Demokratie, Europa
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Wahlen in Großbritannien – Manchester

Titelbild der Artikelreihe aus dem Ecosprinter

Manchester, 7. Juni 2017

Geh durch das Zentrum von Manchester, nur wenige Stunden bevor die Wahllokale öffnen, und du wirst nicht mal auf die Idee kommen, dass es hier gerade eine landesweite Wahl gibt. Niemand verteilt Flugblätter in den Straßen und du wirst auch nirgendwo „Für die vielen“ oder „Stark und Verlässlich“ angeschrieben sehen. Der Grund ist einfach: die Stadt besteht aus sicheren Sitzen für die Sozialdemokraten. Es gibt gar keinen wirklichen Wettbewerb.

Von Europa aus gesehen bedeutet die Besonderheit im britischem Wahlsystem, dass die Stimme eine*r Manchester*in annähernd wertlos ist und die Aufmerksamkeit, die die Parteien Manchester während der Wahlen zuteil werden lassen, gegen Null geht.

Für die Kernstadt und das direkte Umland von Manchester hat die grüne Partei einige junge Kandidat*innen aufgestellt, im Versuch, die Partei dort zukünftig wettbewerbsfähiger zu machen. Brighton Pavillon, der bis jetzt einzige grüne Sitz, war bis 2010 ein sozialdemokratischer Sitz, genau so ist es in Bristol West noch. Der Wahlkreis, den die Grünen besonders ins Auge gefasst haben. Die Strategie scheint an Orten, in denen nicht stark taktisch gewählt wird, eine starke grüne Präsenz zu (bisher) sicheren Labour-Mandaten zu zementieren, sodass man als Herausforderer auftreten kann, ohne riskieren zu müssen, Sitze an die Konservativen zu verlieren.

Einer von diesen Kandidaten ist Robbie McMinn Lee im Wahlkreis Hazel Grove in Stockport in der Nähe der Stadt Manchester. Er ist 18 Jahre alt und wirbt um eines der Mandate, die die Liberaldemokraten 2015 bei ihrem großen Debakel an die Konservativen verloren haben. Robbie ist Student, arbeitet aber gleichzeitig als Barkeeper. Das ist typisch für Menschen in seinem Alter in einem Staat, in dem Bildung im europäischen Vergleich teurer ist.

Die Kampagne der Grünen in der Vorstadt, so wie bei Robbie in Stockport, konzentriert sich vor allem auf den Verkehr: ein Thema, auf das sich die Grünen schon lange eingeschossen haben und eines der Themen, mit denen Jeremy Corbyn die Führung der Labour-Partei gewann. Die Tatsache, dass die Wahl so spontan festgesetzt wurde, dass die Führung mit Corbyn viele Grüne Kernthemen ins Labour-Manifest übernahm und taktisches Wählen, um die Tories von einer Mehrheit abzuschneiden, führte dazu, dass die Grünen einen geringeren Anteil der Stimmen für sich erwarten, obwohl ihre Ziele in der linken Hälfte des politischen Spektrum von den meisten als wichtig angesehen werden.

Obwohl Manchester in der Wahlnacht keine Schlagzeilen haben wird, war es Zentrum von einem der großen Themen dieser vorgezogenen Wahlen. Als Ende Mai ein Selbstmordattentäter 23 Personen bei einem Konzert im Stadion direkt im Zentrum von Manchester tötete, kam das Thema Terror und der Umgang damit auf die politische Tagesordnung und es wurde klar, dass die strenge Linie, angeführt von Theresa May, Konsequenzen im echten Leben hat. Manchester ist zusammengekommen, um an seiner Vielfalt als zentralem Bestandteil festzuhalten, während sich die Konservativen weiter nach rechts bewegten, indem sie drohten, Menschenrechtsgesetze einzuschränken. Von daher ist es kein Wunder, dass Manchester sicher seine Parlamentsmandate an eine Partei geben wird, die die Tories aus der Regierung raushalten will.    

 

Der Artikel erschien hier im englischen Original.

SPUNK

Seit dem 1. Februar 2014 ist der SPUNK das Online-Magazin des Bundesverbandes der GRÜNEN JUGEND.

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