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Venezuela befreit sich aus der Unterdrückung

Photo by Sharosh Rajasekher on Unsplash

Heute verfasse ich die Worte, die ich immer schreiben wollte:
Bei deiner Geburt und in deiner Kindheit hast du vielleicht noch keine Ahnung von Politik, aber im Laufe der Jahre verstehst du, dass die Politik eng mit der Gesellschaft verwoben ist und die Demokratie erst durch diese enge Verbindung ermöglicht wird und aus ihr hervorgeht.

Durch mein junges Alter habe ich nie eine andere Regierung erlebt als dieses Regime, heute sehe ich, wie wir aus diesem Tunnel ausbrechen. Ein Tunnel, der uns, der jungen Generation, unsere Jugend und damit unsere wertvollsten Lebensjahre raubte. Wir junge Venezolaner*innen wurden in eine Tyrannei hineingeboren, die uns nur ein- statt dreimal täglich essen ließ, die uns zwang, kilometerweit zu laufen, um an unser Ziel zu kommen. Ich weiß nicht, ob ich meiner Elterngeneration Vorwürfe machen sollte, aber von der kommenden Generation werde ich auf jeden Fall sehr viel verlangen.
Wer unsere Geschichte nicht kennt, muss sie erfahren, und deshalb richte ich diese Erklärung an alle jungen Menschen dieser Welt, die sie lesen: Venezuela kämpft für die Freiheit, die Freiheit entscheiden zu können, was wir essen und wie wir uns kleiden möchten; die Freiheit durch die Straßen zu laufen ohne die Angst, getötet zu werden, um uns auszurauben. Ein paar wenige Habseligkeiten zum Preis eines Menschenlebens.

Jugend des Globalen Nordens, nutzt die Freiheit der Demokratie und seid vorsichtig mit kommunistischen Tendenzen, die euch eurer individuellen Freiheit berauben, eurer Entscheidungsfreiheit, eurer Freiheit zu leben wie ihr wollt. Die Geschichte hat sich nicht geirrt, ich musste am eigenen Leib die Fehler dieses Systems erleben, das dich nicht ohne Angst atmen lässt. Viele, über 500 junge Menschen haben ihr Leben gelassen, neun von ihnen waren junge Grüne, über 2000 waren im Gefängnis. Aber, und das ist am wichtigsten, es waren junge Venezolaner*innen, die ihr Leben für uns geopfert haben; für uns, die jetzt dieses Land bewohnen und für all diejenigen, die uns folgen werden. Ihrem Gedenken und unseren Kämpfen zu Ehre, möchte ich der Jugend und allen, die diesen Artikel lesen, erklären, was gerade genau in Venezuela passiert.

Der Abgeordnete Juan Guaidó hat sich nicht selbst ernannt, wie es in der internationalen Presse zu lesen ist. Als Präsident der Nationalversammlung (Asamblea Nacional) hat Guaidó die Kompetenzen des Präsidenten übernommen, gemäß des Artikels 233 unserer Verfassung. Am 23.01.2019 ereignete sich weder ein Putsch noch wurde ein Parallelstaat errichtet – der Putsch ereignete sich am 20.03.2017, als das Oberste Gericht (Tribunal Supremo de Justicia) der Nationalversammlung die Gesetzgebungskompetenzen entzog, der Parallelstaat wurde im Juli 2017 durch die Gründung einer Konstituierenden Nationalversammlung (Asamblea Nacional Constituyente) geschaffen. Die demokratische Welt tat gut daran, diese nicht anzuerkennen.
Maduro schuf den Anschein von Wahlen im Mai 2018, doch diese vermeintlichen „Wahlen“ erfüllten nicht die Mindeststandards einer Wahl, der Mehrheit der Parteien war es verboten, teilzunehmen, die demokratische Welt erkannte diese Wahlen nicht an und seit Januar diesen Jahres hat Nicolás Maduro sein Amt widerrechtlich inne.
Der venezolanische Konflikt ist kein Konflikt zwischen Links und Rechts, tatsächlich ist die Mehrheit der venezolanischen Parteien links orientiert. Vielmehr handelt es sich um einen Konflikt zwischen der Demokratie und der Tyrannei des Chavismus. Der von Juan Guaidó angeführte Wandel ist offen für alle Parteien und überhaupt für die ganze Zivilgesellschaft.

Durch diesen Prozess entsteht eine falsche Meinung, laut der sich die US-amerikanische Regierung des venezolanischen Öls bemächtigen will. Dabei ist die Abhängigkeit der USA vom Öl historisch gesehen minimal. Es geht nicht um das Öl – die USA, die Europäische Union und die Lima-Gruppe unterstützen den demokratischen Wandel in Venezuela.

Dieser Wandel wird von der Nationalversammlung geführt, welche von mehr als 14 Millionen Menschen gewählt und auf der Straße unterstützt wird. Ihn nicht zu unterstützen wäre ein Verrat am Prinzip der Selbstbestimmung des venezolanischen Volks gegenüber einem faktischen Regime.

Gregorio Blance ist Mitglied der Grünen Partei Venezuelas und der Global Young Greens.

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Gregorio Blance ist Mitglied der Grünen Partei Venezuelas und der Global Young Greens.

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