeignete Kandidat*innen vor der GA auszuwählen, sie zur Bewerbung zu ermutigen und sie der GA vorzuschlagen.

Tag 3

Der Samstag begann mit einer Fishbowl-Diskussion zum Thema Systematic Transistion: Moving away from fossil fuel dependency. Hier diskutierten drei Gäste mit dem Publikum über die Rolle von Gas und Öl in unserem Wirtschaftssystem. Gerade mit Fokus auf die Herkunft (vor allem beim Gas: Russland) und die daraus resultierende Macht beziehungsweise die Möglichkeit diese Macht zu missbrauchen, wurde aufgeregt diskutiert. Dies zeigte, dass ein Loskommen von fossilen Brennstoffen nicht nur eine ökologische Notwendigkeit ist, sondern auch friedenserhaltend wirken kann indem es Abhängigkeiten reduziert. Später wurden dann die Mitglieder des Vorstands, also des ECs, verabschiedet. Darunter auch Michael Bloss, der die vergangenen beiden Jahre Sprecher von FYEG war und aus der GRÜNEN JUGEND kam. Darauf folgten die Wahlen zum neuen EC. Diese begannen sehr entspannt. Laura Carlier aus Belgien und Teo Comet aus Finnland sind die neuen Sprecher_innen. Tornike als Schatzmeiser und Shenna als Secretary General komplettieren den geschäftsführenden Vorstand. Auf den drei Frauenplätzen gewählt sind Iryna, Morgan und Marie. Bei den Männerplätzen – ja bei FYEG gibt es so etwas… – erreichte lediglich Johannes das Quorum und wurde gewählt. Nach zwei weiteren Wahlgängen, zwei Kandidaten waren schon ausgestiegen, gab es noch immer keine Entscheidung zwischen Çengiz und Evangelos, den beiden Kandidaten für den einen letzten Platz im Vorstand. Die Sache wurde ersteinmal verschoben und die Redaktion des Ecosprinters – dem Pendant zum SPUNK – wurde gewählt. Hier hat es auch Fabien Wagner von der GRÜNEN JUGEND geschafft und schreibt nun für die nächsten zwölf Monate Artikel für das Mitgliedermagazin (LINK). Der letzte Abend bedeutet auch, die letzte große Party – ihr kennt das. Gemeinsam mit den anderen Vertreter_innen der Member Organisations feierten wir ein letztes Mal.

Tag 4

Der Sonntag morgen begann früher als sonst. Zumindest für uns von der GRÜNEN JUGEND, die wir, immer noch eine halbe Stunde zu spät im leeren Plenum ankommend, für den Rest Europas das deutsche Klische der Pünktlichkeit bestätigen durften. Nachdem am Samstag Abend kein vollständiges Executive Committee gewählt werden konnte, folgten nun am Morgen Fragerunden an Çengiz und Evangelos und eine sich anschließende letzte Wahl, die diesmal eindeutig verlief und Çengiz als Beisitzer bestätigte. Er hatte am Abend vorher noch Wahlkampf gemacht, während Evangelos sich mit viel Schlaf auf die Fragen am Morgen vorbereitete. Çengiz Strategie war eindeutig die erfolgreichere. Mit diesem jetzt kompletten Executive Committee konnten die verschiedenen Abstimmungen zu den Internal Rules of Procedure (IRPs, Satzungsänderungsanträgen) und zu inhaltlichen Anträgen beginnen. Die meisten Änderungen der IRPs, die maßgeblich aus Österreich und Norwegen stammten und darauf abzielten, FYEG Strukturen zu straffen und zu optimieren beispielsweise durch die Abschaffung von Working Groups oder durch die Einführung eines Wahlkommittees, erreichten keine notwendige Zweidrittelmehrheit. Lediglich unstrittige Änderungen wie zur Struktur des Ecosprinters (der Spunk für FYEG) oder Kompromisse zur Frauenquote konnten das Quorum erzielen und verabschiedet werden.

Inhaltliche Resolutionen gab es auf dieser GA nur vier, die alle relativ unstrittig waren. Dem entsprechend verlief die Diskussion der vorgeschlagenen Änderungsanträge wenig kontrovers. Lediglich die beiden Resolutionen zu Migration polarisierten ein wenig. Hier wurde über Pro und Contra von Quoten zur Verteilung von Asylsuchenden innerhalb Europas verhandelt und die Möglichkeit, einen Asylantrag für die EU bereits im Herkunktsland zu stellen, ausgeleuchtet. Beide Diskussionen schrammten leider ein wenig an der Oberfläche vorbei, was sicher auch der kurzen Nacht davor geschuldet war. Zu Quoten konnte ein Kompromiss gefunden werden, der betonte, dass Verteilungsschlüssel ein Übergangsmechanismus sein sollten. Der andere Änderungsantrag über Anträge von außerhalb der EU wurde knapp angenommen. Weiterhin wurde ein Antrag zur Kritik an Austeriätspolitik beschlossen, der in groben Zügen unsere Vorstellungen eines grünen Wirtschaftens festhält.
Nach diesem Tag der geballten Abstimmungen ging die Generalversammlung der Europäischen Jungen Grünen mit einer Abschlussrede des neuen Sprechers Teo zu Ende, der die Pläne des Sprecherduos für das kommende Jahr offen legte.

Insgesamt waren die vier Tage für uns drei eine sehr bereichernde Erfahrung, wenn es auch nicht für alle die erste GA war. Vor allem die informelle Lobby- und Überzeugungsarbeit hinter den Kulissen werden wir wohl als typisch FYEG im Unterschied zur GJ in Erinnerung behalten. Den Stress der Generalversammlung konnte die deutsche Delegation am Abend in den Schwefelbädern von Tiflis abschütteln und dort entspannt über die letzten Tage europäischer junggrüner Erfahrungen refektieren.

paula.keller@gruene-jugend.de'

Paula studiert ab diesem Herbst Philosophie in England. Sie ist seit 2014 in der Grünen Jugend und koordiniert das Fachforum Globales und Europa. Außerdem ist sie Mitglied der internationalen Koordination und bei FYEG aktiv. Paula liebt Sartre und verworrene pseudointellektuelle Konversationen

Kategorie: Berichte

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paula.keller@gruene-jugend.de'

Paula studiert ab diesem Herbst Philosophie in England. Sie ist seit 2014 in der Grünen Jugend und koordiniert das Fachforum Globales und Europa. Außerdem ist sie Mitglied der internationalen Koordination und bei FYEG aktiv. Paula liebt Sartre und verworrene pseudointellektuelle Konversationen

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