Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kapitalismus

Widerspruch von Kapitalismus und Nachhaltigkeit

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Wer vom Kapitalismus nicht reden will, sollte von Nachhaltigkeit schweigen! Alle sind für Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und mehr Zeit für Wichtiges. Entsprechende Initiativen, die daran was verbessern wollen kommen jedoch an scheinbar unüberwindbare Grenzen. Das liegt an einem Wirtschaftssystem, das nur funktioniert, wenn alles dem Wachstum, der Arbeit und dem Profit unterworfen ist. Diese Logik steht der Realisierung einer ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Gesellschaft im Weg. Aus einer grün-linken Perspektive sollte demnach kein Zweifel daran bestehen, dass die Forderung nach Nachhaltigkeit mit einer Kapitalismuskritik einher gehen sollte. Das Problem liegt beim Wirtschaftswachstum Ein wesentliches Merkmal, welches das gegenwertige Wirtschaftssystem bestimmt, ist der Zwang zum Wachstum. Gemeint ist nicht das Wachstum von Wohlstand oder Qualität, sondern die in Geld gemessen Wirtschaftsleistung (BIP). Schon 1972 kommt Club of Rome zu dem Schluss, dass das Wachstum an die Grenzen kommen wird. Jede Warenproduktion verbraucht Stoffe und Energie und deshalb bedeutet eine steigende Wirtschaftsleistung zwangsläufig auch einen wachsenden Ressourcenverbrauch. Jedoch ist unendliches Wachstum auf einem endlichen Planeten nicht möglich. Die Ressourcen werden knapper. Zudem ist das Wachstum auch …

Typewriter keyboard, coffee - von rawpixel - CC0

Geld oder Leben

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Ich habe die Schule abgebrochen, nie eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen und heute drei Jobs. Es könnte das Leben sein, von dem ich immer geträumt habe. Doch dann wache ich auf und stelle fest: “Mist, ist ja immer noch Kapitalismus”. Seit der Kindheit ist mir klar, dass ich Autorin sein will. Mein Traum damals: Gleich das erste Buch wird ein kleiner Besteller. Dabei ging es mir nicht um das Berühmt- oder Reichsein, sondern schlichtweg um die finanzielle Sicherheit, um am zweiten Buch arbeiten zu können. Denn wer glaubt, ein Buch zu schreiben wäre keine Arbeit, hat noch nie tagelang mit sich verselbstständigenden Charakteren diskutiert oder die halbe Nacht wach gelegen aus Angst, eine Plotlücke nicht schließen zu können. Ich hatte Glück: Meine Familie nahm mein Ziel ernst. Mir wurde nie eingeredet, lieber etwas “Richtiges” zu lernen. Die Annahme, dass ich Abitur machen und studieren würde, war trotzdem da. Lange wollte ich das auch selbst. Bis ich feststellte, dass ich überhaupt nicht den Nerv dafür habe. Mir fehlte der Realitätsbezug, die Praxis. Auch für abstrakte …

Ende Gelände - von Tim Wagner - CC BY-NC

Utopie bleibt Handarbeit

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Mit Ende Gelände Zukunft erkämpfen Dieser Artikel wurde ursprünglich veröffentlicht im gedruckten SPUNK 01/2018. Die alten Gewissheiten gelten nicht mehr. Das Klima ändert sich sehr viel schneller und die Auswirkungen sind sehr viel heftiger, als es noch vor wenigen Jahren überhaupt für möglich gehalten wurde. Das Erreichen des als Grenze zum Chaos angesehenen 2-Grad-Ziels rückt in immer weitere Ferne; gleichzeitig wird klar, dass schon eine Erwärmung um weniger als 2 Grad katastrophale Folgen nach sich ziehen wird. Selbst Klimawissenschaftler*innen haben das Ausmaß und die Geschwindigkeit unterschätzt, mit der die Bedrohung auf uns zukommt. Der Kampf gegen die Klimakrise ist die große Aufgabe unserer Zeit, doch noch immer verweigern sich weite Teile von Politik und Gesellschaft diesem Kampf. Um das zu ändern, braucht es neue Protestformen, die aufrütteln und ein weiteres Ignorieren der bevorstehenden Katastrophe unmöglich machen. Ziviler Ungehorsam ist ein solches Mittel. Und so hat sich die GRÜNE JUGEND dem Aktionsbündnis Ende Gelände angeschlossen, mit dem wir seit 2015 friedlich, aber bestimmt mit koordinierten Massenaktionen die Kohleverbrennung stören und blockieren. Ende Gelände ist ein inklusiver …

Doping, Drogen & der Kapitalismus

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In unserer Pro-Contra-Debatte über die Freigabe von Doping im Sport vertritt Marcel aus der SPUNK-Redaktion die Contra-Position. Er meint, so sehr Florian auch recht haben möge, dass die populären Argumente gegen Doping scheinheilig seien, verfehle seine Rhetorik den Kern der Sache: Doping sei Ausdruck des destruktiven Verdrängungswettbewerbs, wie wir ihn im Kapitalismus alltäglich erleben würden.

Alltag und Krise

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Die Finanz- und Wirtschaftskrise in Europa, bzw. die politischen Reaktionen in Form von Sparpolitik und neoliberaler Disziplinierung, prägen sich mit deutlichen Spuren in die psychische und physische Gesundheit der Menschen in Europa ein. Viele gehen seltener zum Arzt, wollen bzw. können sich keine Medikamente mehr leisten, die medizinische Versorgung wird allenortens zurückgefahren. Laut Studien hat sich die seit 2007 vorher langfristig rückläufige Zahl von Suiziden umgekehrt. In Griechenland stieg zwischen Januar und Mai 2011 die Zahl der Selbsttötungen um 40% im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr. Psychische Erkrankungen in Portugal nahmen zwischen 2006 und 2010 in hohem Maße zu. Depressionen, Angststörungen, Stress, Schlafstöungen, Alkoholabhängigkeit breiten sich auf dem Kontinent aus. Die Wahrscheinlichkeit mit einer psychischen Erkrankung arbeitslos zu werden, sind doppelt so hoch wie ohne. In Österreich erhöhte sich die Zahl von Krankmeldungen bei der Arbeit wegen psychischer Probleme zwischen 2009 und 2011 um 22% – das zeigt, dass die gesundheitlichen Folgen der Krise ganz Europa betreffen. Auch ganz grundsätzlich sollten die dramatischen Auswirkungen der aktuellen Krise auf den Alltag nicht als Ausnahmesituation verstanden …