Globales, Ökologie
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Kickern fürs Klima!

Von Undine Schmidt und Mona Hosseini

Nachdem die Männer-Fußball-WM in Brasilien in aller Munde ist, der Widerstand gegen sie groß und die Aufmerksamkeit hoch, haben wir gestern anlässlich ihres Beginns auf den Zwischenverhandlungen der Weltklimakonferenz (United Nations Framework Convention on Climate Change, #UNFCCC) ein alternatives Fußballspiel veranstaltet.

YOUNGO, ein globales Netzwerk vieler klimabewegten Jugendorganisationen, hat mit der Fußballaktion die Interessenskonflikte auf Klimakonferenzen aufs Feld gebracht: Das “Team Net Zero”, engagiert für eine saubere, gerechte, ökologische Zukunft wurde von vielen Menschen aus der Zivilbevölkerung unterstützt, während der Gegner “Team Carbon” mit Unterstützung der üblichen Verdächtigen für die Abhängigkeit von Fossilen Bennstoffen spielte. Wir haben unsere Fußballaktion an die Delegierten der Zwischenverhandlungen adressiert und sie zur Positionierung aufgefordert. Dabei sollten sie sich entscheiden, ob sie dem Team Carbon angehören möchten, das von den Wirtschaftsinteressen der Kohle-/Öl-/Gasindustrie gelenkt wird und wenig Unterstützung aus der Zivilgesellschaft erfährt oder ob sie dem schwungvollen Team Net Zero mit breiter gesellschaftlicher Akzeptanz beitreten möchten. Die Unterstützer_innen des Team Net Zero feuerten ihre Athlet_innen mit einer Vielfalt von Protestslogans zur intergenerationellen und globalen Gerechtigkeit an.

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© AdoptANegotiator, veröffentlicht unter CC

Diese Aktion lief super: Es spielten zwei gegen zwei, wobei die wettbewerbsverzerrenden Faktoren sofort deutlich wurden: Das Team Net Zero hatte zwar weit aus mehr Zuspruch, doch das Team Carbon spielte mit unfairen Mitteln. Diese Metapher kam bei den vielen Passant_innen aus der Konferenz, die zu einem Gespräch, Fotografieren oder einfach nur Zuschauen stehen blieben, an. Die Interessen von Verbänden, die sich für Erneuerbare Energien, Geschlechtergerechtigkeit, Klimagerechtigkeit, Generationengerechtigkeit und globale Gerechtigkeit einsetzen, werden von der Kohle-/Öl-/Gasindustrie mit fragwürdigen Mitteln blockiert. Das geschieht durch ihre zahlungskräftige Lobby mit historischen Verknüpfungen zur Politik; ihrer jahrzehntelangen Finanzierung von Klimawandelleugner_innen; und der fehlenden Zukunftsorientierung der Politiker_innen vieler Länder mit ihrer kurzsichtigen Arbeitsplatzrhetorik, die von besagten Industrien aufgebauscht werden.

Obwohl der neuste Bericht der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) massenhaft Daten liefert, die besagen, dass genau JETZT die Zeit zum Handeln ist, wenn wir unter dem 2°C-Ziel bleiben möchten, reagieren Staaten viel zu langsam. Dabei brauchen wir zwischen 2040 und 2070 net zero emissions (Emissionsfreiheit), für die umgehend die Weichen gestellt werden müssen. Viele Staaten, die Öl exportieren argumentieren damit, dass es bei ihnen eine große Einnahmequelle ist und ihre Volkswirtschaft von Ölgeschäften abhängig ist. Das sind nicht nur Entwicklungsländer, sondern auch Industriestaaten, denen die Energiewende z.B. zu teuer ist.

Eine brasilianische Klimaaktivistin auf der UNFCCC fasste gestern schön zusammen: Wenn 11 Milliarden Dollar für die WM ausgegeben werden, gibt es doch wohl finanzielle Mittel für langfristige Investitionen in Klimaschutz. Wovon die Entscheidung für oder gegen eine saubere, gerechte Zukunft abhängt, ist der politische Wille.

Wir hoffen, mit unserer spaßigen, bunten Aktion gestern, den_die ein oder andere_n auf der Konferenz davon überzeugt zu haben, dass der Kampf gegen die Klimakrise globaler und wichtiger als die Fußball-Weltmeisterschaft ist.

Mehr zur Aktions gibt’s hier in Bildform und Video.

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