Alle Artikel mit dem Schlagwort: Antifaschismus

rosa luxemberg - von aesthetics of crisis - CC BY-NC-SA

„Auf den Trümmern des bürgerlichen Staates“

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Über ‚Regierungsverantwortung‘ linker Parteien – ein Versuch Dieser Artikel wurde ursprünglich veröffentlicht im gedruckten SPUNK 01/2018. „In der bürgerlichen Gesellschaft ist der Sozialdemokratie dem Wesen nach die Rolle einer oppositionellen Partei vorgezeichnet, als regierende darf sie nur auf den Trümmern des bürgerlichen Staates auftreten.“ Das ist das Fazit des kurzen Zeitungsaufsatzes „Eine taktische Frage“ von Rosa Luxemburg von 1899. Und der Text scheint so beeindruckend passend, aktuell wie klar in seiner Argumentation.  Wie kommt die Ökonomin und Parteivertreterin, zu diesem Schluss? Als 1899 mit Millerand erstmals ein Sozialist ein Ministeramt in Frankreich bekleidete, diente ihr dies als Anlass „zu mancher taktischprinzipiellen Betrachtung“: Wann und in welchem Falle darf eine sozialdemokratische Partei eigentlich in eine Regierung eintreten? Und in welchem absoluten Ausnahmefall wäre dies sogar geboten? Überlegungen, die wir heute in Partei-Runden eher selten hören – wird doch Regierungsbeteiligung immer mehr zum Selbstzweck. Luxemburgs Analyse bezieht sich vor allem auf die Rolle der Sozialdemokratie, in der sie seit 1898 als wichtige Wortführerin des linken Flügels arbeitete. Das kann man – so meine Hypothese – im Brückenschlag …

Zeitungen
Pluriformity - von Jeroen Bosman - CC BY-NC-SA 2.0

„Lügenpresse“ – ein uralter Kampfbegriff

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Lügenpresse – so lautet das Unwort des Jahres 2014. PEGIDA-Anhänger*innen rufen den Begriff beispielsweise auf ihren Demonstrationen. Sie werfen den etablierten Medien vor, ihre Ansichten verdreht darzustellen oder gar zu manipulieren (vgl. Kontaktversuch: Lügenpresse trifft Pegida). In Verschwörungstheoretiker*innen-Kreisen wird schon länger der Verdacht gehegt, dass die „Lügenpresse“ ein „geistiges Umerziehungslager“, ein „gleichgeschalteter Medienapparat“ und ein Unterdrücker und Ausgrenzer unerwünschter Meinungen – getreu der Methoden im Nationalsozialismus – sei (vgl. Der Hass der Bescheidwisser). So zumindest ist es in facebook-Kommentaren oder in Internetforen nach zu lesen.

Vom unpolitischen Sport

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Fußball ist toll. Es ist meine Sucht. Meine Leidenschaft. Aber ich auch ein Linker und das macht die Liebe zum Ballgetrete kompliziert. Für mich ist Leverkusen nicht „schwul“ und ich habe wahre Probleme mit den „Sieg“-Gesängen nach Spielen, weil die Stimme in meinem Kopf immer ein „Heil“ anfügen möchte. Ich mache mir keine Illusionen, dass die meisten in der Kurve nicht so kritisch sind. So kenne ich Leute, die sich für die Fankultur, sondern nur für das Spiel an sich begeistern. Auch das finde ich legitim. Aber mein Verständnis von Fußball ist nun einmal politisch: Ich will bunte, das heißt antifaschistische und feministische Kurven, frei von Homophobie, Trans*phobie und Sexismus, haben. Sicher, auch ich liebe das „Wir“-Gefühl, aber es ist ein inklusives „Wir“. Ich will, dass jede*r, der*die Spaß am Sport hat, diesen auch ohne Angst schauen kann. Linke Fankultur ist laut und kritisch gegenüber der Vereinspolitik: Doof sind Schwarmärkte, Preiserhöhungen und Millionenablösen, gut dagegen Jugendkultur und inklusive Stadien. Das Private ist politisch, also auch mein Fan-Dasein. Für mich soll der*die Gegner*in nicht „vernichtet“ werden, …