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Keine Arbeit im Land der kalten Bürokratie

– Der Autor* ist mit der Person aus dem Artikel befreundet und hat den Artikel mit ihrem Einvernehmen verfasst. Er* versucht die Person im Kampf mit der deutschen Bürokratie zu unterstützen. –

B. ist heute dreißig Jahre alt. Sein letztes Jahr war Stillstand, so beschreibt er es: keine Arbeit, keine Weiterentwicklung – nur Warten.

B. flüchtet vor 12 Jahren aus dem Senegal. Er landet in Spanien und gehört dort zu den wenigen Glücklichen, die eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung erhalten. Doch durch die Finanzkrise finden auch viele junge Spanier*innen keine Arbeit. B. jobbt als Elektriker, doch davon kann er nicht leben. Vor einem Jahr reist er nach Deutschland. Hier hofft er Arbeit zu finden, sich ein Leben aufbauen zu können. Doch B. ist kein junger Spanier mit den Rechten eines EU-Bürgers. Da er auch nicht als Flüchtling anerkannt ist erhält er keinerlei staatliche Unterstützung. B. ist Aufenthaltsberechtigter eines anderen EU- Staates.

B. kommt nach Oldenburg und findet ein Restaurant, dass ihn einstellen möchte und ihn zur Probe als Tellerwäscher arbeiten lässt.

Einen Job braucht er, sonst müsste er Deutschland binnen drei Monaten wieder verlassen. Doch bereits Probearbeiten ist illegal, auch dafür braucht mensch eine Arbeitserlaubnis.

B. verliert nicht nur den Job, er soll abgeschoben werden: zurück in den Senegal. Er wehrt sich, geht vor Gericht. In den Senegal muss er nicht zurück, denn er ist in Spanien aufenthaltsberechtigt. Aber nun will ihn die Bundesrepublik nach Spanien abschieben, Hauptsache weg!

Eine absurde Situation: B. möchte in Deutschland bleiben, darf aber nicht, weil er keine Arbeit hat und damit seinen Lebensunterhalt nicht sichern kann. Die Arbeitserlaubnis wird ihm verwehrt, weil er kein EU-Bürger ist.

Es gilt: solange es arbeitslose EU-Bürger*innen gibt, die THEORETISCH spülen könnten, kann die Bundesagentur für Arbeit (BA) ihm die Arbeitserlaubnis verwehren.

So schickt die BA über ein Jahr rund 200 Bewerber*innen zu dem Restaurant. Doch keine*r dieser „bevorrechtigten“ Arbeitslosen möchte oder kann für einen Lohn von 1200 € die ganze Woche am Spülbecken stehen. Die Arbeit ist hart, aber sie ist seine einzige Chance. Auch das Restaurant steht zu ihm, der Besitzer telefoniert mehrfach mit der BA, vergeblich.

Es ist sehr belastend, wenn einem das Arbeiten verboten und die Sozialhilfe versagt wird.

Es kann auch sehr einsam sein, alleine in einem fremden Land immer und immer wieder abgewiesen und herabgewürdigt zu werden.

Aber er hat Freunde, die ihn unterstützen. Sie geben ihm Obdach, sammeln Spenden, helfen ihm die kruden Beschlüsse und die komplizierte Rechtssprache zu verstehen und machen ihm Mut.

Unzählige andere Flüchtlinge finden nicht so schnell Anschluss. Müssen alleine mit der Sprache, der Bürokratie und dem immensen Druck klarkommen, ihnen hilft niemand. Doch auch mit Hilfe ist die Situation extrem hart.

Nach über einem Jahr bangen Wartens verweigert ihm das Verwaltungsgericht die Arbeitserlaubnis, hat Angst Courage zu zeigen und einen Präzedenzfall zu schaffen. Es sieht zwar nicht danach aus, als ob die Stelle im Restaurant in absehbarer Zeit besetzt werden kann.

aber deutsche Gründlichkeit ist gewissenlos: B. soll Deutschland verlassen.

Jetzt geht er in Berufung und hofft darauf , dass das Oberverwaltungsgericht sich gegen die deutsche Bürokratie stellt. Seine Freunde werden ihm zu Seite stehen. Sie wünschen sich, dass sich mehr Menschen auf die Seite von Geflüchteten wie B. stellen: Solidarität zeigen, Geld spenden, Einwendungen an die Bundesagentur für Arbeit schreiben und vor allem offen Protestieren.
Es braucht dringend mehr Menschen, die Menschlichkeit fordern im Land der kalten Bürokratie.

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