Kultur, Queerfeminismus
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Übergriffigkeit ist niemals Kunst

fight sexismus - von Metro Centric - CC BY 2.0

Man möchte ja fast annehmen, es handele sich um sehr schlechte Satire, wenn eine Person, die dafür eintritt, Vergewaltigung zu legalisieren, aufgrund von Sicherheitsbedenken eine Veranstaltung absagt, im Rahmen derer eine Vernetzung unter Gleichgesinnten erfolgen sollte. Es handelt sich jedoch nicht um besagte schlechte Satire sondern um genau das, was im Falle des Pick-Up-“Artists“ (dieser Begriff – wörtlich übersetzt: Aufreißkünstler – steht hier bewusst in Anführungsstrichen, da nicht der Anschein erweckt werden soll, beim Aufruf zu Straftaten würde es sich um eine Kunst handeln) Daryush „Roosh“ Valizadeh vorgefallen ist.

Die Szene der sogenannten Pick-Up-“Artists“ hat ihren Ursprung in den USA und versteht sich selbst als Männerrechtsbewegung, die gegen Emanzipation eintritt. Von ihren Akteuren werden unter anderem Seminare veranstaltet, auf denen andere Männer lernen, wie sie Frauen auch entgegen ihres Abwehrverhaltens „abschleppen“ und „flachlegen“ können.
Schon hier sollten sämtliche Alarmglocken schrillen. Tun sie das nicht: Weitere Hintergründe zu besagtem geplanten und dann abgesagten Treffen und dem Menschen dahinter. Valizadeh führt einen Blog namens „Return of Kings“. Auf diesem rief er für den 6. Februar zu 165 Treffen in insgesamt 43 Ländern auf – und sagte sie kurze Zeit später wieder ab.  Schaut man sich Valizadehs Seite an, findet man dort ein Potpourri an Ekelhaftigkeit, das Valizadeh gemeinsam mit anderen Autoren veröffentlicht. Artikel wie „Top 10 Worst Female Role Models In The Entire World“ die vom Style her an Buzzfeed erinnern (Platz 1 geht übrigens an Hillary Clinton, aber auch Sheryl Sandberg, Angela Merkel oder Beyoncé finden Erwähnung), zweifelhafte politische Kommentare (lauter Donald Trump Fanboys) und natürlich auch einen Haufen rassistische („5 Reasons You Shouldn’t Feel Guilty About European Colonialism“) und antisemitische („The Damaging Effects Of Jewish Intellectualism And Activism On Western Culture“) Kackscheiße. Zudem würden Feministinnen durch ihren unsäglichen Aktivismus Männern den Zugang zu Sex, der ihnen in ihren Augen jederzeit und mit jeder Frau zustehen sollte, erschweren. Kurz: Es ist zum Davonlaufen.

Was übrigens wirklich Satire sei, glaubt man Valizadeh, der sich selbst als „Neumaskulinist“ definiert: Seine einstige Forderung, Vergewaltigung im privaten Raum zu legalisieren. Zumindest ruderte er, mit der Berufung auf Satire, relativierend zurück. Nichtsdestotrotz formierte sich gerade unter dem Hashtag #MakeRapeLegal Protest gegen diese Aussage Valizadehs. Überhaupt sieht sich Valizadeh gerne als Opfer der Presse, als falsch dargestellt und verfolgt. Nach einem Blick auf seinen Blog bleibt bloß die Frage offen, was man da falsch verstanden haben könnte, so eindeutig sexistisch, rassistisch und antisemitisch sind die dort veröffentlichten Texte. Den Klimawandel gibt es übrigens auch nicht, der ist eine Erfindung von Al Gore und anderen Kommunist*innen! Der Blog „Return of Kings“ zeigt erschreckend, wie stark verschiedene Diskriminierungsformen miteinander verschränkt sind und wie stark Verschwörungstheorien hineinspielen. Werfen sie gerne Feministinnen – von männlichen Feministen gehen sie erst gar nicht aus – ein verzerrtes, absurdes Weltbild vor, im Rahmen dessen Tatsachen verdreht würden, scheint es so, als sollten sie viel lieber mal vor der eigenen Haustür kehren.

Natürlich ist Sexismus kein Problem, das nur anhand maskulistischer Blogger – oder im Rahmen der rassistischen Diskreditierung von Geflüchteten – Medienaufmerksamkeit erhalten sollen. Sexismus ist kein gelegentlich auftauchendes Problem. Sexismus ist Alltag und ein Problem, das es entschieden zu kritisieren und dem es noch entschiedener entgegenzutreten gilt. Pick-Up-“Artists“ karikieren nichtsdestotrotz die Zuspitzung sexistischer Gesellschaftsstrukturen in Form einer zweifelhaften Bewegung erschreckend präzise. Sollten ähnliche Treffen in naher Zukunft erneut geplant sein, dann tut die aktivistische Szene hoffentlich das, was sie dieses Mal getan hat: Lautstark protestieren. Genauso laut und #ausnahmslos, wie sie immer wieder auf jede Form von Alltagssexismus hinweist.

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