Ökologie, SPUNK
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Um Klimaschutz bitten bringt uns nicht weiter

Ein Plädoyer für mehr zivilen Ungehorsam im Kampf für Klimagerechtigkeit. Es ist wieder soweit! Ende Gelände wird diesen Sommer (24.-29. August) im Rheinland Braunkohleinfrastruktur stillegen. Tausende Klimaktivist*innen aus ganz Europa werden, in weißen Schutzanzügen gekleidet, mit Glitzer in den Haaren und zu dem Rhythmus unserer Sambaband tanzend, den Betrieb des Braunkohletagebaus aufhalten.

Warum? Weil die letzten Jahrzehnte gezeigt haben: Wir können uns nicht darauf verlassen, dass Politiker*innen die Welt für uns retten. Und jene, die in Parlamenten und auf dem internationalen Parkett für Klimagerechtigkeit streiten, werden ohne eine starke und radikale außerparlamentarische Klimabewegung keinen Fortschritt erreichen können. Klimaschutz – wirklicher Klimaschutz – ist Handarbeit. Und seit jeher war auch die Grüne Jugend Teil der Bewegung.

Die Besetzung von Baunkohletagebauen und die Blockade von Kohlekraftwerken mögen nach dem aktuellen Recht die Linie der Legalität überschreiten – im Angesicht der extremen Folgen des anthropogenen Klimawandels sind sie aber legitim. In den Ländern des globalen Südens nimmt der Klimawandel bereits jetzt Menschen die Existenzgrundlage. In den nächsten drei Jahren – so sagt es die Klimawissenschaft – muss sich die Menschheit von ihrer Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen verabschieden oder der Klimawandel wird unseren unstillbareren Ressourcenhunger mit der unwiderruflichen Vernichtung unserer Lebensgrundlagen abstrafen. Deshalb können wir nicht länger warten. Im Rheinland stehen die dreckigsten Kohlekraftwerke Europas. Hier ist der richtige Ort zu beginnen. Die Braunkohleverbrennung muss sofort aufhören und die fossilen Ressourcen für immer im Boden gelassen werden.

Aktivist*innen, die mit zivilem Ungehorsam gegen die großen Ungerechtigkeiten ihrer Zeit protestierten, wurden immer schon gerne als kriminelle Gewalttäter*innen – und Umweltschützer*innen gern als Ökoterrorist*innen – bezeichnet. Ein rhetorisches Mittel, mit dem die Verantwortlichen der Ungerechtigkeiten begründen, warum sie sich nicht ernsthaft mit den Forderungen der Aktivist*innen auseinandersetzen müssen. Denn randalierende Chaoten haben ja das Recht verwirkt, als Teil einer in Demokratie lebenden Gesellschaft ernst genommen zu werden. Lassen wir uns auf diese Argumentation ein, bremsen wir uns selbst aus. Wollen wir die Energielandschaft Deutschlands umkrempeln – und damit nur den ersten Schritt hin zu einer klimagerechten Welt gehen – werden noch viele Gleisblockaden, Kraftwerksbesetzungen und Demonstrationen nötig sein.

Deshalb, liebe Grüne Jugend Aktivist*innen, werdet dieses Jahr wieder Teil unserer Blockaden. Bringt eure Einhornkostüme mit und lasst uns um die Bagger tanzen. Unser Protest wird laut, er wird bunt und mit der UN-Klimakonferenz im Anmarsch, weit über unsere Ländergrenzen hinweggehört werden. Wir freuen uns auf euch!

pseudo2@gruene-jugend.de'
pseudo2@gruene-jugend.de'

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