AntiFa & AntiRa
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Vom unpolitischen Sport

Fußball ist toll. Es ist meine Sucht. Meine Leidenschaft. Aber ich auch ein Linker und das macht die Liebe zum Ballgetrete kompliziert. Für mich ist Leverkusen nicht „schwul“ und ich habe wahre Probleme mit den „Sieg“-Gesängen nach Spielen, weil die Stimme in meinem Kopf immer ein „Heil“ anfügen möchte.

Ich mache mir keine Illusionen, dass die meisten in der Kurve nicht so kritisch sind. So kenne ich Leute, die sich für die Fankultur, sondern nur für das Spiel an sich begeistern. Auch das finde ich legitim. Aber mein Verständnis von Fußball ist nun einmal politisch:

Ich will bunte, das heißt antifaschistische und feministische Kurven, frei von Homophobie, Trans*phobie und Sexismus, haben.

Sicher, auch ich liebe das „Wir“-Gefühl, aber es ist ein inklusives „Wir“. Ich will, dass jede*r, der*die Spaß am Sport hat, diesen auch ohne Angst schauen kann. Linke Fankultur ist laut und kritisch gegenüber der Vereinspolitik: Doof sind Schwarmärkte, Preiserhöhungen und Millionenablösen, gut dagegen Jugendkultur und inklusive Stadien.

Das Private ist politisch, also auch mein Fan-Dasein.

Für mich soll der*die Gegner*in nicht „vernichtet“ werden, sondern ich will – in der Tradition der Arbeiter*innensportvereine – einfach Spaß haben und freue mich sehr, wenn ich Freund*innen die schöne Bielefelder Alm zeigen kann oder zu ihnen ins Stadion eingeladen werde. Sport in ein Weg, gemeinschaftliches Miteinander zu leben, und ein Ausgleich zum Alltag. Das kann sowohl beim Kicken mit Freund*innen geschehen oder am Wochenende in der Kurve des Lieblingsvereins. Fußball ist auf jeden Fall ein Hobby, bei dem sich gut Freund*innenschaften schließen lassen, und es läd zum Reisen ein.

Was mich aber stört, ist, wenn im Namen meines Sports – und hier bin ich mal so besitzergreifend – Neonazis und Hooligans angeblich völlig unpolitisch Hass und Gewalt säen.

Umso mehr haben mich die Gewaltausbrüche von „Hooligans gegen Salafisten“ („HoGeSa“) schockiert. Bin ich doch davon ausgegangen, dass sich in Köln wirklich nur Hooligans und Neonazis zusammen getan haben, um ihren Hass auf eine Gesellschaft, die ihre Werte nicht mehr teilt, Ausdruck zu verleihen. Ich habe mich getäuscht. Nicht nur Hooligans, sondern auch ganz normale Fußballanhänger*innen sind dem Aufruf zur Demonstration gefolgt. Der rechte Populismus des unpolitischen Protestes hat ganz gut gewirkt.

„Unpolitisch“ meint, dass es sich um einen nicht artikulierten „Volkswillen“ handelt. Etwas, was unwidersprochen richtig ist, weil „politisch“ immer auch politischen Streit bedeutet.

Ich will aber nicht, dass der Hass von Tausenden unwidersprochen bleibt. Vor allem dann nicht, wenn aus dem Protest gegen eine Gruppe mit fragwürdiger Agenda, wie den Salafist*innen, eine Demonstration gegen eine angebliche Islamisierung Europas wird. Deshalb war die Demonstration in Köln auch nicht unpolitisch, sie war widerlich. Und das müssen wir den Menschen – nicht nur in den Kurven – erklären: Ausländer*innenhass ist niemals unpolitisch!

Freundschaft!

Jannes Tilicke ist Vorsitzender der JuSos Minden. Er studiert in Bielefeld Politik- und Wirtschaftswissenschaften, ist Fan der Bielefelder Arminia und bloggt für das linke Autor*innen-Kollektiv „Der Pinguin„.

Marcel ist 23 Jahre jung, studiert Philosophie, Deutsch, Soziologie und Bildungswissenschaften an der Uni Bielefeld und ist seit April 2014 Mitglied der SPUNK-Redaktion.

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