Alle Artikel mit dem Schlagwort: Debatte

Foto selbstgemacht, CC-BY

Schwangerschaftsabbruchwerbeverbot – wo stehen wir, wo wollen wir hin?

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Ende November hat das Gießener Landgericht Kristina Hänel zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt. Das Gericht befand sie für schuldig, gegen das Verbot der Werbung für den Abbruch einer Schwangerschaft, verstoßen zu haben. Das mediale Echo war riesig. Am Urteil, aber auch am Gesetz selbst wurde Kritik laut. Ziemlich viele Menschen sind jetzt ziemlich sauer. Kritik wurde laut daran, dass das Gericht die Ärztin tatsächlich schuldig gesprochen hat. Daran, dass dieses Gesetz überhaupt gilt. Daran, dass überhaupt wer dieses Verfahren ausgelöst hat, dass es überhaupt eine Anzeige gab. Von vorne. Kristina Hänel ist Gynäkologin und führt unter anderem Schwangerschaftsabbrüche durch. Das ist in Deutschland durchaus straffrei möglich. Zusätzlich hat sie eine Website, auf der steht, dass sie eben dies tut. Das ist unstrittig. Irgendwer ist jetzt hergegangen und hat auf Basis dessen Anzeige erstattet, weil darin ein Verstoß gegen Paragraph 219a des Strafgesetzbuches gesehen wird. Der verbietet es, öffentlich für die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen zu werben. Das ist ziemlich albern. Mindestens. Wenn nicht sogar gefährlich. Es muss klar sein, wo Schwangerschaftsabbrüche möglich sind. Warum? …

Screenshot, frei unter CC-Zero

Heimat – Was ist das schon?

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Die Heimatdebatte, verbunden mit der Frage, wer den Begriff benutzt, und was er mitbringt, verschwindet dann doch nicht so ganz. Zeit, dass Nuocu endlich auch eine Meinung hat. Heimat ist mehr als ein Zuhause. Und während ich jedem*r ein Zuhause wünsche, wünsche allen umso mehr eine Heimat. Heimat ist nichts greifbares und nichts allgemein gültiges. Damit also nichts, wofür ich als solches gemeinsam streiten könnte. Zur Politisierung taugt das nicht. Heimat kann nicht zurückgeholt werden. Heimat kann nicht gegen andere erkämpft werden. Und erst recht kann mir niemand sagen, wie meine Heimat zu sein hat. Heimat ist eine lose, verklärte Mischung aus warmen Kindheitserinnerungen, wie es war und wie es, gefühlt, gut war. Aus Freund*innenschaften. Aus Erlebnissen und Erinnerungen. Und weil eben nichts davon Allgemeingut ist oder sein kann, – wie soll mir denn vorgeschrieben werden, wie meine Erinnerung auszusehen hat? – kann diese Vorstellung von Heimat auch nicht von irgendwem unterwandert werden. Nicht von links, von rechts, nicht vom Papst und nicht vom Beelzebub, nicht von Hannes und nicht vom Bürgermeister. In Ausschnitten können …

Freie Sonntage sind gut für das familiäre Zusammenleben

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Das Bundesverwaltungsgericht schränkt die Sonntagsarbeit ein. Finde ich super! Natürlich denke ich mir als Studi auch: warum soll ich nicht auch sonntags arbeiten dürfen? Da hätte ich die meiste Zeit dafür. Aber genau das ist der Punkt. Warum hat man am Sonntag die meiste Ruhe? Genau, weil es kein allgemeiner Arbeitstag ist, sondern nur bestimmte Berufsgruppen arbeiten dürfen oder auch müssen. Wenn man die Idee von frei wählbaren freien Tagen statt gesetzlicher (meist dem christlichen Kirchenjahr entsprungener) Feiertage auf die Wochenarbeitstage überträgt, klingt das im ersten Moment durchaus nach einer charmanten Idee. Jede*r darf selbst entscheiden, wann sie*er ihren*seinen freien Tag in Anspruch nehmen möchte. Auf den zweiten Blick erscheint diese Idee aber auch meiner Vorstellung von freier Lebensgestaltung nicht mehr so zuträglich. Davon abgesehen, dass es keinen stichhaltigen Grund (mehr) gibt, warum es der Sonntag sein muss, scheint mir ein fester Tag aber gesellschaftlich sehr sinnvoll. Schon aus familienpolitischer Sicht ist ein gemeinsamer freier Tag ein sehr hohes Gut! Ein Tag, an dem alle Familienmitglieder – sei es die klassische, die Patchwork-, die Regenbogen- …