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Was taugen Nachhaltigkeitsziele?

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Auf der Sommerakademie fand der Workshop „Nachhaltigkeitsziele Global“ statt. Das Interview mit den Referierenden Anton Jaekel vom Fachforum Ökologie und Paula Keller vom Fachforum Globales und Europa fasst die Inhalte und Diskussionen des Workshops zusammen.

Kapitel

00.00 – 02.08: Nachhaltige Entwicklung- und Milleniumsziele – Was ist das?

00.09 – 02.46: Kritik an den Nachhaltigkeitszielen

02.47 – 03.02: Ziel des Workshops

03.03 – 04.01: Chancen der Nachhaltigen Entwicklungsziele (auch in Hinblick auf die Klimakonferenz)

04.02 – 05.04: Möglichkeiten, lokal aktiv zu werden

 

Transkription

Spunk: Wir sind grade bei den 2 Referenten von dem Workshop „Nachhaltigkeitsziele Global“. Stellt euch doch mal vor, wer seid ihr?

Paula: Ich bin Paula, ich koordiniere zurzeit das Fachforum Globales und Europa und bin in der internationalen Koordination und mach‘ mit Anton diesen Workshop.

Anton: Ich bin Anton, ich koordiniere das Fachforum Ökologie und bin in der internationalen Koordination, gleichzeitig leite ich auch die Delegation von FEYG, unserem jungeuropäischen Dachverband, zu den Klimaverhandlungen und bin dort auch im Klimakampagnenteam.

Spunk: Was sind denn nun die sogenannten nachhaltigen Entwicklungsziele, in den Medien war bisher vor allem immer von den Millenniumszielen die Rede, jetzt taucht plötzlich der Name nachhaltige Entwicklungsziele auf, woher kommt das?

Paula: Die Nachhaltigkeitsziele sind die Nachfolgeziele der Millenniumentwicklungsziele, die zur Jahrtausendwende verabschiedet wurden und eben von 2000 bis 2015 gültig waren. Das sind acht Ziele, die relativ grob sich mit nachhaltiger Entwicklung und Entwicklungszusammenarbeit befassen und diese Ziele werden generell in internationalen Verhandlungen und in der internationalen Klima- und Entwicklungscommunity als Erfolg angesehen und es geht vor allem um Armutsbeseitigung und auch Krankheitsbekämpfung im globalen Süden usw.. Diese Sustainment Development Goals, also nachhaltigen Entwicklungsziele, die jetzt eben im Prozess der Verhandlung sind und dann im September beschlossen werden sollen, sind 17 Ziele, die sich ein bisschen weiter gefächert mit Entwicklungszusammenarbeit befassen und diesmal geht es vor allem auch besonders um nachhaltige Entwicklung. Also vor allem auch um Klimaprävention, oder das Aufhalten der Klimakrise. Diese 17 Ziele werden vor allem deshalb kritisiert, weil sie eben 17 sind im Vergleich zu den acht vorher und weil man Angst hat, dass diese Ziele zu einem einfach viel zu viele sind, viel zu weit gefächert, viel zu viele Unterziele, viel zu viele Indikatoren haben und, dass man sich dann nicht mehr auf eine Sache fokussieren kann und das war genau der Erfolg der Millenniumentwicklungsziele, dass sie eben so wenig waren und sie deshalb präzise waren und präzise arbeiten konnten.

Spunk: Du sagst grade, dass die Entwicklungsziele kritisiert werden und die Quantität dieser Ziele ist ja nur eine Kritik daran, was wird denn sonst noch an den Zielen kritisiert?

Paula: Man kritisiert außerdem den Prozess, also wie sie zustande gekommen sind, weil man vor allem jetzt versucht hat das ganze ein bisschen inklusiver zu machen, Bürger zu beteiligen, was bei den Millenniumsentwicklungszielen überhaupt nicht der Fall war. Allerdings ist es so, dass der Großteil der Zivilbevölkerung davon überhaupt nichts weiß, dass diese Ziele wenig Medienpräsenz haben und das vor allem der Anfangsteil, wo sich tatsächlich Bürger aktiv in Onlineplattformen usw. beteiligen konnten, relativ wenig wahrgenommen wurde.

Spunk: Anton, eine Frage an dich, was genau wolltet ihr mit diesem Workshop hier erreichen?

Anton: Das eigentliche Ziel des Workshops war einmal Aufmerksamkeit auf die nachhaltigen Entwicklungsziele zu richten und auch auf Paris und Aufmerksamkeit auf die nachhaltigen Entwicklungsziele und da muss ich Paula ein bisschen widersprechen im Bereich der Kritik. Wir sehen, dass die Millenniumsziele ein Erfolg waren, weil sie der Politik ein Rahmen gegeben haben, indem sie arbeiten musste und das gleiche ermöglichen auch die nachhaltigen Entwicklungsziele, dass sie einen Rahmen der Arbeit geben und deshalb auch, auch wenn sie weit sind, ein Prozess einleiten können, der nachhaltige Entwicklung ermöglicht. Die andere Seite der Medaille, die wir im Bereich der nachhaltigen Entwicklungsziele mit dem Workshop zeigen wollten.
Gleichzeitig auch die Klimaverhandlungen, weil wir haben Ende des Jahres den riesigen Klimagipfel in Paris und darauf müssen wir auch aufmerksam machen. Grade, weil sich die nachhaltigen Entwicklungsziele und die Klimarahmenkonvention, also die Klimaverhandlungen, in sehr sehr vielen Punkten ergänzen können und sich auch gegenseitig verstärken können, dass wir etwas haben können, was die Klimakrise aufhält, was gleichzeitig auch Armut reduziert und gleichzeitig auch für mehr Bildung sorgt.

Spunk: Okay, du hast schon ein Aufruf gestartet, dass wir nach Paris fahren sollten. Gibt es zum Schluss noch irgendetwas, was du sagen würdest, was wir vor Ort tun können im Moment?

Anton: Das wichtigste ist Aufmerksamkeit für das Thema zu schaffen und Lösungen anzubieten. Aufmerksamkeit bedeutet mal eine kleine Aktion zu machen und zu sagen: „Hey Klimawandel ist uncool“. Aktiv werden fängt schon im Kleinen an, das kann damit anfangen, dass Menschen anfangen die Bank oder den Stromanbieter, die Stromanbieterin zu wechseln, oder auch anfangen für autofreie Innenstädte zu werben, dass es mehr Möglichkeiten für Urban Gardening gibt, oder wenn die Leute ganz radikal sein wollen, sich an Kohlebagger ketten können. Das sind so die Sachen, die auf lokaler Ebene jetzt direkt gemacht werden können und ihr könnt auch gucken, dass ihr auf lokaler Ebene anfangt nach Paris zu mobilisieren, das wären so meine Ideen, die mir jetzt spontan einfallen.

Spunk: Okay, dann bedanken wir uns bei euch. Danke, dass ihr mitgemacht habt und dann hoffen wir, dass wir uns alle bald in Paris sehen.

Thomas Ewertz

Thomas Ewertz

Thomas Ewertz studiert in Köln Sozialwissenschaften.
Er setzt sich für weniger Kohleverstromung und mehr Freizeit ein, so ist er auch ein entspannter Zeitgenosse und genießt das Leben, radelt und redet gerne.
Thomas Ewertz

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