Debatte, Queerfeminismus, SPUNK
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Neue Quoten – Neue Wege

Racoon Stuff - von Quinten de Graaf - CC0
Nach ausführlicher Beratung mit diesem Waschbär habe ich einen Vorschlag

Neue Quoten – Neue Wege

Ein Plädoyer für neue Quoten

Was war

Was bisher geschah: Die Grünen haben sich einst auch aus der Frauenbewegung heraus gegründet. Seit jeher gilt: Die Hälfte der Macht den Frauen. Alle Ämter werden quotiert besetzt, ungerade Listenplätze gehen an Frauen. Alle anderen Plätze sind frei für alle. Es gab nie Männerplätze. Die Grüne Jugend als Jugendorganisation hatte das übernommen, aber dann irgendwie gemerkt, dass einerseits nicht nur Frauen aufgrund ihres Geschlechtes strukturell diskriminiert werden, und dass es andererseits mehr als zwei Geschlechter gibt. Die Jugend passte ihre Satzung an. Die quotierten Plätze sind seither keine reinen Frauenplätze mehr, sondern stehen auch für Personen offen, die inter oder trans sind.

Was ist

Die grüne Jugend hat damit auch Sichtbarkeit jenseits von Frauen per Satzung gesichert. Der Preis: Die Quotierung passt nicht mehr zu den Bündnisgrünen. Wer in der Jugend auf einen quotierten Platz gewählt werden kann, kann das in der Partei nicht mehr automatisch. Das ist gerade bei Plätzen, die von den Grünen fest an Amtsträgerinnen in der Jugend vergeben sind, problematisch. Gleichzeitig wurde mit der gemischten Quote auch das alte Dogma, das die Hälfte der Macht an die Frauen delegiert, fallen gelassen. War vor der Reform in der Jugend gesichert, dass alle Ämter zur Hälfte von Frauen ausgestaltet werden, was nicht nur Macht, sondern auch Sichtbarkeit und damit auch Vor- und Rollenbilder schaffte, kann es jetzt wieder Gremien geben, in denen nur sehr wenige bis gar keine Frauen sind. Eine bessere Sichtbarkeit für Inter- und Transpersonen rechtfertigt aber nicht unmittelbar eine schlechtere Sichtbarkeit und eine weitere Entmachtung von Frauen. Schlimmer noch: Werden die quotierten Plätze tatsächlich gemischt an Frauen, Inter- und Transpersonen vergeben und die offenen Plätze geschlossen an Männer, gilt umgekehrt sogar: Die Hälfte der Macht den Männern. Das war nie Sinn und Zweck der Idee. Wenn wir, als Verband, uns bewusst sind, dass Geschlecht als Kategorie nicht verschwindet, nur weil wir das wollen und daran arbeiten; Wenn wir weiterhin weibliche Sichtbarkeit, gerade in einer Umgebung, die immer noch sehr binär funktioniert, garantieren wollen; Wenn wir Frauen ermächtigen wollen, wenn wir weibliche Sichtbarkeit schaffen und garantieren wollen, ohne, dass dabei Transpersonen, Nonbinaries oder intergeschlechtliche Menschen vergessen werden; Wenn wir im Idealfall wieder mit der Satzung der Grünen kompatibel werden wollen, dann brauchen neue Wege und neue Ideen. Dann kommen wir mit einer gemischten Quote nicht weiter. Das einfache an der gemischten Quote ist, dass ich die Welt weiterhin in zwei Hälften teilen kann und eine davon eben empowere, weil ich ihr Plätze reserviere. Die Anzahl der Probleme, die hier aber dazu kommen, rechtfertigt diese Einfachheit nicht. Nächster Schritt: Wir geben zu, dass jedes Empowerment irgendwo anders eine Entmächtigung bedeutet. Klar können wir uns weiter in die Tasche lügen und sagen, dass es einzig darum geht F*IT-Förderung zu machen. Bei einer begrenzten Anzahl von Plätzen bedeutet das immer und muss das immer bedeuten, dass ich die Macht und die Sichtbarkeit dann von anderen nehmen muss. Das ist aber nicht verkehrt. Das ist genau der Kern der Sache. Aber an der Stelle kann ich jetzt noch einen Schritt weiter gehen. Wenn wir ehrlich genug sind, zu sagen, dass eine Quote für die einen auch eine Quote gegen die anderen bedeutet und bedeuten muss, dann können wir auch davon weg gehen, dass die Hälfte der Plätze offen sein muss. Gleichzeitig sollten wir aber weiterhin ehrlich mit uns bleiben: Eine eins-eins-eins-Quote, für jeden offenen Platz einen Inter-trans-Platz garantieren, wird zahlenmäßig nicht aufgehen. Egal wie queer und bunt wir als Verband sind, glaube ich, müssen wir anerkennen, dass hier eine volle paritätische Besetzung nicht realistisch ist.

Ein Schritt zurück – zwei nach vorn

Ein Vorschlag: Ein Schritt zurück: Zurück zur Frauenbewegung, zurück zu die Hälfte der Macht den Frauen. Zwei nach vorne. Weg von: die Hälfte der Plätze ist offen und auch weg von der gemischten Quote. Alle ungeraden Plätze gehen an Frauen. Bei den geraden Plätzen jeweils ein inter-transPlatz zu zwei offenen Plätzen. That’s it. Das ist einerseits ein Statement in die Welt hinaus, die immer noch sehr in einer dyadischen Cisnormativität, in der die Macht meistens bei den Männern liegt, festhängt. Denn: so eine Quotierung garantiert, dass die Hälfte der Macht bei Frauen liegt. Also binär nicht bei Männern. Wir können zeigen, wie es die Grünen zeigen, und wie wir es lange gezeigt haben, dass das geht. Dazu haben wir wieder eine Quotierung, die zu der der Grünen kompatibel ist. Es passt also wieder uneingeschränkt, wenn Frauenplätze aus Jugendgremien direkt einen quotierten Platz in Gremien der Partei bekommen, weil auf allen unseren Frauenplätzen Frauen sind und auf allen quotierten Plätzen bei den Grüns Frauen sein müssen. Andererseits zeigen wir durch die getrennte, mehrfache Quotierung, dass es mehr Kategorien gibt, auf die, auch gesellschaftlich, Rücksicht genommen werden sollte, Personengruppen, denen mehr öffentliche Sichtbarkeit, mehr Repräsentation zustehen würde. Und ja. Wir können das bringen. Wir sind #dieseJungenLeute, wir haben Raum, um neue Ideen voranzubringen. Das muss auch nicht perfekt sein und wir können immer wieder zurück oder weiter nach vorne. Unsere Satzung ist nicht mit Einmaltinte für die Ewigkeit geschrieben, sondern konserviert immer nur das, worauf wir uns für die absehbare Zeit als beste, oder viel öfter auch als am wenigsten schlechte, Lösung einigen konnten. Deshalb, lasst uns das versuchen, denn Zukunft wird aus Mut gemacht.

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