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Mehr Stammtischkämpfer*innen – jetzt!

Die Workshopleiterinnen begrüßten uns mit einem Zitat, das wieder traurige Aktualität hat. (Foto: Louisa Hattendorff)

Das Bündnis “Aufstehen gegen Rassismus” bildete im Juli Stammtischkämpfer*innen bei der Grünen Jugend Berlin aus. Wir brauchen mehr davon!

Ein grauer Dienstagnachmittag in einer Berliner U-Bahn: Viele Leute sind müde, wollen nach Hause, dösen vor sich hin, hören Musik, lesen, unterhalten sich. Als die “Zurückblei’m, bitte!”-Stimme ertönt, steigen zwei ältere Männer ein, die sich lautstark über den Wedding und Neukölln als “Ausländerbezirke” beschweren, in denen zu viele Moschees gebaut werden, und “ohnehin sind doch die muslimischen Männer alle kriminell!”.

So weit die Szene. Sie ist fiktiv und Seminarteilnehmende spielen sie als Übungsmaterial auf der Wiese vor dem Büro der Grünen Jugend Berlin (GJB) nach. Die Frage ist: Wie kann ich mit so einer oder einer ähnlichen Situation umgehen – mit Rassismus, Sexismus, rechter Hetze und Stammtischparolen im Alltag?

Damit beschäftigten wir uns diesen Sommer in der Landesgeschäftsstelle der Grünen Jugend Berlin, als zwei Teamerinnen des Berliner Bündnisses „Aufstehen gehen Rassismus“ das ganztägige Training mit rund 15 GJB-Mitgliedern durchführten. Ziel des Bündnisses ist, bis zur Bundestagswahl durch ihre Workshops und Seminare 10.000 Stammtischkämpfer*innen ausgebildet zu haben.

Bei dem Training ging es darum, direkt bei den persönlichen Erfahrungen der Teilnehmenden anzusetzen – also zunächst Szenen aus dem Alltag zu sammeln, in denen mit Stammtischparolen umgegangen werden musste: in der Familie, auf der Straße, in der U-Bahn, in sozialen Medien. Anschließend wurden Wege und Methoden besprochen, damit umzugehen. Das Patentrezept für den Umgang mit rechten Parolen gibt es dabei nicht; alle von uns nahmen sicherlich unterschiedliche Dinge mit nach Hause. Hier zwei für mich persönlich wichtige Takeaways:

Erstens: Es ist nicht so wichtig, WIE wir einschreiten, sondern DASS wir überhaupt einschreiten und gegen Diskriminierung jeder Art klare Kante zeigen. Wenn wir oft nicht die Person überzeugen können, die rechten Bullsh** von sich gibt, so gibt es direkt vor Ort und auch im Internet viele stille Mithörer*innen und Mitleser*innen, die sehr wohl registrieren, wenn rechte Parolen nicht unkommentiert stehen bleiben. Selbst wenn es mal nur ein Satz oder Wort ist – auch so etwas kann Menschen zum Nachdenken anregen!

Zweitens: Der Kreativität, auf rechte Parolen zu reagieren, sind keine Grenzen gesetzt – seid kreativ und tauscht Ideen aus! Die Reaktion, die die beiden älteren Männer aus der oben genannten Szene am meisten aus dem Konzept gebracht hat, waren zwei Frauen, die Folgendes getan haben: Sie haben sich den beiden Männern gegenüber gesetzt und genau so laut angefangen, sich über „Kommentare von alten, weißen, rassistischen Männern in der U-Bahn“ aufzuregen. Zuvor hatten die beiden Männer nicht auf Argumentationsversuche reagiert. Diskutiert solche Szenen ruhig auch in eurem Freund*innenkreis und sprecht Handlungsmöglichkeiten durch!

Das Feedback der Teilnehmenden war insgesamt sehr positiv – und ich habe wiederum gemerkt, wie wichtig es ist, Argumente und Argumentationsstrategien gegen rechte Parolen zu entwickeln und zu trainieren. Der Grüne Jugend-Wahlkampf läuft gerade auf Hochtouren – nutzt die Gelegenheit, nicht nur zu reagieren, sondern zu agieren! Pöbelt an AFD-Ständen, verwickelt Menschen in Diskussionen, veranstaltet Origami-Faltaktionen aus AFD-Flyern und kämpft kreativ gegen Rassismus! Dabei kann es echt helfen, sich Teamer*innen für Stammtischkämpfer*innenseminare in eure Ortsgruppen zu holen. Bei Fragen dazu könnt ihr euch gerne an die GJB wenden.

Ändern wir die Welt, bevor es andere tun. Und nehmt die Stammtische auseinander!

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