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Utopie bleibt Handarbeit

Ende Gelände - von Tim Wagner - CC BY-NC

Mit Ende Gelände Zukunft erkämpfen

Dieser Artikel wurde ursprünglich veröffentlicht im gedruckten SPUNK 01/2018.

Die alten Gewissheiten gelten nicht mehr. Das Klima ändert sich sehr viel schneller und die Auswirkungen sind sehr viel heftiger, als es noch vor wenigen Jahren überhaupt für möglich gehalten wurde. Das Erreichen des als Grenze zum Chaos angesehenen 2-Grad-Ziels rückt in immer weitere Ferne; gleichzeitig wird klar, dass schon eine Erwärmung um weniger als 2 Grad katastrophale Folgen nach sich ziehen wird. Selbst Klimawissenschaftler*innen haben das Ausmaß und die Geschwindigkeit unterschätzt, mit der die Bedrohung auf uns zukommt.

Der Kampf gegen die Klimakrise ist die große Aufgabe unserer Zeit, doch noch immer verweigern sich weite Teile von Politik und Gesellschaft diesem Kampf. Um das zu ändern, braucht es neue Protestformen, die aufrütteln und ein weiteres Ignorieren der bevorstehenden Katastrophe unmöglich machen. Ziviler Ungehorsam ist ein solches Mittel. Und so hat sich die GRÜNE JUGEND dem Aktionsbündnis Ende Gelände angeschlossen, mit dem wir seit 2015 friedlich, aber bestimmt mit koordinierten Massenaktionen die Kohleverbrennung stören und blockieren.

Ende Gelände ist ein inklusiver und beständig wachsender Zusammenschluss von Menschen unterschiedlicher Kontexte und Hintergründe, die ein gemeinsames Ziel antreibt: Effektive Systemkritik durch direkte Aktion. Unsere Bewegung steht für radikalen Klimaschutz, doch es geht um mehr: Die Ausbeutung von Mensch und Natur ist das Grundprinzip des Kapitalismus; nur dessen Überwindung kann das Ende dieser Ausbeutung ermöglichen. Unser Kampf gegen die Kohle ist deshalb nur ein erster Schritt auf dem langen Weg zu einer befreiten Gesellschaft jenseits von Ausbeutung und Unterdrückung. Ende Gelände fordert einen grundlegenden Wandel unseres Systems.

Unser Kampf gegen die Kohle ist nur ein erster Schritt auf dem langen Weg zu einer befreiten Gesellschaft jenseits von Ausbeutung und Unterdrückung.

Dafür gehen wir bewusst bis an die Grenzen der Legalität – und darüber hinaus. Der Bruch geltender Gesetze ist für uns dabei kein Selbstzweck, sondern ein notwendiges Mittel zum Erreichen unserer Ziele. Die Zerstörung unserer Zukunft ist Unrecht; Widerstand dagegen ist daher nicht nur legitim, sondern zwingend notwendig.

Ich war 2016 zum ersten Mal dabei und sofort überwältigt von der positiven Kraft, die von dieser Bewegung ausgeht. Gemeinsam haben wir in der Lausitz tagelang die riesigen Bagger besetzt, auf den Gleisen der Kohlebahnen geschlafen und die Verladestation zum örtlichen Kraftwerk in Beschlag genommen. Hier und auch im letzten Sommer bei den Aktionen im Rheinland habe ich gelernt, was Solidarität bedeutet und was für eine starke Waffe sie ist. Nie hätte ich gedacht, wie unbesiegbar diese Mischung aus bedingungsloser Hilfsbereitschaft, Kreativität und unzerstörbar guter Laune macht.

Wir sind gut organisiert, solidarisch, wir sind viele – und wir wissen, was zu tun ist. Zu Tausenden stellen wir uns den Baggern in den Weg, denn mit Kohle, Öl und Gas lässt sich keine Zukunft gestalten. Wir blockieren Gruben, Kohlebahnen und Kraftwerksabläufe mit unseren Körpern und senden so ein unüberhörbares Signal an alle, die weiter ungehindert unser Klima verheizen wollen: Bis hierher und nicht weiter, denn jetzt ist Ende Gelände.

 

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