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Vom Gezipark zum Bosporus

Hallo aus Istanbul! Nach fünf Tagen unseres GRÜNE-JUGEND-Türkei-Austauschs wollen wir euch ein paar Eindrücke unserer letzten Tage geben. Wer wir sind und was wir hier machen, könnt ihr hier nachlesen. In den nächsten Tagen folgen zu einigen Fotos auch noch längere Artikel, Podcasts und Videos – seid gespannt.

Teepause.

Teepause.

Istanbul ist eine riesige, spannende, wunderschöne, hässliche, laute, bunte, graue, sich stets wandelnde Stadt. Wie sich aus drei kleinen Vierteln auf beiden Seiten des Bosphorus innerhalb von einem Jahrhundert eine 20-Millionen-Stadt entwickeln konnte und welche stadtentwicklungspolitischen Veränderungen vor allem in den letzten dreißig Jahren stattfanden, haben wir auf einer Gentrification-kritischen Stadtführung erfahren. Darüber haben wir auch mit Yaşar Adnan Adanalı gesprochen – hier findet ihr den Podcast, den Julia und Carla mit ihm aufgenommen haben.

Stadtführung

Die Stadtführung startet im Gezi Park.

„Der stadtpolitische Hintergrund der Gezi-Proteste ist eine Entwicklung, die die Aufwertung der gesamten Innenstadt zum Ziel hat.“ – diese These stellt Julia, unser Guide, zu Beginn der Stadtführung auf. Der Stadtteil Beyoglu ist seit einigen Jahrzehnten der Schwerpunkt der Gentrification. Entlang der Istiklal Caddesi haben sich nicht nur Starbucks und die Flagship Stores von Nike & Co eingerichtet. Immer wieder finden sich, wie hier, Passagen, die die gut betuchten Besucher_innen in eine Parallelwelt entführen. Die Folge: Die Menschen, die bisher hier lebten, werden verdrängt.

Passage

Auch diese schicke Passage führt zur Aufwertung des Viertels.

Nach dem Konzept einer modernen Megacity soll es keine Industrie mehr in der Stadt geben, sondern nur noch im Dienstleistungssektor beschäftigt werden. Früher gab es entlang des Goldenen Horns noch unzählige Fabriken und eine Werft, heute gibt es dort keine einzige mehr. Auch die Handwerksbetriebe verschwinden nach und nach und damit auch die Geschäfte, in denen man Handwerkszubehör wie Farbe oder Werkzeuge kaufen kann.

Farbpulver

Farbpulver zum anmischen.

Innerhalb von 10 Minuten kann man mit Fähren, die zum öffentlichen Verkehrsnetz gehören, den Bosporus überqueren. Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann eine der zwei Bosporus-Brücken nutzen. Gegen eine dritte Brücke, die geplant ist, wird protestiert: am Baugrund hat sich ein Protestcamp gegründet.

Möwen über dem Bosphorus.

Möwen über dem Bosporus.

Wir wohnen auf der europäischen Seite Istanbuls, besuchen aber immer wieder die asiatische Seite. Europa und Asien liegen hier nur einen Katzensprung auseinander. An Istanbul, der einzigen Stadt, die auf zwei Kontinenten liegt, zeigt sich auch die Absurdität von Grenzen.

Fahrt über den Bosporus.

Fahrt über den Bosporus.

Mitten im zentralen Stadteil Beyoglu – keine 400 Meter von, Taksimplatz entferntt – ist das Yesil Ev, ein Treffpunkt für Grüne Aktivist_innen in Istanbul. Im Yesil Ev („Greenhouse“) treffen wir uns immer wieder mit der türkischen Grünen Jugend zu Workshops, zum Austauschen und zum gemeinsamen Essen. In den ersten Etagen sind Büros, die Dachterasse dient als Cafe, Restaurant und Platz zum Diskutieren und Feiern.

Im Greenhouse treffen wir uns mit der türkischen Grünen Jugend.

Im Greenhouse treffen wir uns mit der türkischen Grünen Jugend.

Wer schon einmal in Istanbul unterwegs war, kennt die vielen kleinen Obst- und Gemüseläden die es an jeder Ecke der Stadt gibt. Die Organisation „Food not Bombs“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gemüse und Obst – das ansonsten am Ende des Tages weggeschmissen wird – einzusammeln und daraus für die Nachbarschaft zu kochen. Alles ist kostenlos und vegan. Wir haben gemeinsam Gemüse eingesammelt, das Essen zubereitet und die Nachbarschaft eingeladen.

Die Kochaktion von "Food not Bombs" bringt Nachbar_innen zusammen.

Die Kochaktion von „Food not Bombs“ bringt Nachbar_innen zusammen.

 

 

Jugend für Europa Erasmus+EU_ErasmusPlus

Dieses Projekt wird durch Erasmus+ gefördert.

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