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Nazis in Videospielen

nazi zombies - Jake or Dinos Chapman show at the White Cube Gallery in London - von Elias Gayles - CC BY 2.0

Spiele, in denen Nazis vorkommen gibt es viele. Kein Wunder, ist doch der zweite Weltkrieg ein Thema, das oft und gerne medial inszeniert wird. Nazis sind aus unserer Popkultur nicht wegzudenken, wie Zombies und Orcs. Nazis sind super. Wolfenstein ist der Prototyp eines Spiels, in dem Nazis als Gegner auftauchen. Das schöne daran ist, dass es keine weitere Motivation oder Erklärung braucht, warum es legitim ist Gewalt anzuwenden. Nazis sind böse, Gewalt ist legitimiert, Feuer frei.

Das schöne daran ist, dass es keine weitere Motivation oder Erklärung braucht, warum es legitim ist, Gewalt anzuwenden. Nazis sind böse, Gewalt ist legitimiert, Feuer frei.

Gleiches lässt sich natürlich für Zombies und Orcs sagen. Aus einem abstrakten, völlig austauschbaren “rot gegen blau”-Szenario wird sofort der heroische Kampf gegen das Böse und für die Rettung der Welt. Und all das ohne dass man eine spannende Geschichte erfinden oder tief ausgearbeitete Charaktere zeichnen müsste. Da ist es kein Wunder, dass Nazis beziehungsweise der zweite Weltkrieg ein beliebtes Szenario ist.

Doch Moment, Nazis darzustellen ist in Deutschland nicht so einfach, zumindest nicht in Spielen. Filme wie “Inglourious Basterds” oder “Operation Walküre” dürfen Nazis als Nazis zeigen. Mit Hakenkreuz, SS-Runen, “deutschem Gruß” und allem was so dazu gehört. Die Darstellung dieser Symbole ist in Deutschland aus gutem Grund verboten, aber es gibt Ausnahmen für Kunst, Kultur, Forschung und Lehre. Warum Spiele keine Kunst sind ist nur mit einem Medienverständnis zu erklären, das in den 1970er Jahren stehen blieb. Ich finde es wichtig, Nazis als Nazis zu zeigen. Es war nicht “das Regime”, es waren auch nicht “die Wölfe”, es war die nationalsozialistische Ideologie die zum unvorstellbaren Bruch mit der Zivilisation führte und dazu dass man zuerst Bücher, dann Menschen verbrannte.

Da sind wir auch schon bei einem grundlegenden Problem in der Darstellung von Nazis, nicht nur in Spielen. Entweder werden sie comichaft überzeichnet als “das Böse” dargestellt (wie in Wolfenstein) oder als ganz normale Kriegspartei (wie in Call of Duty). Die Gräuel der industriellen Vernichtung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden spielt keine Rolle, die Lage der politisch verfolgten in Nazideutschland vor und während des Krieges auch nicht. Vielleicht erwarte ich hier zu viel von Spielen, und besonders Blockbuster Titel sind darauf angelegt zu unterhalten, nicht zum Nachdenken anzuregen. Vielleicht könnte ein unabhängiges Entwicklungsteam einen Schritt in diese Richtung machen, “This War of Mine” und “Valiant Hearts” spielen beide nicht im zweiten Weltkrieg, aber zeigen doch eine ganz ungewohnte Perspektive auf allzu vertraute Szenarien.

Die Gräuel der industriellen Vernichtung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden spielt keine Rolle

Ich wünsche mir, dass Medien nach dem Inhalt bewertet werden. Bei Filmen klappt es ja auch, “Inglourious Bastards” ist erlaubt, Nazi-Propagandafilme sind es nicht. Warum können wir das nicht auch bei Spielen haben? Natürlich ist nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, welche Botschaft ein Medium transportiert, oder welche Fantasien man dort projizieren kann. Das wird besonders dann kritisch, wenn ein Spiel es erlaubt in die Rolle der deutschen zu schlüpfen. Bei Mehrspieler-Partien bietet sich das an, schließlich muss es dort zwei feindliche Lager geben, sonst macht ein Kampf keinen Sinn. In solchen Situationen finde ich, dass man vorsichtiger sein muss. Es ist zu verhindern, dass Nazis eine Plattform für das Ausleben ihrer Fantasien bekommen. Eine mögliche Lösung wäre es, jedem Spieler das eigene Team als Alliierte und die Gegner immer als “Achsenmächte” anzuzeigen. So macht es das vom US-Militär zu Propaganda-Zwecken entwickelte Spiel “America’s Army”.

Doch, um auf die im letzten Absatz aufgestellte Forderung zurück zu kommen: Der deutsche Jugendmedienschutz schaut sich Spiele sehr genau an, und ich bin mir sicher, dass man von Ihm verlangen kann diese inhaltliche Unterscheidung zu machen.

Zum Abschluss dieses Artikels möchte ich Euch eine Folge des Youtube-Kanals “Games and Politics” empfehlen, die sich mit der Problematik der verfassungfeindlichen Symbolen in Spielen auseinandersetzt.

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