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Was war los bei #blockmd?

Gestern, am 16. Januar, fand mal wieder der alljährliche »Trauermarsch« in Magdeburg statt. Auch die GRÜNE JUGEND hatte den Aufruf des Bündnisses #BlockMD unterstützt und für friedliche Proteste gegen diesen Naziaufmarsch aufgerufen.

Am Eichweiler Bahnhof fanden sich um 18.30 Uhr etwa 300 Neo-Nazis zum gemeinsamen Fackelmarsch ein. Die genaue Route des Marsches wurde, genau wie der Termin, vergleichsweise spät bekannt gegeben. Erst zwei Tage vor dem »Trauermarsch« informierte das Bündnis #blockmd, eines der Bündnisse für die Organisation von Protest-Aktionen, dass die Nazis nicht – wie vorher angenommen – für Samstag, sondern schon für einen Tag früher mobilisiert hatten. Über die Route der Nazis wurde noch während der Veranstaltung ständig spekuliert, da sie anfänglich nicht bekannt war und sich aufgrund erfolgreicher Blockade-Aktionen veränderte.

Schon als die Nazis ihren Aufmarsch am Eichweiler Bahnhof starteten, versuchten Gegendemonstrant_innen, den Marsch durch eine Blockade der Straße zu stoppen. Die Polizei räumte zwar diese Blockade, z.T. gewaltsam; der Fackelzug der Nazis wurde aber dennoch durch eine Kleingartenanlage und nicht über die Straße in die Stadtmitte fortgesetzt.

Nachdem die Nazis die Kleingartenanlage passiert hatten, versuchten sie, über die Lübeckerstraße doch in die Stadt zu gelangen. Ca. 1000 Gegendemonstrant_innen, die sich auf Aufruf der kirchlichen und linken Proteste vor der Nicolaikirche eingefunden hatten, stellten sich dem Marsch erfolgreich in den Weg.

Dieser wurde dann durch die Polizei über Nebenstraßen umgeleitet und kehrte nach nichteinmal 2 Stunden zum Bahnhof Eichweiler zurück, ohne wirklich durch die Stadt marschieren zu können. Mehreren Berichten zufolge waren Nazis noch in Kleingruppen präsent, weshalb sich einige Menschen schützend vor ein Asylbewerber_innenheim stellten, um mögliche rechtsradikale Übergriffe abzuwenden. Zudem wurde von Polizeikesseln berichtet und zum Teil gewaltsamen Vorgehen der Polizei gegen Sitzblockaden.

Im Vergleich zum Vorjahr, wo noch 850 Nazis in Magdeburg marschierten und 2013, wo es sogar noch über 1000 waren, ist die Anzahl der Teilnehmenden am »Trauermarsch« stark zurückgegangen. Ob die Ursache dafür tatsächlich eine Verminderung des Mobilisierungspotenzials rechter Aufmärsche ist, bleibt angesichts der großen Aufmärsche von Pegida; Hogesa und Co sehr fraglich. Möglicherweise ist der offensichtliche Attraktivitätsverlust des »Trauermarsches« sogar mit der gesteigerten Konkurrenz durch ein mittlerweile breiteres Angebot großer rechter Zusammenkünfte zu erklären.

Jamila Schäfer war lange Mitglied der SPUNK-Redaktion und studiert in Franfurt am Main Soziologie und Philosophie. Sie ist die Bundessprecherin der GRÜNEN JUGEND.

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